TÖDLICHER UNFALL AUF DER MIESBACHER STRASSE IN ROSENHEIM

Zeugin: "Es war, als hätten die sich gejagt"

+
Die beden Angeklagten, links: Rechtsanwalt Baron von Koskull, rechts: Rechtsanwalt Stephan Rochlitz
  • schließen

Rosenheim - Bei einem schweren Unfall in der Miesbacher Straße im November 2016 starben zwei junge Frauen im Alter von 21 und 15 Jahren. Zwei Männer wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Im Oktober 2017 begann dann der Prozess gegen einen der beiden jungen Männer. Dieser wurde aber auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Am Dienstag ab neun Uhr geht der Prozess weiter.

UPDATE 15 Uhr: weitere Zeugen sagen aus

Der zweite der insgesamt fünf für diesen Tag geladenen Zeugen sagt aus. Nach der Weko-Kreuzung seien ihm kurz vor 21 Uhr zwei BMW aufgefallen, die langsam nebeneinander vor ihm her gefahren seien. Der Zeuge habe dann den Blinker gesetzt um zu signalisieren, dass er sie überholen wolle, er sei dann nach rechts abgebogen, und habe die BMW aus den Augen verloren. „Ich habe mir gedacht, die werden da jetzt ein Rennen fahren.“ 

Die nächste Zeugin sagt aus, dass ihr um etwa 21 Uhr an der Kreuzung drei laute, getunte Autos aufgefallen seien, die sehr auffällig gefahren seien. „Ich habe mir gedacht die spinnen. Es hat für uns so ausgeschaut, als würden sie ein Rennen fahren.“ Gefühlsmäßig würde sie sagen die Autos seien viel zu schnell gefahren und ganz knapp aufeinander. An ein rotes Auto, könne sie sich auch erinnern, sei sich aber nicht 100 prozentig sicher. „Es war als hätten die sich gejagt.

Ein anderer Zeuge hat gegen etwa 21 Uhr einen roten Golf am Schwaiger Kreisel gesehen haben, der dann zügig aus dem Kreisel Richtung Kolbermoor gefahren sei. "Er ist deutlich schneller als 55-60 km/h gefahren."

Die Verhandlung wurde nun unterbrochen und wird am Donnerstag, den 12. April um neun Uhr fortgesetzt.

UPDATE 12 Uhr: Erste Zeugin sagt aus

Nun tritt das Gericht in die Beweisaufnahme ein. Es werden Videos von der Unfallstrecke gezeigt, anhand derer der Angeklagte den Überholvorgang rekonstruieren soll. 

Die erste Zeugin sagt aus: Sie sei mit der Freundin ihres Sohnes unterwegs gewesen als ihr drei Fahrzeuge, darunter ein roter Golf, ein dunkler BMW und ein weiteres dunkles Auto auffielen. „Ich habe mich noch furchtbar aufgeregt, weil eines der dunklen Autos mich geschnitten hat.“ Die Zeugin meint, den Angeklagten R. Als Fahrer des BMW zu erkennen.

Die Verhandlung wird bis 13 Uhr unterbrochen.

Update, 10.30 Uhr - Angeklagter bricht immer wieder in Tränen aus

Während der Staatsanwalt die Anklage verliest, folgen die Angeklagten seinen Ausführungen. Während der eine ruhig dasitzt, bricht der andere Angeklagte auf der Anklagebank während der Verlesung in Tränen aus. Er scheint sichtlich mitgenommen.

Der 24-jährige Angeklagte wird sich nicht äußern, der andere hingegen will aussagen. Sein Verfahren wurde zunächst abgetrennt, weil er krankheitsbedingt nicht verhandlungsfähig war. Es sei ihm ein dringendes Bedürfnis, sich zu äußern - jedoch nicht persönlich, weil es ihm emotional sehr schwer fällt.

Rechtsanwalt Rochlitz verliest daher für seinen Mandanten eine Einlassung. Laut Rechtsanwalt hat der junge Mann für den Zeitraum während und nach dem Unfall große Erinnerungslücken. Sein Mandant wolle aber zur Aufklärung beitragen und sehe seine Schuld ein. Er bitte um Entschuldigung, wisse aber, dass diese Entschuldigungen den Angehörigen ihre Kinder nicht zurückbringen werden.

Er wolle seinen persönlichen Zustand nicht über den Schmerz der Angehörigen der Opfer stellen. Er habe diese Kollision herbeigeführt, er sei das gewesen. Ein Autofan sei er gewesen, aber eher in die Richtung "Poser". Er habe sein Auto gerne gemocht, es auch schön hergerichtet, jedoch nicht, um Rennen zu fahren, sondern eher wegen der Optik.

