Die roten Lichter gehen aus

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Rosenheim - Wie viele Bordelle es in Rosenheim gibt? So ganz genau kann das niemand sagen. Doch ab jetzt ist es wieder eines weniger:

Die Branche ist ständig in Bewegung, die Mädchen - darunter eine ehemalige Weltklasse-Turnerin - kommen und gehen, die Prostitution hat spürbar zugenommen in der Stadt. Deshalb hat die Verwaltung einen klaren Auftrag: konsequent gegen störende und illegale Etablissements vorgehen. Gestern gelang dabei ein weiterer Etappensieg: Im "Club Anonym" in der Innstraße bleiben die roten Lichter aus.

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Seit Jahren ist die Stadt Rosenheim darum bemüht, das lukrative Geschäft mit Bordellen, Wohnungsprostitution und sogenannten "Terminwohnungen" dort zu unterbinden, wo es stört oder gesetzwidrig ist. So mancher Vermieter oder Bordellbetreiber lässt sich das nicht gefallen - und klagt gegen den Beschluss der Stadt. Deshalb war es gestern nicht das erste Mal, dass Verwaltungsgerichtspräsident Harald Geiger von München nach Rosenheim kam, um die Rechtmäßigkeit eines Bescheides zu prüfen.

Inhaber des zweistöckigen Gebäudes ist ein bekannter Rosenheimer, der zahlreiche Immobilien in der Stadt besitzt. Im Erdgeschoss befinden sich zwei kleine Pilskneipen und ein Pizza-Lieferservice, in den beiden oberen Stockwerken gingen in sieben Zimmern die leichten Mädchen anschaffen.

Seit Jahren kämen ehrenwerte Rosenheimer Herrschaften "in mein Lokal und schleichen sich rein zu meinen Negerweibern - und jetzt soll der Betrieb auf einmal nicht mehr genehmigungsfähig sein", beklagte sich der Besitzer in der für ihn typischen Wortwahl beim Richter. Geiger hielt ihm entgegen: "Früher hat man halt die Augen verschlossen, und jetzt wird strenger geprüft."

So gesehen ist der Fall exemplarisch für Rosenheim. 20 bis 30 bordellartige Betriebe dürfte es wohl geben. Eine baurechtliche Genehmigung für den Betrieb hat mit Ausnahme des "Herz Ass" kein einziges Etablissement. Hört eine Bordellbetreiberin auf, wie im gestrigen Streitfall geschehen, dann nutzt die Stadtverwaltung die Gunst der Stunde - und verbietet den Betrieb, wenn es die Bauordnung zulässt.

Die Erfolgsquote liegt bisher bei 100 Prozent. Alle acht Prozesse gegen Betreiber und Vermieter, die in den Streitobjekten Geld mit der käuflichen Liebe machen wollen, hat die Stadt gewonnen. Aber gestern war es knapp - und es war nur ein Sieg auf Zeit. Denn baurechtlich, das stellte Geiger bei der mündlichen Verhandlung im Rathaus klar, spricht wenig gegen den Betrieb eines Bordells in dem grünen Haus an der Innbrücke.

"Das Areal hier ist weder Gewerbe- noch Misch- oder Wohngebiet, ein Gebiet wie dieses kennt die Baunutzungsverordnung nicht", so Geigers Fazit, nachdem er sich zusammen mit Mitarbeitern des Baudezernats, dem Kläger und dessen Rechtsanwalt Wilhelm Graue ein Bild von der Umgebung gemacht hatte. In einem solchen Spezialfall sei das Vorhaben genehmigungsfähig, wenn es sich nach Art und Maß einfügt. Geiger: "Wenn das Herz Ass in unmittelbarer Nähe niemanden stört, dann muss man auch hier von einer planungsrechtlichen Zulässigkeit ausgehen."

Allerdings müsse man für einen Gewerbebetrieb wie ein Bordell Stellplätze nachweisen. Das habe der Kläger nicht getan, was zu einer Unzulässigkeit des Vorhabens führe. Der Streit mit der Stadt um eine Stellplatzablöse könne nicht Gegenstand des Gerichtsverfahrens sein.

So zog der Kläger seinen Bauantrag zurück und muss jetzt einen neuen Anlauf nehmen. Sein Pech: Er besitzt zwar eine Reihe von Immobilien in Rosenheim, auf denen er Stellplätze schaffen könnte, aber nicht in der Nähe des "Club Anonym". "Dann breche ich dort halt die Pizzeria weg, dann habe ich meine vier Stellplätze", kündigte der Kläger noch im Gerichtssaal trotzig an.

Dass sich das Rotlichtmilieu zwischen München und Salzburg ganz auf Rosenheim konzentriert, liegt an der bayerischen Gesetzgebung. Seit 1989 ist in Städten unter 30 000 Einwohnern die Prostitution verboten. Weil alle anderen Kommunen in Südostoberbayern unter dieser Marke liegen, hat Rosenheim quasi ein Rotlicht-Monopol. Der Druck ist groß, ständig werden neue Mädchen in die Innstadt gebracht, viele von ihnen kommen aus Osteuropa. Darunter war auch eine ehemalige Vizeweltmeisterin und mehrfache Junioren-Europameisterin im Turnen. Der soziale Absturz der Rumänin vom Sportstar zur Prostituierten sorgte weltweit für Schlagzeilen. Nach Angaben des Bukarester Blatts "Libertatea" ging sie zuletzt in Ingolstadt, Rosenheim und Augsburg anschaffen.

Hat sie möglicherweise sogar im "Club Anonym" ihre Liebesdienste angeboten? Das braucht man den Besitzer des Hauses erst gar nicht zu fragen. Denn mit Journalisten und Redakteuren spricht er nicht: "Alles Gauner und Zigeuner."

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © ls/dpa

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