Wegen geplanter Werksschließung in Rosenheim

Streik bei Danone: "Wir werden es ihnen nicht leicht machen!"

Streik im Rosenheimer Danone-Werk am Mittwoch, 3. Juni wegen geplanter Werksschließung
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Das Danone-Werk in Rosenheim soll 2021 geschlossen werden, wie der Konzern Anfang des Jahres bekanntgab. Daher findet dort am Mittwoch, den 3. Juni ein Streik statt.

Rosenheim - An diesem Mittwoch, den 3. Juni, treten die Beschäftigten im Rosenheimer Werk des französischen Lebensmittelkonzerns Danone in den Ausstand. Hintergrund ist eine geplante Werksschließung, von der fast alle 160 Mitarbeiter betroffen sein werden.

"Fast jeder hier im Betrieb ist in irgendeiner Weise betroffen, da ist es klar, dass wir jetzt Kante zeigen müssen", erklärt Bernhard Dangl, Mitarbeiter bei Danone gegenüber rosenheim24.de. Zusammen mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen protestiert er am Mittwoch vor dem Rosenheimer Danone-Werk. Sie fordern günstigere Bedingungen für ihre Entlassung im Rahmen der dort für das kommende Jahr geplanten Schließung. "Was uns alle hier ärgert: Danone könnte es sich ja eigentlich leisten, uns fair zu behandeln. Sie haben Rekordgewinne gemacht."


Etwa 80 Danone-Mitarbeiter haben sich an diesem Mittwochvormittag vor den Werkstoren eingefunden. Alle in orangenen Warnwesten. Manche haben auch Transparente. Es ist ein Streik in Zeiten von Corona. Das bedeutet, jeder muss auf einer Markierung am Boden stehen und darf sich davon nicht wegbewegen. Und es muss der Mindestabstand eingehalten werden.


Vor allem aber bedeutet es, dass nicht, wie sonst üblich, auch Sprecher von außerhalb zahlreich erscheinen können. Sie sind dafür per gegenseitiger Videoschalte mit dabei. "Ihr habt in diesen Krisenzeiten alles für das Unternehmen gegeben. Überstunden, Sonderschichten, alles damit ein Beitrag dazu gegeben war, dass die Lebensmittelversorgung gesichert ist", klagt NGG-Landeschef Mustafa Öz. Er wird dabei derart emotional, dass erstmal sein Mikrofon übersteuert, die Verbindung hakt kurz. "Ihr habt mitgeholfen, dass Danone im ersten Quartal 2020 ein Rekordgewinn gelang und nun sollt ihr trotzdem mit weniger, als euch zusteht abgespeist werden." Dagegen gelte es zu kämpfen.

"Danone betont in seiner Öffentlichkeitsarbeit immer wieder, Menschlichkeit sei ihnen ihr höchster Wert", mahnt das Unternehmen dann Verena Di Pasquale, stellvertretende Vorsitzende des DGB."Da ist es der reine Hohn, wie in der Realität hier mit Menschen umgegangen werden soll! Wo ist der Respekt für eure Leistung?" 

Der Streik an diesem Tag sei erst der Anfang, gibt sich zuletzt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern kämpferisch. "Wir werden es ihnen nicht leicht machen und so lange weiter machen, bis unsere Forderungen erfüllt werden!" Die Kundgebung schließt mit Grußworten weiterer Gewerkschaftsvertreter und aus anderen Betrieben der Region. Der Streik geht danach noch bis 18 Uhr weiter.

Bilder vom Streik im Rosenheimer Danone-Werk

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Auf Anfrage von rosenheim24.de bezieht im Anschluss auch Danone Stellung zum Geschehen. "Wir möchten alle unsere Mitarbeiter dabei unterstützen, bald eine gute neue berufliche Perspektive zu entwickeln", erklärt Pressesprecherin Dr. Susanne Knittel. “Dazu gehört neben den Hilfestellungen beim Finden einer neuen Beschäftigung auch ein fairer Sozialplan, den wir gemeinsam mit dem Betriebsrat aufstellen wollen.” Für Danone stehe der Sozialplan an erster Stelle, da in diesem alle Mitarbeiter berücksichtigt seien, nicht nur diejenigen, die in der Gewerkschaft organisiert sind.

"Wir haben Anfang März, also vor drei Monaten, ein sehr gutes Angebot unterbreitet, das unter anderem drei Elemente enthält", so Knittel weiter. "Zum ersten, das Angebot einer Transfergesellschaft, die allen Mitarbeitern eine feste Anstellung über den Zeitpunkt der Schließung des Werkes hinaus gewährleistet. Zum zweiten, das Angebot eines geeigneten und individuellen Brückenmodells für Mitarbeiter ab bereits 58 Jahren mit 70 Prozent ihres bisherigen monatlichen Gehalts bis zu ihrem jeweiligen frühesten Renteneintritt. Zum Dritten, das Angebot einer sehr fairen Abfindung für alle Mitarbeiter." Bisher hätten sie keinen Gegenvorschlag seitens des Betriebsrates erhalten. "Am 25. Juni findet der nächste Termin zur Verhandlung des Sozialplanes statt. Wir hoffen sehr, dass wir im Sinne unserer Mitarbeiter baldmöglichst einen fairen Sozialplan aufstellen können um unseren Mitarbeitern Klarheit zu geben."

