S-Bahn, U-Bahn, Tram: Dienstag Chaos in ganz Bayern

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München - Pendler sollten am Dienstagmorgen viel Zeit für den Weg zur Arbeit einplanen. Mit Warnstreiks im regionalen Zugverkehr wollen die Gewerkschaften gleiche Tarife bei Bahn-Unternehmen durchzusetzen.

Berufspendlern steht an diesem Dienstag in Bayern voraussichtlich eine harte Geduldsprobe bevor: Neben Warnstreiks im regionalen Bahnverkehr wollen auch die Fahrer von Bussen sowie U- und Trambahnen in München, Nürnberg und Augsburg die Arbeit teils schon ab 4.00 Uhr morgens niederlegen. Auf dem Weg zum Arbeitsplatz müssen sich deshalb tausende Fahrgäste auf massive Behinderungen einstellen.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA riefen die Beschäftigten im regionalen Nahverkehr zu einem Warnstreik auf. Bayern werde dabei ein Schwerpunkt der bundesweiten Aktionen sein, teilten die Gewerkschaften am Montag mit. “Konzeptionell wird ganz Bayern betroffen sein, auch wenn wir nicht überall voll reinlangen“, sagte Transnet-Sprecher Johann Gebhardt am Montag in Nürnberg. Bestreikt werden in Bayern vom frühen Morgen an die Arbeitgeber Arriva, Veolia und Deutsche Bahn. So wolle man zur nächsten Tarifrunde in dieser Woche Druck aufbauen, sagte Gebhardt.

Der Fernverkehr werde ebenfalls betroffen sein. “Wenn ein Signal auf rot steht, dann halten alle Züge“, sagte Gebhardt. Da auch die Fahrdienstleiter streiken, könnten zum Beispiel auch keine Weichen gestellt werden. Dies wiederum würde zum Ausfall vieler Fernzüge führen. Zudem würden ICE- und IC-Züge durch gestoppte Regionalbahnen blockiert, hieß es. Die Warnstreikwelle im Zugverkehr mit jeweils zweistündigen Protesten soll sich bis in den späten Vormittag ziehen.

Die Aktionen sind zunächst auf Dienstag beschränkt. Hintergrund sind festgefahrene Verhandlungen mit sechs großen Konkurrenten der Deutschen Bahn über einheitliche Tarifstandards für die Branche. “Unser Hauptaugenmerk gilt einem Branchentarifvertrag“, sagte Gebhardt. Auch im kommunalen Nahverkehr stehen die Zeichen nach einer wochenlangen Pause wieder auf Streik. Die DBB Tarifunion rief die Beschäftigten in München, Nürnberg und Augsburg für Dienstag zu neuen, ganztägigen Arbeitsniederlegungen auf. In München und Nürnberg soll der Ausstand bereits um 4.00 Uhr morgens beginnen und bis 19.00 Uhr dauern, für Augsburg ist der Ausstand von 6.30 Uhr bis 19.30 Uhr geplant.

“Die Streiks werden insbesondere die Personenbeförderung mit Bussen, Straßen und U-Bahnen treffen“, erklärte die DBB Tarifunion am Montagabend in Berlin. Damit reagiere man auf einen “provokativen Beschluss“ des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Bayern. Darin hätten die Arbeitgeber ein “schlechteres Angebot“ gemacht, als den Gewerkschaften ursprünglich am 20. August unterbreitet und dann mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen, kritisierte die DBB Tarifunion, die im Tarifkonflikt des kommunalen Nahverkehrs im Freistaat stellvertretend für die Gewerkschaft GDL verhandelt.

“Wir wollen klar zum Ausdruck bringen, dass dieser Beschluss keine Basis für einen befriedeten Abschluss ist“, erklärte DBB-Verhandlungsführer Willi Russ. GDL und DBB Tarifunion konnten sich anders als Verdi vor einigen Wochen nicht mit den Arbeitgebern auf einen Tarifabschluss für den kommunalen Nahverkehr in Bayern einigen. Nach dem mit Verdi erzielten Abschluss erhalten die Beschäftigten 3,5 Prozent mehr Geld. DBB Tarifunion und GDL fordern dagegen Einkommenserhöhungen um fünf Prozent und eine Arbeitszeit-Anrechnung der Leerzeit zwischen den Schichten. Der DBB vertritt bayernweit rund 1000 der 6500 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr des Freistaats.

Die Arbeitgeber hatten am vergangenen Freitag nach eigenen Angaben ein “modifiziertes Angebot“ beschlossen. Unter anderem sollten demnach die Gehälter und die Schichtzulagen der Nahverkehrs- Beschäftigten vom 1. November an um 1,6 Prozent angehoben werden. Eine weitere Erhöhung um 1,9 Prozent sei zum 1. April 2011 geplant, hieß es. Im November 2010 sollten die Beschäftigten zudem eine Einmalzahlung von 120 Euro erhalten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kritisierte den Streikaufruf von DBB Tarifunion und GDL scharf. “Sollte es noch eines Beweises bedurft haben, dass es der GDL ausschließlich um die maximale Schädigung der Fahrgäste geht - hier ist er“, erklärte MVG- Chef Herbert König am Montagabend. Nachdem die GDL mit ihrem Streik bei U-Bahn, Bus und Tram auf den bereits vorher angekündigten Streik im Bahnverkehr aufsattele, dürften massive Behinderungen im öffentlichen Nahverkehr, aber auch auf den Straßen, nicht zu verhindern sein. Zumal abends ein Pokalspiel zwischen Bayern München und Werder Bremen stattfinde, zu dem die Anreise bereits während der Streikzeit beginnt, hieß es.

lby

Rubriklistenbild: © Westermann

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