Polizeipräsident zieht Bilanz zum G7-Einsatz:

Kopp: "Wasserbecher statt Wasserwerfer"

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Polizeipräsident Robert Kopp (li.) und MdL Otto Lederer ziehen Bilanz über die G7-Einsatz der bayerischen Polizisten
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Schechen - 18.000 Kräfte, davon bis zu 12.000 Beamte gleichzeitig im Einsatz. Nach dem bisher größten Einsatz bayerischer Polizisten, zur Absicherung der G7-Konferenz, zieht Robert Kopp Bilanz:

Bereits im Alter von 16 Jahren begann die Karriere des heutigen Präsidenten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, im uniformierten Dienst. Nach einem Praktikum, dem Streifendienst nach der Ausbildung und anschließender Verwendung als Kommissariats-Leiter, war der Beamte als Vize-Polizeipräsident in der Landeshauptstadt eingesetzt. Dort zeichnete sich Kopp für sämtliche Großeinsätze der Münchner Polizei, wie die Betreuung der jährlichen Sicherheitskonferenz oder auch die Heimspiele des FC Bayern München, verantwortlich. "Da ist es kein Wunder, dass bei 50 Veranstaltungen und Demonstrationen im Rahmen des G7-Gipfels in Elmau keine einzige Fensterscheibe zu Bruch gegangen ist", erklärte Otto Lederer am Montag Abend beim G7-Gipfelgespräch mit zahlreichen Vertretern der heimischen Einsatzkräfte und überließ Robert Kopp, dem stellvertretenden Einsatzleiter, mit diesem umfassenden Lob das Wort.

Ein Blick hinter die Kulissen des größten Polizeieinsatzes der bayerischen Geschichte

Die nackten Zahlen des Großeinsatzes sprechen dabei schon Bände: 30.000 Digital-Funkgeräte, rund 6.000 Kräfte der Bundespolizei, 9.300 Beamte aus Bayern, 8.700 Männer und Frauen aus anderen Bundesländern in den Reihen der Polizei, mit dabei 259 Hundeführer und 46 Dienstpferde, insgesamt 18.072 Polizistinnen und Polizisten, dazu Kräfte des Bundeskriminalamts und der Österreichischen Polizei zur Absicherung von sieben Regierungschefs samt ihrer internationalen Delegationen

Die Vorbereitungen für den G7-Gipfel im abgelegenen Luxus-Hotel in der Nähe von Garmisch-Patenkirchen begannen dabei bereits im Januar 2014: "Am Anfang stand da der Erfahrungsaustausch mit den Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, den Verantwortlichen für die Absicherung der letzten Konferenz", erklärte Robert Kopp. Einer der zentralen Erkenntnisse: "Damals kamen viele gewaltbereite Personen aus den Camps. Wir haben befürchtet, dass auch wir hier wieder Probleme bekommen", fuhr der stellvertretende Einsatzleiter fort. Einer der Gründe warum die Polizei bei der Absicherung eine zweigleisige Strategie fuhr. Auf der einen Seite der Bereich "Werdenfels", der Veranstaltungsort Elmau, Garmisch-Patenkirchen und Umgebung und der Großraum "München", der Flughafen und die Verbindungswege in die Voralpen-Region.

4. Mai: Einsatzbeginn für 18.000 Beamte

"Von Anfang an wurden alle Beteiligten von der Bevölkerung sehr zuvorkommend und freundlich aufgenommen. Das ist einer der Aspekte, die mir dauerhaft in Erinnerung geblieben sind", erklärt Robert Kopp zu Beginn seiner Darstellung des Einsatz-Verlaufs. Die hohe Akzeptanz habe sich schließlich enorm positiv auf die Motivation der Beamten ausgewirkt.

Liefen die anfänglichen Planungen noch sehr gut, wirkte sich ein Ereignis an einem anderen Ort gravierend auf die Einsatz-Taktik in Elmau und Umgebung aus, berichtete Kopp. Nach den gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Sparpolitik der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, habe die Planung den Beamten "vermehrt Kopfzerbrechen" bereitet. "Am Ende war es uns dann ein bisschen zu heiß, die Sache ruhiger anzugehen. Wir hatten immer ausreichend Reserven in der Hinterhand", erklärte der Polizeichef. Besonders die Vorkontrollen auf den Zufahrtswegen hätten den Beamten vor Ort dabei einen entscheidenden Vorteil gegeben. Ein Aspekt, der beim letzten Gipfel in Mecklenburg-Vorpommern nicht berücksichtigt wurde.

