Von Portugal über Italien bis England

So geht es unseren europäischen Partnerstädten in der Corona-Krise

So geht es den europäischen Partnerstädten in der Corona-Krise
+
Bilder aus besseren Zeiten: Bayerisch-italienischer Abend in Neumarkt, eine Rosenheimer Reisegruppe in Briancon und die portugiesische Pilgerstätte Fátima.

Rosenheim/Neumarkt/Traunstein/Altötting/Laufen - Wie geht es unseren europäischen Partnerstädten in Zeiten der Corona-Krise? Wir haben uns bei einigen Städten der Region erkundigt.

Auf vielen Ortsschildern sieht man ihn: Den Hinweis auf die Partnerstädte der jeweiligen Gemeinde. Manch einer hat auch schöne Erinnerungen an Schüleraustausche, Kulturprogramme und viele weitere Aktionen, durch die man die Menschen aus den Nachbarländern näher kennenlernen konnte. Doch nun sind die oft engen Bande in der Corona-Krise teils auf die Probe gestellt. Die Grenzen sind überall dicht. 


Neumarkt und Caneva im ständigen Austausch

Eine besonders enge Städtepartnerschaft verbindet auch Neumarkt-Sankt Veit und das italienische Caneva in Venetien. Bürgermeister Erwin Baumgartner hat viel für den Aufbau der Städte-Partnerschaft getan und steht in engem Kontakt. Auch dort gelten weitreichende Ausgangsbeschränkungen, berichtet er. "Beim Einkaufen muss man eine Halbmaske und Einmalhandschuhe haben. Die Geschäfte sollen das immer für die Einwohner vorhalten", zitiert er eine Mail von Francesca Coan, der Partnerschaftsstadträtin von Caneva. Alle Geschäfte lieferten dort aber auch frei Haus. Die dortige Stadtverwaltung sei sehr engagiert, die Notmaßnahmen voranzubringen und die Bevölkerung zu informieren.


Baumgartner hat auch eine Mail von einer Neumarkterin, die derzeit in Caneva lebt und eigentlich an der Universität Triest studiert. "Zum Glück wohnen wir in einer vom Coronavirus nicht sehr betroffenen Gegend. In Caneva mit seinen 7000 Einwohnern haben wir im Moment 23 positive Fälle, davon sind acht im Krankenhaus und 15 zu Hause. Weitere 15 Personen sind nicht mehr positiv, aber immer noch in Isolation." Wegen der Pandemie habe die Universität den regulären Lehrbetrieb eingestellt. "Jetzt habe ich jeden Tag online-Vorlesungen, und sogar Anfang März das Examen in newtonianischer Physik über Skype gemacht! Auch mein Cousin, der das vorletzte Jahr Gymnasium besucht, hat mit dem online-Unterricht angefangen", berichtet die Studentin.

Fátima und Altötting mit besonderer Verbindung

Nützliche Links zu Corona:

Eine der Partnerstädte von Altötting ist der portugiesische Pilgerort Fátima. Dieser gehört zur Stadt Ourém, dort ist der Sitz der Stadtverwaltung. Mit diesem ist man auch über die Arbeitsgemeinschaft der "Shrines of Europe", die sieben wichtigsten Marien-Wallfahrtsorte Europas, verbunden, erklärt Ulrike Kirnich, Tourismusdirektorin des Wallfahrts- und Tourismusbüros Altötting. "Die Bürgermeister dieser sieben Orte sind in einem sehr engen und freundschaftlichen Kontakt,ebenso die Touristiker beziehungsweise Verwaltungsmitarbeiter dieser Gruppe. So gab es auch in den letzten Wochen einen regen Austausch und Ausdruck der Solidarität und Freundschaft untereinander, gerade auch in Krisenzeiten."

Die Portugiesische Regierung habe sehr schnell und frühzeitig reagiert und umfassende Maßnahmen eingeleitet. "Die Bevölkerung hält sich sehr gut an diese Anweisungen und verhält sich sehr ruhig und mit großem Verständnis." Das Gesundheitssystem arbeite gut und effizient. "Die Situation vor Ort ist vergleichbar zu unserer in Bayern." Geschäfte, Hotels und Restaurants sind geschlossen. Lebensnotwendige Bereiche wie Supermärkte, Apotheken dürften weiter geöffnet haben. 

