Ein Stück Kindheit nachholen

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Viele Buben und Mädchen machen schon in frühester Kindheit traumatische Erfahrungen. In den Kinderdorfhäusern des Albert-Schweitzer-Familienwerks finden sie Schutz und Geborgenheit.

Rosenheim - Hunde, Katzen, Hasen, Hamster, dazu ein Hängebauchschwein und eine afrikanische Meerkatze: Insgesamt sind es 40 Tiere in einer viel zu kleinen und völlig verwahrlosten Wohnung. Mittendrin: ein kleines Mädchen.

So beginnt die erschütternde Geschichte von Sandy (Name geändert). Ihre Mutter? Sie ist psychisch krank und überfordert. Ihr Vater? Alkoholsüchtig und längst weg. Nur gut, dass es die Kinderdorfhäuser des Albert-Schweitzer-Familienwerks gibt. Dort hat Sandy ein großes Stück Kindheit nachgeholt.

Weihnachtsaktion der OVB-Heimatzeitungen:

  • Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling, Spendenkonto 19521, BLZ 71150000
  • VR Bank Rosenheim-Chiemsee eG, Spendenkonto 9090266, BLZ 71160161

Sandy kommt Anfang 1998 zur Welt, als jüngstes von sieben Geschwistern. Als sie von Mitarbeitern des Jugendamtes aus dem Chaos geholt wird, ist sie zwei Jahre alt. Ihr Leben verändert sich nun schlagartig. Zwölf Jahre später befindet sich das Mädchen (14) dank der behutsamen Aufbauarbeit ihrer Kinderdorfeltern in einem Kinderdorfhaus auf einem guten Weg - auch wenn sie die Schatten der Vergangenheit immer wieder einholen. Es ist nicht leicht, wenn man auf seine leiblichen Eltern nicht zählen kann und immer wieder aufs Neue von ihnen enttäuscht wird.

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Sandys Geschichte spielt nicht in der Region, sondern an einem anderen Ort in Bayern. Trotzdem ist sie exemplarisch für das Rosenhof-Projekt in Pinswang bei Neubeuern, dem sich die Weihnachtsaktion "Ein Zuhause für Kinder in Not" der OVB-Heimatzeitungen verschrieben hat. Wer in Rosenheim, Traunstein oder Mühldorf ähnlich schlimme Fälle sucht, wird schnell fündig. Nur selten liest man von ihnen in der Zeitung. Anders als Verkehrsunfälle spielen sich die Tragödien verwahrloster, missbrauchter oder vernachlässigter Kinder hinter verschlossenen Türen ab. Was an die Öffentlichkeit dringt, ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt viele "Sandys" in Bayern - und genau für diese Buben und Mädchen will das Albert-Schweitzer-Familienwerk in Neubeuern ein weiteres Kinderdorfhaus bauen.

Welche Position die kleine Sandy wohl im sozialen Gefüge ihrer - im wörtlichen Sinn - verrückten tierischen Großfamilie hatte? Genau lässt sich das nicht mehr sagen. Aber das Mädchen muss in der Hierarchie ganz weit unten gewesen sein. Wie sich später herausstellte, hatten die meisten der 40 Tiere bei der Mutter einen höheren Stellenwert im Familiengefüge als ihre Kinder. Sandys Kinderdorfeltern und Therapeuten sind fassungslos, als sie das herausfinden.

Kein Wunder also, dass die vier älteren der sieben Kinder schon weg sind, als das Jugendamt Johanna befreit. Jonny, Kimberly, Fabio und Marc (alle Namen geändert) leben da bereits in einer Pflegefamilie oder bei ihren Großeltern. Letztere haben den Kontakt zu Sandys kranker Mutter und ihrem schwer alkoholkranken Vater schon lange abgebrochen. Immer wieder hatte es Streit gegeben, wenn sie sich "einmischten" und das sagten, was Tochter und Schwiegersohn nicht hören wollten: Dass sie unfähige Eltern sind.

Als das Jugendamt Wind davon bekommt, dass in der Wohnung drei weitere Kinder wie Tiere unter Tieren hausen müssen, lässt es Anfang 2000 von der Polizei die Tür öffnen und nimmt die verbliebenen zwei Mädchen und den Buben der Mutter weg. Im Amtsdeutsch heißt das Inobhutnahme.

Die ersten Monate verbringen die bedauernswerten Sozialwaisen - so nennt man Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können - in einer sogenannten Kindernotwohnung. Dann kommt die Rettung. Im soeben eröffneten Kinderdorfhaus des Albert-Schweitzer-Familienwerks finden sie ein neues Zuhause. Wenigstens ihre Geschwister sind Sandy geblieben. Mit viel Liebe und Engagement kümmern sich Mitarbeiter und Therapeuten um das Mädchen.

So vergeht die Zeit. Sandy wird sauber, geht in den Kindergarten, in die Schule. Im Sonderpädagogischen Förderzentrum entwickelt sich Sandy gut, legt auch in der Pubertät eine erfolgreiche Schullaufbahn hin.

Schade nur, dass es die Mama einfach nicht schafft, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Mit viel Geduld war es zwischenzeitlich gelungen, Sandy wieder regelmäßige Kontakte zur Mutter zu ermöglichen - teilweise in Begleitung eines Mitarbeiters, um das Mädchen zu schützen, zu unterstützen und den Aufbau einer neuen Beziehung zu fördern. Doch im März 2012 muss die Polizei erneut einschreiten. Bei einer Wohnungsöffnung findet sie noch mehr Tiere, viele davon tot. Damit ist klar, dass leider keine Rückkehr zur Mutter möglich ist. Sandy wird im Kinderdorfhaus bleiben, bis sie volljährig ist.

Spenden und gewinnen

Jeder Spender, der zehn Euro oder mehr spendet, kann einen Ford B-Max, gestiftet von Auto Eder Kolbermoor, gewinnen. Wer ohne zu spenden am Gewinnspiel teilnehmen möchte, schickt eine Postkarte mit dem Stichwort "Weihnachtsaktion" ans OVB-Medienhaus.

Bis gestern wurden über 60.000 Euro gespendet!

re/OVB-Heimatzeitungen

Quelle: rosenheim24.de

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