Trotzdem sei es den Demonstranten anfangs gelungen, die Beamten vor Ort, genauer in Garmisch-Patenkirchen, zu überrumpeln. So hätten sich am 5. Juli eine Gruppe von rund 500 Demonstranten über die Anweisung von Polizisten hinweg gesetzt und seien nachts zu einem Protestzug aufgebrochen. "Wir konnten die Personen noch in die richtige Richtung lenken. Es kam nur zu einer geringen Anzahl an Festnahmen", erklärte Kopp. Trotzdem ein Umstand, der die Entscheidungsträger kurzzeitig veranlasste, einen anderen Ton anzuschlagen: "Ich habe die Verantwortlichen bereits gekannt und das persönliche Gespräch gesucht", erinnerte sich Kopp. So sei den Organisatoren der Demonstrationen unmissverständlich klar gemacht worden, dass die Hundertschaften der Polizei das Camp jederzeit blockieren könnten, sollte sie sich nicht an verschiedenen Bestimmungen halten. "Die Aufklärung hatte ergeben, dass unter den 3.600 Demonstranten, die sich für den 6. Juli im camp versammelt hatten, ungefähr 700 gewaltbereite Personen befanden. Die hätten schon, wenn sie gekonnt hätten", so Robert Kopp.

7. Juni: Start des G7-Gipfels auf Schloss Elmau bei Garmisch-Patenkirchen

"Vom Weißwurstessen der Kanzlerin mit Präsident Obama in Klais haben wir erst eine Woche vorher erfahren", erinnerte sich Kopp. Man habe gedacht, dass sich die Protestaktionen dort konzentrieren könnten. Am Ende sei es dort jedoch nur zu einem "lauen Lüftchen" gekommen. Setzten die warmen Temperaturen anfangs Einsatzkräften und Demonstranten noch gleichermaßen zu, habe starker Regen im gesamten Einsatzgebiet die Lage deutlich entschärft. Habe der Beginn noch unter dem Motto "Wasserbecher statt Wasserwerfer" gestanden, so Kopp, seien die Demonstranten gegen Ende sichtlich froh gewesen, dass die Veranstaltung vorbei war. "Uns ist dieser Umstand verständlicherweise entgegengekommen", schmunzelte der Polizeipräsident. "Wir waren immer bereits vor Ort. Da spielte es keine Rolle, ob in grün oder blau."

Besonderen Wert habe man im Zuge des Einsatzes auf die sogenannten "Kommunikations-Teams" gelegt: "Sprache ist das wichtigste Einsatzmittel", erklärte Kopp weiter. Viele Konflikte seien so bereits im Vorfeld im Keim erstickt worden. Ein umfangreicher Einsatz der sozialen Medien habe zudem einen Teil zum insgesamt friedlichen Ablauf der Demonstrationen beigetragen. "Arbeit hat es trotzdem gegeben", zieht Kopp Bilanz: 104 Identitätsfeststellungen, sieben Fälle von In-Gewahrsam-Nahmen und 43 Festnahmen verzeichnete die Polizei im Einsatzzeitraum. 40 Vermummungs-Gegenstände, 9 Messer und drei pyrotechnische Gegenstände seien dabei beschlagnahmt worden.  

Auf die Fragen, ob im Endeffekt nicht zu viele Polizeikräfte vor Ort gewesen seien, konterte Kopp entschlossen: "Wir haben auf Deeskalation durch Stärke gesetzt. Ist man gut aufgestellt, kann man auch mehr Kompromisse mit den Demonstranten eingehen", so Robert Kopp pragmatisch. Ein Ansatz, der trotz der enormen Kosten auch auf das Verständnis von Otto Lederer traf: "Mir ist lieber, dass die Ausgaben hoch sind, dafür aber kein persönlicher Schaden entsteht."

Quelle: rosenheim24.de

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