Im Schwitzkasten der Justiz

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Pikant: Diese Bilder vom Polizeieinsatz in Pfaffenhofen machte die 66-jährige Betroffene. Ein Polizist in Uniform entriss ihr die Kamera und löschte die Fotos, die aber später wieder hergestellt werden konnten. Links überwältigen Polizisten im Hausflur ihren ehemaligen Kollegen (66), rechts gehen sie bei dessen Schwiegersohn auf Tuchfühlung.

Schechen - Zwei Ehepaare erheben schwere Vorwürfe: Sie seien bei einem Polizei-Einsatz misshandelt worden. Jetzt tauchte ein Bild der Festnahme auf. Brutalität oder normales Vorgehen?

Sie seien im Flur der eigenen Wohnung grundlos bedrängt, niedergerungen, in den Schwitzkasten genommen und geschlagen worden, hätten Höllenqualen erlitten. Das werfen zwei unbescholtene Ehepaare aus Pfaffenhofen bei Rosenheim der Polizei vor. Trotz des Medienwirbels um den Fall bleibt es aber dabei: Die Justiz nimmt nicht die Polizisten, sondern die beiden Paare in den Schwitzkasten.

Wie rabiat darf die Polizei bei solchen Einsätzen vorgehen? Warum musste der Routine-Einsatz in einem Mietshaus mit 14 Parteien im Süden Rosenheims derart eskalieren? Mit diesen Fragen wird sich nun das Amtsgericht Rosenheim befassen. Aber in ganz anderer Form, als sich dies die vier Hausbewohner - ein Pensionär und Ex-Polizist (66), seine Frau (62) sowie Tochter und Schwiegersohn - erhofft hatten.

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Denn ein Gerichtsverfahren haben jetzt sie selbst am Hals - und nicht die insgesamt zehn Polizeibeamten, die in die Überwältigungsaktion verwickelt waren. Das bestätigte gestern der Rechtsanwalt der vier Pfaffenhofener, Hartmut Wächtler aus München. Er rechnet aber damit, dass der Prozess wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erst 2012 beginnt - weil seine jüngere Mandantin hochschwanger ist. Indessen ruht nach Angaben von Oberstaatsanwalt Günther Hammerdinger das Verfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen die Polizisten, das die Staatsanwaltschaft Traunstein vorläufig eingestellt hatte. Ob den Beamten doch noch Konsequenzen drohen oder sich ein zivilrechtliches Verfahren um Schmerzensgeld und Schadenersatz anschließt, hängt vom Ausgang des Amtsgerichtsprozesses in Rosenheim ab.

Wie berichtet, hatten zwei Zivilbeamte im November 2010 in dem 14-Parteien-Wohnblock einen Mann gesucht, den sie zu einer psychiatrischen Untersuchung vorführen sollten. Der Gesuchte war aber bereits ausgezogen. So klingelten die Polizisten unter anderem bei der Tochter ihres ehemaligen Kollegen. Wenige Minuten später liegen Vater und Tochter am Boden - beide gefesselt.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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