Stadt informierte zum Brenner-Nordzulauf

"Wir haben hier ein gewisses und berechtigtes Misstrauen!"

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Rosenheim - Bei einer Veranstaltung der Stadt Rosenheim zum Thema Brenner-Nordzulauf im Gasthof Höhensteiger am Dienstagabend gab es wieder viele kritische Stimmen aus der Zuhörerschaft.

"Das ist eine Thema, das Rosenheim und den gesamten Landkreis in Aufregung versetzt", erklärte Erste Bürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) einleitend. "Ich entschuldige mich ausdrücklich, dass durch die Veranstaltung in Pang der Eindruck entstanden zu sein scheint, dass Westerndorf und die dortigen Probleme nicht ernst genommen würden." Dies sei keinesfalls so und deshalb finde auch die Veranstaltung nun in Westerndorf St. Peter statt. 

Erste Bürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU).

Bauer betonte auch, wie schon in der Stadtratssitzung kürzlich, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Frühjahr nach Rosenheim kommen und Zahlen präsentieren würde. 

Bahn-Vertreter erläuterten Planungsverfahren

Christian Tradler und Torsten Gruber von der Bahn.

Zunächst ging dann Torsten Gruber, Gesamtprojektleiter der DB Netz AG auf das Vorgehen bei der Trassenauswahl ein. Er betonte dabei, dass der Beteiligungsprozess funktioniere und das die aktuell präsentierten Trassenvorschläge nur Diskussionsgrundlagen seien. "Da kann am Ende noch etwas vollkommen anderes dabei herauskommen!" 

Video der Bahn zu den Planungen:

Auch Christian Tradler, Projektleiter beim Brenner Nordzulauf, betonte, alle Stimmen und Vorschläge würden gehört werden. Er stellte außerdem das System zur Prüfung eingereichter Vorschläge vor. 

Stadt stellte ihre Position dar

Helmut Cybulska, Abteilungsleiter des Dezernats für Stadtplanung, Umwelt und Bauwesen, ging dann auf kritische Aspekte zum Brenner-Nordzulauf aus Sicht der Stadt Rosenheim ein. 

Helmut Cybulska, Abteilungsleiter des Dezernats für Stadtplanung, Umwelt und Bauwesen.

"Wir haben sehr aktuelle Daten aus dem Lärmaktionsplan 2017/2018 mit der Öffentlichkeitsbeteiligung im Juli 2018." Für die Bevölkerung bestünde schon jetzt eine erhebliche Lärmbelastung. Dargestellt in einer sogenannten "Lärmkennziffer" läge der Mittelwert am Tag bei 23.802, in Rosenheim dagegen teils bei 73.311. Nachts sei der Mittelwert bei 37.173, in Rosenheim teils bei 122.563.

Bilder von der Veranstaltung zum Brenner-Nordzulauf 

Es gäbe einen Plan der Bundesregierung, den Schienenverkehrslärm bis 2020 zu halbieren, für den auch schon Lärmschutzwände in Rosenheim gebaut worden seien. "Insgesamt muss man sagen, dass die Lärmbelastung an den Haupteisenbahnstrecken schon heute außerordentlich hoch ist." 

Resolution des Stadtrates

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- Brenner-Nordzulauf

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Er ging außerdem auf die Trassenvorschläge durch das Rosenheimer Stadtgebiet ein und wies auf eine Vielzahl an Problemen damit hin. Beispielsweise würden diese teils Naturschutzgebiete durchschneiden. Auch sonst gäbe es zahlreiche Schwierigkeiten beziehungsweise es sei aus Sicht der Stadtverwaltung teils "nur schwer vorstellbar" wie manche der Trassenvorschläge durch das Stadtgebiet umgesetzt werden sollten.

Abschließend wies Cybulska auf die kürzlich beschlossene Resolution des Rosenheimer Stadtrates hin. Die tragende Forderung dabei ist ein Planungsstopp in Sachen Ausbau des Brennerzulaufes, bis die Notwendigkeit einer Neubautrasse dargelegt wird.

Viel Kritik an Informationspolitik der Bahn

In der anschließenden Diskussion kam von vielen Seiten immer wieder die Forderung nach konkreten Zahlen zu den Trassenplanungen beziehungsweise einzelnen möglichen Bauwerken. Gruber und Tradler wiesen diese stets mit dem Verweis ab, die Beantwortung sei auf Grund der frühen Planungsphase derzeit noch nicht möglich. 