Autorennen sei er vorher nie gefahren. Wie es genau zu dem Zusammenstoß kam, könne er nicht mehr detailliert sagen. Nach der Kollision habe er zunächst keine Schmerzen gehabt und wollte den Mädchen aus dem Unfallfahrzeug helfen, was ihm aber nicht gelang. Er würde es gerne ungeschehen machen, das geht nicht, aber er möchte sich und auch den Angehörigen helfen, die Sache aufzuklären und das zu verarbeiten.

Fragen des Gerichts beantwortet der Angeklagte selber. Auf die beiden BMW sei er das erste Mal aufmerksam geworden, als er von diesen überholt wurde. Warum er denke, dass er vorher überholt wurde, will der Richter wissen. Der Angeklagte denkt, es habe daran gelegen, weil er langsamer als erlaubt gefahren sei.

Nach ein paar Hundert Metern bis einem Kilometer habe er die BMW dann wieder eingeholt. "Ich habe die beiden BMW überholt, weil sie dann wieder langsam vor mir her getuckert sind", sagt der Angeklagte. Es könne eine Art Provokation gewesen sein.

Ob die BMW ihm seinen eigenen Überholvorgang schwer gemacht haben, darauf habe er nicht geachtet. Er habe nur noch seine Beifahrerin schreien gehört und das entgegenkommende Fahrzeug gesehen. "Ich wollte nur noch bremsen und versuchen auszuweichen, aber es ist mir nicht gelungen."

Ob er den Eindruck gehabt habe, dass die BMW-Fahrer auf ihn reagierten, als er zum Überholen ansetzte, will der Richter wissen. "Sie sind nicht langsamer geworden", antwortet der Angeklagte.

Update, 9.15 Uhr - Wortgefecht vor Gerichtssaal

Vor dem Verhandlungssaal lieferten sich die Angehörigen der Opfer und Verteidiger Baron von Koskull ein Wortgefecht über die Schuldfrage. Wie kurz vor Prozessbeginn bekannt wurde, werde gegen seinen Mandanten - einen 24-Jährigen - erneut wegen eines Anfangsverdachts ermittelt.

Er soll in der Nacht auf den 4. April erneut an einem Straßenrennen in Rosenheim teilgenommen haben. Der Vorsitzende Richter eröffnet nun die Sitzung und klärt die Personalien der Angeklagten.

Update, 9.05 Uhr - Prozessbeginn

Der Medienandrang ist groß bei dem Prozess zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim, bei dem zwei Samerbergerinnen getötet worden sind.

Laut ersten Informationen von vor Ort soll gegen einen der Angeklagten unabhängig von diesem Fall erneut wegen eines illegalen Autorennens ermittelt werden.

Vorbericht

Über ein Jahr ist es nun her, dass zwei junge Samerbergerinnen unvermittelt aus dem Leben gerissen wurden. Bei einem schrecklichen Verkehrsunfall auf der Miesbacher Straße zwischen Panorama-Kreuzung und Schwaiger Kreisel in Rosenheim stieß das Fahrzeug, das mit drei jungen Frauen besetzt war, mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen. Zwei der drei Insassen starben an den Folgen des Unfalls.

Prozess wurde unterbrochen 

Im Oktober 2017 begann am Rosenheimer Amtsgericht schließlich der Prozess gegen einen der beiden Männer, die laut Staatsanwaltschaft für die Tragödie verantwortlich sein sollen. Der Fahrer des Wagens, der mit dem Auto der drei Mädchen zusammengestoßen war, war zu dem Zeitpunkt krankheitsbedingt verhandlungsunfähig weshalb sich das Amtsgericht entschlossen hatte, das Verfahren aufzuteilen.

Der Prozess wurde jedoch unterbrochen, und auf unbestimmte Zeit ausgesetzt, da Richter, Staatsanwaltschaft und Nebenklage der Meinung waren, dass auch der Hauptangeklagte als Zeuge gehört werden muss.

Angeklagter wieder vernehmungsfähig

Wie das Amtsgericht Rosenheim mitteilte, sind für den Prozess erneut Verhandlungstermine bestimmt worden. Es soll gegen beide Angeklagte gemeinsam verhandelt werden. Der zweite Angeklagte sei inzwischen verhandlungsfähig, gesundheitlich aber noch angeschlagen. Es könne daher zu Verzögerungen und Unterbrechungen im Verfahrensablauf kommen. Auch deswegen seien nun mehr Verhandlungstage bestimmt worden:

  • Dienstag, 10.04.2018, 9.00 Uhr
  • Donnerstag, 12.04.2018, 9.00 Uhr
  • Donnerstag, 03.05.2018, 9.00 Uhr
  • Dienstag, 08.05.2018, 9.00 Uhr

**Wir berichten von vor Ort**

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser