Diskussion im Verkehrsausschuss Rosenheim

Mit der Seilbahn in die Innenstadt - wirklich nur Zukunftsmusik? 

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Eine Seilbahn in die Rosenheimer Innenstadt? Der Verkehrsausschuss diskutierte einen entsprechenden Antrag der Republikaner.  
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Rosenheim - CO2-Ausstoß reduzieren, Parksuchverkehr minimieren und ohnehin die gesamte Innenstadt auf günstige Art und Weise entlasten? Eine Seilbahn in die Innenstadt als Personentransportmittel würde all das garantierten und darüber hinaus eine große Hilfe im Alltag darstellen - zumindest nach Auffassung der Republikaner. 

Die Stadtratsfraktion stellte mit genau diesen Gründen den Antrag auf eine Machbarkeitsstudie, die die Realisierung einer Seilbahn in die Rosenheimer Innenstadt prüfen soll. 

Helmut Cybulska vom Baudezernat der Stadt fand bei der Behandlung des Antrags im Ausschuss für Verkehrsfragen und ÖPNV klare Worte: "Wir haben uns das Ganze angeschaut. Es ist eine enge Taktung der Kabinen, die Geschwindigkeit ist mit 20km/h sehr gering und allgemein ist eine Seilbahn erst dann sinnvoll, wenn es eine klare Zielorientierung mit einer klaren Verkehrsstrom-Beziehung gibt." 

Als Beispiele führte er Kempten und München an, in beiden Städten werden aktuell Machbarkeitsstudien erstellt: In München am Frankfurter Ring zur Prüfung drei U-Bahn-Haltestellen miteinander zu verbinden und in Kempten um die ÖPNV-Verbindung vom Bahnhof in die Innenstadt leistungsfähiger zu gestalten. 

Vor- und Nachteile einer Seilbahn: 

Eine Seilbahn habe durchaus Vorteile, erklärte Cybulska weiter: Die mögliche Indikation von Seilbahnen in das öffentliche Verkehrsnetz werde zunehmend als Ausbauoption in der Fachwelt und in der Politik diskutiert. Übereinstimmende Erkenntnis von Vekehrsexperten sei, dass Seilbahnen in ein leistungsfähiges Nahverkehrsnetz eingebunden werden müssten um dieses zu ergänzen. 

Als kritischen Aspektbrachte Cybulska an, dass durch die Seilbahn, die über die Köpfe der Anwohner hinwegschwebt, die Privatsphäre erheblich gestört werden könne. Für längere Entfernungen oder zur Schaffung von Vekehrsnetzen mit verzweigten Strukturen seien Seilbahnen des Weiteren – nicht zuletzt aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeiten – eher ungeeignet

Auch in Wasserburg stand die Idee einer Gondel über den Inn schon einmal im Raum, wurde allerdings nicht ernsthaft verfolgt. 

Rosenheim zu klein für eine Seilbahn? 

"Mit einer klaren Zielorientierung tun wir uns schwer in Rosenheim", räumte Cybulska ein. "Natürlich wird in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert, ob das nicht vom Schlossberg aus funktionieren könnte, aber uns fehlt die Sammelstelle und darüber hinaus eine klarere Vorgabe um eine solche Studie überhaupt zu starten." 

Dabei stehe in dem Antrag der Republikaner bewusst keine Standortsetzung. Man habe sich gezielt nicht auf einen Platz beschränkt, sondern den Trassenweg offen zur Diskussion gelassen

Die Ausschussmitglieder konnten sich überwiegend nicht mit der Idee anfreunden. Herbert Borrmann (CSU) spannte den Bogen zur Wuppertaler Schwebebahn: "Ich glaube das geht nur in größeren Stadt - auch von Straßenführung her. Hier in Rosenheim müssen wir uns auch die Frage der Optik stellen - sieht das noch schön aus? Und dafür dann einen Haufen Geld ausgeben, das halten wir nicht für sinnvoll." 

Es fehle außerdem ein genauer Zielpunkt in Rosenheim, wie Horst Halser (ÖDP) einwarf: "Kempten ist dran an der Idee, aber in der Stadt ist der Bahnhof auch weit draußen - im Gegensatz zu uns, wo doch niemand von unserem Bahnhof aus in Richtung Max-Josefs-Platz mit der Gondel fahren würde." 

Für Franz Baumann (FW/UP) stand es außer Frage, dass Stephanskirchen in die Studie miteinbezogen werden müsse. 

Franz Opperer (Bündnis 90/Grüne) sah als wesentlichen Vorteil, dass eine Seilbahn wenig Platz benötige: "Eine Stadtseilbahn ist eine Möglichkeit Menschen zu bewegen - so wie Busse oder Züge eben auch. Wir halten das jedoch nur für sinnvoll, wenn die Seilbahn als Baustein in das Gesamtkonzept des ÖPNV integriert wird." 

Andreas Lakowski (SPD) hinterfragte die Kosten: "Die Idee ist nicht neu, geistert seit über 20 Jahren in den Köpfen herum. Ich frage mich allerdings, was so eine Studie kostet. Macht es Sinn sie in Auftrag zu geben?" Zudem wäre es in seinen Augen Aufgabe der Verwaltung analoge Fälle zu finden, die auf Rosenheim übertragbar seien.

Zweiter Bürgermeister Anton Heindl (CSU) spannte am Ende der Diskussion den Bogen zu den fraglichen Plätzen für eine Seilbahn: "Ich frage mich wirklich, wenn wir beispielsweise eine Station am Schlossberg errichten, wo ist dann die Sammelstelle in Rosenheims Innenstadt?"

Der Beschluss:  

Am Schluss einigte man sich im Ausschuss darauf, die Idee weiterzuverfolgen: Bevor eine Machbarkeitsstudie allerdings in Auftrag gegeben werde, sollen die Verkehrsbeziehungen definiert werden, die als Lücke im öffentlichen Nahverkehrsnez zu werten seien und gleichzeitig eine Eignung für Seilbahnen erwarten ließen, um die Investition betriebswirtschaftlich darstellen zu können.

mb

Quelle: rosenheim24.de

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