Sie könne nicht verstehen, warum der Konzern nicht auf seine Mitarbeiter mehr zukomme, erklärt Bettina Schmid.

Bereits im Vorfeld des Streiks hatte dem die Arbeitnehmerseite entgegengehalten, sie forderten statt einem Sozialplan einen Sozialtarifvertrag. Darin sollten höhere Abfindungen und Weiterbildungsmöglichkeiten geregelt werden, als dies der Vorschlag von Danone vorsehe. Die Schließung treffe vor allem ältere Beschäftigte, die kurz vor dem Ruhestand nur dürftige Job-Perspektiven hätten. 93 der insgesamt 160 Mitarbeiter seien älter als 50 Jahre.

Besonders die Auszubildenden und älteren Mitarbeiter würde es treffen, klagt Danone-Mitarbeiter Bernhard Dangl.

Das sieht auch Danone-Mitarbeiter Bernhard Dangl als eines der zentralen Probleme. "Die älteren Mitarbeiter werden teils enorme Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben, gerade in diesen Krisenzeiten. Gleichzeitig gibt’s aber auch noch keine gute Lösung für die Auszubildenden im Betrieb.Gerade diejenigen, die am verletztlichsten sind, die Mitarbeiter die am Anfang oder eher dem Ende ihres Arbeitslebens stehen, würde es am stärksten treffen." "Ich finde es schlimm, dass da kein vernünftiger Dialog zustande kommt", beklagt Danone-Mitarbeiterin Bettina Schmid. "Es muss doch möglich sein, dass die Firma da mehr auf uns zukommt und ein Einsehen zeigt!"

Update, 11.18 Uhr - Etwa 80 Mitarbeiter vor Ort - Sprecher soll per Video zugeschalten werden

Etwa 80 Mitarbeiter von Danone beteiligen sich an der Kundgebung vor dem Werk. Vertreter von Betriebsrat und der Gewerkschaft NGG sprechen zu ihnen. Auch von außerhalb Rosenheims werden Sprecher per Videoschalte zu ihnen sprechen. Der Streik wird insgesamt acht Stunden, von 10 bis 18 Uhr andauern.

Ein ausführlicher Nachbericht folgt im Laufe des Tages.

Geschäftsleitung soll Sozialtarifvertrag zustimmen

"Unter den 160 Mitarbeitern ist die Wut über die geplante Werksschließung groß! Denn selbst in der Coronakrise arbeitet der Standort profitabel", sagt Georg Schneider, Geschäftsführer der NGG-Region Rosenheim-Oberbayern in einer Pressemitteilung. Zum Streikbeginn um 10 Uhr würden sich per Video auch der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und der bayerische NGG-Landeschef Mustafa Öz zu Wort melden. 

Wegen der Pandemie gelte bei der Arbeitsniederlegung eine Abstands- und Maskenpflicht. Um die Distanz zwischen den Streikenden einzuhalten, seien vor dem Werkstor die Mindestabstände auf dem Boden markiert.

Ziel der Arbeitsniederlegung sei es, die Geschäftsleitung zum Abschluss eines Sozialtarifvertrags zu bewegen, so die NGG. "Darin sollen höhere Abfindungen und Weiterbildungsmöglichkeiten geregelt werden. Denn der bisher von Danone angebotene Sozialplan reicht aus Sicht der Belegschaft nicht aus", berichtet Schneider. Die Schließung treffe vor allem ältere Beschäftigte, die kurz vor dem Ruhestand nur dürftige Job-Perspektiven hätten. 93 der insgesamt 160 Mitarbeiter seien älter als 50 Jahre.

Ankündigung der Schließung im Januar

Der Konzern hatte im Januar angekündigt, das Werk in Rosenheim bis Juli kommenden Jahres zu schließen. In Oberbayern lässt Danone insbesondere Quark-Joghurt-Cremes herstellen. Außerdem laufen Obstgarten-Quarks und Hüttenkäse vom Band. Das Werk gilt zugleich als Innovationsstandort für neue Milchprodukte. "Nach NGG-Informationen konnte der Standort die Produktionsvorgaben des Managements trotz Corona zuletzt sogar deutlich übertreffen." Bereits im Rahmen der Kundgebungen zum Tag der Arbeit am 1. Mai hatte NGG-Gewerkschaftssprecher Bernhard Weissenbacher das "im Kapitalismus herrschende perfide System“ am Beispiel des Rosenheimer Danone-Werks kritisiert. 

Das Werk habe "keinerlei Skrupel, während der Krise Mitarbeiter zu verheizen, die dabei ihre Gesundheit riskierten", sie dann aber nächstes Jahr trotz schwarzer Zahlen und profitablem Wirtschaften "auf die Straße zu setzen".

hs/Pressemitteilung NGG

Quelle: rosenheim24.de

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