Unfall an Vogtareuther Staustufe verändert Leben des jungen Schonstetters

Nach Hechtsprung querschnittsgelähmt - Wie sich Sandro (16) zurück ins Leben kämpft

Sandro (16) aus Schonstett nach Badeunfall am Inn querschnittsgelähmt
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Nach einem Badeunfall an der Vogtareuther Staufstufe ist der 16-jährige Sandro aus Schonstett querschnittsgelähmt. Dennoch will er nicht aufgeben und sich zurück ins Leben kämpfen.

Schonstett - Hechtsprung in den Inn mit fatalen Folgen: Innerhalb eines Wimpernschlags änderte sich das Leben des 16-jährigen Sandros radikal. Er prallte mit dem Kopf auf einen Stein und ist seither an den Rollstuhl gefesselt. Eine enorme Umstellung für die Familie - mit hohen finanziellen Herausforderungen.

Mittwochnachmittag, 8. Juli 2020: Ein heißer Sommertag im Juli, strahlend blauer Himmel, Temperaturen an die 30 Grad. Es war der letzte Tag der Abschlussprüfung zur mittleren Reife. Der 16-jährige Sandro wollte das Ende der Prüfungsphase feiern und verabredete sich mit seinen Mitschülern am Inn. Wenn auch nicht öffentlich ist die Staustufe in Sunkenroth bei Vogtareuth gerade in den Sommermonaten beliebte Anlaufstelle - vor allem für junge Leute.


Hechtsprung in die Katastrophe: Das geschah im Juli am Inn

„So stand auch für die jungen Schüler fest, hier ihren Abschluss mit Lagerfeuer und kühlen Getränken zu feiern“, schildert der Vater von Sandro, Bernhard, im Gespräch mit wasserburg24.de. Im Laufe des Nachmittags hätten sich die Buben durch einen Sprung in den Fluss abkühlen wollen. Mehrere seien von einem Betonfundament aus in die Strömung des Flusses gesprungen.


Das war der Moment, in dem sich das Leben von Sandro und seiner gesamten Familie schlagartig veränderte: Sandro sprang mit einem Hechtsprung ins Wasser und knallte mit dem Kopf auf einen unterspülten Fels im Inn, blieb schwerstverletzt und bewusstlos im Wasser liegen. Seine Freunde zogen ihn aus dem Wasser und setzten einen Notruf ab. Der 16-Jährige wurde per Rettungshubschrauber sofort ins Klinikum gebracht.

Diagnose Querschnittslähmung: Reha-Aufenthalt für Sandro in Spezialklinik

„Durch den Aufprall hat sich mein Sohn den fünften Halswirbel gebrochen und das Rückenmark schwer verletzt“, erzählt der Vater weiter. Am Ende einer zügigen Rettungskette habe Sandro schon wenige Stunden nach dem Unfall in einer mehrstündigen Operation stabilisiert werden können - er war damit außer Lebensgefahr. „Doch gleich im Anschluss an die Operation übermittelte uns das Ärzteteam die schockierende Diagnose, dass wohl eine hohe Querschnittsymptomatik besteht“, ergänzt Sandros Mutter Kerstin.

Es folgten elf Wochen Aufenthalt in einer Spezial-Unfallklinik in Murnau. „Sandros körperliche Gesamtzustand hat sich mittlerweile auf einem stabilen Niveau eingependelt. Doch mit dem Abklingen der Rückenmarksverletzung hat sich die frühe Diagnose der Querschnittslähmung bestätigt: Sowohl die Beine als auch die Hand- und Fingermotorik sind gelähmt. Aktuell ruhen alle Hoffnungen auf ein zurückkommen einer funktionierenden Armbewegung“, erläutert der Vater. Er kann es noch immer nicht glauben, dass sein naturliebender, sehr sportlich und ehrgeiziger Sohn sein restliches Leben lang auf den Rollstuhl angewiesen ist.

In kleinen Schritten zurück in ein normales lebenswertes Leben

„Die Situation ist sehr schlimm, da brauchen wir nicht drum herum reden. Die ersten zweieinhalb Monate nach dem Unfall befanden wir uns im Schockzustand und in einer Phase, in der es uns überhaupt nicht gut ging. Nachdem wir den ersten Moment der Schockstarre überwunden haben, möchten wir uns als Sandros Eltern jetzt darauf konzentrieren, die Zukunft für Sandros neues Leben vorzubereiten“, unterstreicht Mutter Kerstin.

Die Phase der Akutversorgung wird wohl noch einige Wochen andauern, wie Bernhard betont. „Trotzdem müssen wir an die Zeit danach denken.“ Das Ziel der Familie: Mit adäquaten Reha- und Therapiemaßnahmen das Bestmögliche mit so viel Selbstständigkeit wie es geht herausholen und so Lebensqualität gewährleisten. In kleinen Schritten soll Sandro zurück in ein normales und lebenswertes Leben kehren.

Spezielle Reha-Einheiten für Sandro

Die Therapeuten raten in der Folge der klassischen Krankenkassen-Reha ergänzend zu zwei Blöcken à sechs Wochen in einer spezialisierten privaten Einrichtung, damit sich Sandro das Optimum an Selbstständigkeit erarbeiten kann. Das Besondere an dieser Rehamaßnahme, erklärt der Vater, liege in der Intensität der Trainingseinheiten in Verbindung mit der Anwendung neuester wissenschaftlicher Kenntnisse. „Eine Reha-Einheit läuft über sechs Wochen mit sechs Trainingstagen pro Woche und jeweils bis zu acht Stunden mit zwei speziell geschulten Trainern.“ Die Kosten für einen sechswöchigen Trainingsblock betragen 65.000 Euro.

Damit Sandro danach wieder daheim leben kann, muss das Haus rollstuhlgerecht umgebaut werden. „Wir brauchen mitunter einen stufenfreien Eingang, verbreiterte Türdurchlässe, ein barrierefreies Bad, einen Rollstuhltreppenlift - alles für circa 75.000 Euro. Die hierfür entstehenden Kosten sprengen unseren Rahmen und es wird nur mit erheblichem finanziellen Aufwand möglich sein, die Umbauten umzusetzen“, schildert Kerstin.

Gesamtkosten von 200.000 Euro für Sandros neues Leben im Rollstuhl

Es ist nicht der erste Schicksalsschlag in der Schonstetter Familie: Vor knapp drei Jahren kam Tochter Rosalie völlig überraschend mit Trisomie 21 zur Welt. „Doch auch diese Herausforderung haben wir gemeistert, Rosalie hat unser Leben unglaublich bereichert und wir hoffen, dass es mit Sandro ebenso wieder bergauf geht.“ Damit Sandro das schaffen kann, muss die Familie insgesamt rund 200.000 Euro aufwenden. „Die wenigsten können das aus dem Stegreif stemmen“, untermalt Sandros Vater.

Um den Betrag aufbringen zu können, startet die Familie nun eine freiwillige Spendenaktion. „Wir sind um jeden Cent froh, den wir als Unterstützung bekommen. Ich glaube, jeder, der selbst Kinder hat, kann nachfühlen, wie es uns geht nach diesem schrecklichen Unfall“, unterstreicht Kerstin. Der Wasserburger Verein „Schellen-Sau“ unterstützt sie bereits.

Alle, die Sandro und seiner Familie unter die Arme greifen wollen, können dies mit einer Spende auf folgendes Konto tun: Sandro Halfter - IBAN: DE72 7016 9132 0001 9233 90 - Raiffeisenbank Griesstätt-Halfing

mb

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