Neues Highlight in der PHARAO-Ausstellung im Lokschuppen Rosenheim

Mumie „Ta-cheru“ hat ein Gesicht

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v. l.: Der Leiter des Ausstellungszentrums Lokschuppen Dr. Peter Miesbeck, Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen, Mumienforscher Oliver Gauert. Rechts: das rekonstruierte Gesicht der Mumie

Rosenheim – Sie war „nebet per“ – die Herrin des Hauses und lebte in der Region des heutigen Luxor in Ägypten. Ihr Name: „Ta-cheru“ , ihr Alter: rund 2.400 Jahre. Ihre Mumie, dick eingehüllt in Leinenbinden, können die Besucher der Ausstellung PHARAO seit März 2017 im Lokschuppen Rosenheim sehen. 

Ab sofort können sie ihr auch ins Gesicht schauen. Denn die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen von der Universität Freiburg hat denKopf der Mumie digital rekonstruiert. Und so sehen die Besucher jetzt eine Frau mit schwarzen Haaren mit leichten grauen Strähnen, dunklen Augen, einem schmalen Mund und mit leichten Falten im Gesicht. „Ich bin begeistert vom Ergebnis“, sagt Ägyptologe und Mumienforscher Oliver Gauert vom Roemer- und Pelizaeus–Museum Hildesheim, dem Kooperationspartner des Ausstellungszentrums Lokschuppen. „Genau so könnte Ta-cheru kurz vor ihrem Tod ausgeschaut haben.“


Hochauflösende Computertechnik

Grundlage für die Rekonstruktion war einehochauflösende Computertomographie (CT) im St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim . Sie lieferte den 3D-Datensatz für die weitere Bearbeitung am Computer. Ein zeitaufwändiges, aber wissenschaftlich fundiertes Verfahren beginnt. Dabei wissen die Experten, dass die Stärke der Weichteilschichten eines Gesichts in proportionalem Verhältnis zur Ausprägung der Knochen darunter steht. „Wir setzen dann an bestimmten Punkten Abstandshalter, je nach Geschlecht und Alter, an die Schädeloberfläche“, erläutert Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen. „Auf diese Punkte setzen wir dann reale Gesichtselemente aus einer Datenbank ein und passen sie an.“ Die Datenbank umfasst Tabellen mit Referenzwerten aus den verschiedenen Erdregionen. Die verschiedenen Elemente werden der vorgegebenen Schädelform angepasst und miteinander verschmolzen – so entsteht ein Gesicht. Die künstlerische Freiheit der Wissenschaft ist dabei begrenzt:Die Gesichtsproportionen sind durch den Schädel vorgegeben, hier gibt es keinen Spielraum.“ Für Aspekte wie Hautfarbe oder Falten- und Furchenbild gebe es jedoch Interpretationsspielraum, so Wittwer-Backofen. „Je mehr Informationen über den Lebenslauf einer Person bekannt sind, umso genauer kann das Bild werden.“

Zahlreiche Vorgaben ermöglichen genaue Rekonstruktion

Ägyptologe Oliver Gauert hält diesen Spielraum ebenfalls für begrenzt. „Wir haben durch die hochauflösende Computertomographie und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Mumie schon zahlreiche Vorgaben. So starb „Ta-cheru“ im Alter von mehr als 60 Jahren. Siewar zwar körperlich fit, doch ihre Schädelknochen zeigten bereits eine starke Ausdünnung. Das war im Alten Ägypten keine Seltenheit“, so Gauert. Auch für die Mimik und Falten rund um den schmalen Mund gibt es eine Begründung. „Ta-cheru“ hatte nur mehr fünf Zähne. „Die Darstellung des Mundes halte ich für besonders gelungen“, meint deshalb der Forscher. „Man kann schon erkennen, dass die Dame nur mehr ein unzureichendes Gebiss hatte.“ Viel und hart gearbeitet hatte „Ta-cheru“ in ihrem Leben wohl nicht. „Sie war eine höher gestellte Dame, und sie hatte Bandscheiben wie eine 40-Jährige.“ Typisch sind die dick geschminkten Augenbrauen der Frauen im alten Ägypten. Die Ägypterinnen waren modebewusst, schminkten sich mit Kajal, Lidschatten, Rouge und Lippenstift. Besonders beliebt war schwarze Schminke zur Betonung der Augen und Brauen.

Foto vom CT am St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim

Mumie „Ta-cheru“ als neues Highlight

Für den Leiter des Ausstellungszentrums Lokschuppen Dr. Peter Miesbeck ist die Rekonstruktion des Gesichts von „Ta-cheru“ ein neues Highlight in der Ausstellung PHARAO. „Unsere Besucher können am Bildschirm direkt neben der Mumie das Gesicht sehen. Wir haben auch eine rotierende 3D-Aufnahme des Kopfes anfertigen lassen. Wir selbst waren auf das Ergebnis der Rekonstruktion gespannt und sind jetzt sehr begeistert. Es ist unglaublich, in das Gesicht einer Person zu sehen,die im 4. Jahrhundert im alten Ägypten gelebt hat.“ Die Ausstellung PHARAO im Ausstellungszentrum Lokschuppen läuft noch bis zum 17. Dezember 2017.

Pressemitteilung Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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