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Tödlicher Unfall auf Miesbacher Straße: Ist das Urteil angemessen?

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Der Golf des Ulmers stieß frontal mit dem Nissan Micra der Samerbergerinnen zusammen.
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Rosenheim - Nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, ist der zweite BMW-Fahrer nun zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Doch ist diese Strafe angemessen? So diskutieren unsere Leser:

Im November 2016 kamen zwei junge Frauen im Alter von 21 und 15 bei dem schweren Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim ums Leben. Drei Menschen, der Unfallfahrer aus Ulm, seine Beifahrerin und die Schwester eines der verstorbenen Frauen wurden schwer verletzt.

V.l.n.r: Die beiden Angeklagten mit ihren Rechtsanwälten Stephan Rochlitz und Harald Baron von Koskull im ersten Prozess 2018

Der Golf-Fahrer aus Ulm wollte einen vor ihm fahrenden BMW überholen, konnte aber nicht rechtzeitig wieder einscheren, weil der BMW-Fahrer und ein weiterer BMW-Fahrer vor diesem ihn am Einscheren gehindert hatten, so die Auffassung des Gerichts. Das Amtsgericht Rosenheim hatte den damals 21-jährigen Golffahrer aus Ulm im Mai 2018 zu einer Haftstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Der am Unfall mitbeteiligte vordere BMW-Fahrer, ein damals 25-jähriger Kolbermoorer, wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der wartet derzeit aber noch auf seinen Berufungsprozess in Traunstein. Das Rosenheimer Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der BMW-Fahrer den Golf-Fahrer am Wiedereinscheren gehindert und somit den Frontalzusammenstoß erst provoziert hatte.

Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel und der Angeklagte Riederinger kurz vor Prozessbeginn am 12. Februar 2019.

Am 12. März 2019 wurde nun auch der hintere BMW-Fahrer, ein 25-jähriger Riederinger vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er muss außerdem für zweieinhalb Jahre seinen Führerschein abgeben. Auch hier sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte den Golf-Fahrer aktiv am Vorbeiziehen gehindert hat. Er habe grob verkehrswidrig gehandelt. "Das war ein Verkehrsverstoß, den er rücksichtslos begangen hat", so die Vorsitzende Richterin.

Ist dieses Urteil angemessen?

Vor allem im Netz wird nun über das Urteil diskutiert. Hier geht es vor allem um die Frage, warum die BMW-Fahrer eine härtere Strafe bekommen haben, als der Golf-Fahrer, der den Unfall ja direkt verursachte

Der Vorsitzende Richter des ersten Prozesses begründete das Urteil so: Auf Grund der Rücksichtslosigkeit sei das Strafmaß laut Richter beim BMW-Fahrer höher. "Vor allem in der Kräftemessen-Situation ist da eine empfindliche Strafe angemessen. Daher ist die Strafe auch nicht zur Bewährung auszusetzen." Auch ein Rennen, das der Kolbermoorer nach dem Unfall gefahren hatte, spielte bei der Sozialprognose eine Rolle. Beim Golf-Fahrer habe man hingegen Einsicht und Reue gesehen. "Wir glauben, dass Sie keinen Strafvollzug brauchen, um künftig keine Straftat mehr zu begehen", so der Richter, weswegen die Strafe zur Bewährung ausgelegt wurde.

Es ist das Mindeste, was sie erwartet hat. Das sagte die Mutter der beim Unfall auf der Miesbacher Straße verstorbenen Samerbergerin nach dem ersten Prozess 2018. "Aber es fehlt immer noch ein Beteiligter, der mindestens genauso schuldig ist." Seinen Frieden finden mit dem Urteil konnte damals auch der Vater des zweiten verstorbenen Mädchens. Auch wenn die Mädchen dadurch nicht zurückkommen. "Für uns sind immer die beiden BMW-Fahrer die Hauptschuldigen gewesen", sagte er. 

Auch beim Urteil des BMW-Fahrers aus Riedering spielte das Thema Rücksichtslosigkeit eine Rolle: „Ohne des rücksichtlosen Verhaltens des Angeklagten wäre es nicht zu dem Unfall gekommen", so die Richterin.

So diskutieren unsere Leser:

Auch von unseren Lesern wurde der Prozess und das Urteil rege diskutiert. der Kommentator MisterX ist beispielsweise der Meinung dass der Fall neu aufgerollt werden müsse: "Nach vorliegenden Berichten gäbe es nur eine Lösung, das ein übergeordnetes Gericht alle Urteile widerruft und den Fall als ganzes, neu aufrollt und verhandelt .. wie ich unten schrieb, haben sich alle Beteiligten, bis auf die Mädchen, in gewisser Beteiligung falsch verhalten und dadurch das Drama ausgelöst .. dann wird sich auch die Frage klären, warum der Hauptverursacher nur mit einer Bewährungsstrafe belegt wurde .. wenn die Beifahrer selbst im Besitz einer Fahrerlaubnis sind, also die Gefährlichkeit der ganzen Vorkommnisse erkennen und einschätzen konnten, sollte man auch darüber nachdenken, die ebenfalls wegen Unterlassung/Beihilfe zu belangen.."

Die Leserin Susi findet, dass alle die selbe Strafe verdient hätten: "Der Golf hätte nicht überholen dürfen und nahm das Risiko billigend in Kauf. Zudem hätte er wissen können, dass der BMW sich nicht überholen lassen will, da das Rennen schon länger andauerte. Hinzu kommt, dass er völlig falsch reagiert hat. Er hätte den Überholvorgang mit einer Vollbremsung abbrechen müssen, oder in die Wiese ausweichen müssen. Der BMW-Fahrer ist aber genau so schuldig, weil ihm der Spaß, den Golf nicht überholen zu lassen letztlich wichtiger war wie die Gesundheit und das Leben der entgegenkommenden jungen Frauen. Meiner Meinung nach hätten beide die selbe Strafe verdient."

Ein anderer schreibt: "Die beiden BMW Fahrer gehören wirklich länger in den Knast als nur 2,5 Jahre.....die haben nicht mal die Eier sich für diese Sch.... zu entschuldigen..."

Quelle: rosenheim24.de

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