Generell bestanden die beiden Bahn-Vertreter darauf, konkrete Fragen zu den Planungen noch nicht beantworten zu können, betonten aber, sie hätten Verständnis für Sorgen und Bedenken von möglicherweise Betroffenen. Dies wiederum brachte teils äußerst scharfe Kritik seitens der Zuhörer. 

Ausbaustrecke 38 als Entlastung?

"Es ist wieder die gleiche, seichte Informationslage wie beispielsweise auf der Veranstaltung in Bad Aibling", kritisierte AfD-Landtagsabgeordneter Andreas Winhart. Er kritisierte außerdem, unter anderem, dass der Korridorbereich Ost in den Planungen nicht mehr berücksichtigt wurde.

AfD-Landtagsabgeordneter Andreas Winhart.

Darüber hinaus regte er an, dass die "Ausbaustrecke 38" (ABS 38) München-Mühldorf-Freilassing, die derzeit teilweise zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert wird, ebenfalls einen Teil des Güterverkehrs aufnehmen könnte. 

Gruber entgegnete, der Korridorbereich Ost sei inzwischen herausgenommen worden. "Die ABS 38 ist für uns eine wichtige Stecke, die Verkehre, die bisher über Rosenheim laufen, aufnehmen wird." Dies würde eine große Entlastung darstellen. 

Unverständnis für Einstufung landwirtschaftlicher Flächen

Ein Bürger kritisierte, dass landwirtschaftliche Flächen in der den Planungen zu Grunde liegenden Bodenwertungskarte bei möglichen Widerständen als sehr gering eingestuft würden. "Keine der Grobtrassen ist frei von kritischen Punkten", betonte Gruber darauf. Es werde sich zeigen müssen, wo insgesamt die beste Strecke verlaufe. 

Auf Nachfrage eines Zuhörers erklärte Tradler, Vorschläge, die Trassen außerhalb des Planungsraums vorsehen, würden ausscheiden. "Das ist nunmal so im Bundesverkehrswegeplan festgelegt und der hat Gesetzescharakter!" 

Abbruch der Arbeiten in Italien als Risiko?

Auf Nachfrage betonten Gruber und Tradler weiterhin, Bedenken, wie sie auch schon beispielsweise durch die Rosenheimer SPD geäußert wurden, dass von italienischer Seite die Arbeiten ins Stocken geraten könnten, seien unberechtigt. "Die sind dort ja schon sehr viel weiter als wir, die haben ja die Planungsphase schon hinter sich." 

"Da ist noch vieles unklar", entgegnete Steffen Storandt vom Bund Naturschutz. "Da muss man sich auch mal mit der Innenpolitik beschäftigen. Die '5-Sterne'-Bewegung, die dort an der Regierung beteiligt ist, überlegt doch gerade, eventuell komplett auszusteigen." Er wies, wie auch andere Redner, explizit auf die Gefahren für das Grundwasser, vor allem durch Tunnelbauwerke, hin. 

Die Bahn-Vertreter betonten, alle nötigen Aspekte würden hier berücksichtigt. "Sie können sich sicher sein, dass wir keine genehmigungsfähige Planung ohne genaueste Untersuchungen und Planungen bekommen würde", versprach Tradler.

Zwingmann: Haben berechtigtes Misstrauen

"Am Ende wird dann doch das gebaut, was für die Bahn am billigsten und der Strecke her am kürzesten ist", klagte ein Zuhörer. Darauf meldete sich Werner Zwingmann, ehemals Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim zu Wort. "Bei der Westtangente haben wir da einfach schon einiges mitgemacht. Es hieß, es gäbe einen Dialog, aber am Ende wurde dann alles so gemacht, wie es von Anfang an geplant war", versuchte er die massive Skepsis der Rosenheimer zu erklären.

Werner Zwingmann

 "Alle Bedenken, die wir angemeldet haben wurden überhaupt nicht berücksichtigt", klagte er. "Wir haben also ein gewisses und überaus berechtigtes Misstrauen. Unsere Fluren, unsere Freizeitlandschaften sind uns wichtiger, als dieses Projekt!" Dem stimmte auch Bürgermeisterin Bauer zu. Zwingmanns Ausführungen bekamen allgemeinen Applaus der Zuhörerschaft. 

Quelle: rosenheim24.de

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