In Portugal ist ebenso der Notstand ausgerufen und man rechnet mit einer Verlängerung bis Anfang Mai. Schulen und Universitäten sind geschlossen und Unterricht erfolgt soweit möglich digital. "Heute gab es erste positive Signale für die wichtige portugiesische Tourismusindustrie, dass ab Mai erste Öffnungen von Hotels und Restaurants unter Wahrung von Hygienemaßnahmen vorgesehen sind. In Fátima ist natürlich auch das Heiligtum geschlossen." Gottesdienste würden online übertragen. "In Ourém-Fátima direkt gab es bis jetzt nur einige wenige Covid-19 Patienten und noch keinen Todesfall."

"Stehen mit Rat und Tat zur Seite"

Von den Partnerstädten habe man kaum noch etwas gehört. Diese seien wohl in der Auseinandersetzung mit der Pandemie stark gefordert, heißt es aus Traunstein. "Etwa der Bürgermeister aus Haywards Heath wollte heuer beim Georgi-Ritt vorbeischauen." Haywards Heath ist eine Stadt 50 Kilometer südlich von London. Wie man lokalen Medien von dort entnehmen kann, hat auch dort die Pandemie voll zugeschlagen. Die "Mid Sussex Times" veröffentlichte etwa Ende März Bilder menschenleerer Straßen in dem sonst sehr belebten Ort.

Die Stadt Laufen im Berchtesgadener Land wiederum hat unter anderem eine Städtepartnerschaft mit Leobendorf in Niederösterreich. "Die Lage dort ist unserem Wissen nach genau wie bei uns sehr angespannt und emotional", berichtet der Geschäftsleiter der Stadt, Christian Reiter. "Nach Bedarf und bei Möglichkeit oder Gelegenheit stehen die Bürgermeister in Kontakt und stehen sich mit Rat und Tat zur Seite."

Briançon & Rosenheim: "Die Verbindung der Herzen bleibt bestehen"

Auch in Rosenheims französischer Partnerstadt Briançon hat das Coronavirus das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner massiv verändert. Die Gemeinde mit 11.625 Einwohnern befindet sichan der Grenze zu Italien. "Noch in der ersten Märzhälfte hatte eine Besuchergruppe aus Rosenheim und Umgebung eine Woche bei idealen Wetter- und Pistenbedingungen bei den französischen Freunden verbracht", berichtet Pressesprecher Christian Schwalm. "Am Abreisetag der Gruppe wurden aber auch dort alle Skigebiete und Hotels geschlossen." 

Daniel Fonquerne beim „Balkon-Radeln“

Seit dem 16. März seien in Briançon auch alle Schulen und Kindergärten geschlossen, die Kinder würden wie in Deutschland durch Internet unterrichtet. "Die Einschränkungen sind insofern noch strikter, als man einen selbst ausgefüllten 'Erlaubnisschein' vorzeigen muss, wenn man das Haus verlässt, um beispielsweise Einkäufe zu tätigen oder einen kurzen Spaziergang in einer Entfernung von höchstens einem Kilometer von der Wohnung zu unternehmen. Ohne Schein wird eine Strafe von 135 Euro erhoben." Die Hilfsbereitschaft untereinander sei sehr groß. 

"Fehlende Ausflugs- oder Sportmöglichkeiten werden durch oftmals durch 'Heimtraining' ausgeglichen. Wie beispielsweise Daniel Fonquerne, der uns ein Foto davon geschickt hat, wie er sein Rennrad auf dem Balkon mit Blick auf Stadt und Berge nutzt, um sich fit zu halten", so Schwalm weiter. "Die Anfrage aus Rosenheim, ob Hilfe benötigt werde, beantwortete Gérard Fromm, Bürgermeister von Briançon, mit einem sehr herzlichen Dank für diesen Beweis der Solidarität zwischen den beiden Städten."Außer Schutzmasken, die derzeit überall auf der Welt benötigt werden, fehle es in Briançon jedoch an nichts. "Für die Partnerschaftskomitees und die Menschen in beiden Städten ist klar: Wenn wir uns schon nicht mehr treffen können, so bleiben unsere Herzen doch in Verbindung. Zusammen hoffen sie auf viele weitere Treffen in einer gesunden Zukunft."

hs

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare