Das nächste Mal vielleicht nach Afrika

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Im Grenzbereich: Die Autos der Desert Wild Boys hatten auf dem Weg nach Jordanien nicht wenige Pannen.
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Rosenheim/Mühldorf/Amman - Kaputte Ölwannen, Kamele und ein weißer Stuhl in der Wüste: Die Desert Wild Boys sind mit bunten Eindrücke von der Allgäu-Orient-Rallye zurückgekehrt.

Tief beeindruckt von unzähligen kulturellen Erfahrungen sind die Desert Wild Boys von der Allgäu-Orient-Rallye heimgekehrt. Das Team um Daniel Kojer (27) aus Mühldorf, Daniel Klein (29) aus Teising, Thomas Zann (48) aus Kirchseeon, Herbert Meyer (43) aus Amerang, Carglayan Kirtay (37), genannt Charly, aus Bad Endorf und Sebastian Hipp (24) aus Bernbeuren stand zwischenzeitlich sogar kurz vor dem Gewinn der Rallye. Ihr Preis wäre ein Kamel gewesen.

Wild Boys verpassen das Kamel knapp

So lief die Vorbereitung auf die Rallye

"Leider hat's für das Kamel nicht gereicht", erzählt Daniel Kojer mit einem Augenzwinker. Das wertvolle Tier wird vom Gewinnerteam der Wohltätigkeitsrallye nämlich traditionell gespendet – etwa an einen jungen Farmer oder Beduinen am Zielort. Die Desert Wild Boys waren bei den Zwischenstationen oft Erster gewesen, doch andere Teams haben sich einfach mehr Mühe mit den vielen Zusatzaufgaben gegeben. Und so reichte es für die Kojer und seine Freunde "nur" zu einem vierten Platz.

Autos werden in Jordanien ausgeschlachtet

Not macht erfinderisch: Daniel Kojer während einer Ruhepause.

Die Allgäu-Orient-Rallye ist eine Wohltätigkeitsrallye für Hobby-Fahrer. Die Teams müssen zu sechst mit drei alten Autos und maximal 11,11 Euro Ausgaben für die Übernachtung pro Person und Tag vom Allgäu bis nach Jordanien fahren. Alle Fahrzeuge kommen am Zielort einem guten Zweck zugute. Die drei Audi der Desert Wild Boys sind mit dem Grenzübertritt nach Jordanien den Regeln der Rallye entsprechend in den Besitz des jordanischen Staates übergegangen. Die Fahrzeuge werden nun nach und nach in Einzelteile zerlegt und zugunsten der Dream Foundation verkauft, die Stipendien an Beduinenkinder vergibt.

"Menschen teilen das bisschen, das sie haben"

Die Allgäu-Orient-Rallye war auch landschaftlich ein Erlebnis.

Auf dem Weg nach Jordanien haben die Desert Wild Boys zahlreiche kulturelle Erfahrungen gemacht. Einen bleibenden Eindruck haben bei Daniel Kojer vor allem die Fröhlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen hinterlassen. "Sie haben fast nichts, müssen alles selbst produzieren und sind trotzdem glücklich und teilen das bisschen, das sie haben." Daraus hat Kojer wichtige Lehren für sein persönliches Leben gezogen. "Man sieht bei uns alles als selbstverständlich an. Trotzdem laufen viele mit schlechter Laune durch die Gegend."

Flicken der Ölwanne um 2 Uhr nachts

Ohne die spontane Hilfe von Fremden wären die Wild Boys wohl niemals so schnell nach Jordanien gekommen. Als ihnen in Rumänien ein 20 Zentimeter tiefes Schlagloch ein golfballgroßes Loch in der Ölwanne beschert hatte, mussten die Wild Boys mitten in der Nacht in der nächsten Ortschaft aufs Geratewohl nach Hilfe fragen – und haben diese auch bekommen. Ein rumänischer Handwerker hat mit Kojer und seinen Freunden fünf Stunden lang bis 2 Uhr in der Nacht die Ölwanne geflickt.

Wenn der Audi in der Wanderdüne feststeckt

Zu einem wahren Reparaturfachmann wurde Thomas Zann.

Mit der Zeit sind die Desert Wild Boys immer routinierter im Beheben von Pannen geworden. "Tom hat wahrscheinlich einen Rekord im Reifenwechseln aufgestellt. Man konnte sich nicht einmal Zigaretten kaufen", scherzt Kojer. Während einer Spezialaufgabe mitten in der Wüste - die Wild Boys mussten einen weißen Stuhl finden - ist Kojer in einer Wanderdüne steckengeblieben. Innerhalb von fünf Minuten hatten ihn seine Mitstreiter aus seiner misslichen Lage befreit - mit einem Abschleppseil und dem einzigen Allradfahrzeug des Teams. Wirklich brenzlig wurde es nur, als in Istanbul bei einem Auto der Bremsschlauch geplatzt ist. "Es ist nicht wirklich lustig im Stadtverkehr von Istanbul mit der Handbremse zu bremsen."

Zu sechst im Doppelzimmer

Mit den 11,11 Euro pro Nacht und Person sind die Desert Wild Boys gut über die Runden gekommen. Dank einer Nacht zu sechst in einem Zweibettzimmer in Graz und zwei Nächten im Auto blieb am Ende sogar ein wenig Geld übrig. "Wir haben fast immer eine Dusche gehabt. Manchmal war sie kalt oder ein Rinnsal, aber zumindest war's Wasser", erinnert sich Kojer.

Die schönsten Bilder von der Rallye

Auf dem Weg nach Jordanien

Das nächste Mal geht's vielleicht nach Afrika

Kuriose Begegnungen, die Erste: Sebastian Hipp trifft Esel.

Am Ziel in Jordanien wartete schließlich ein wenig Luxus auf die Desert Wild Boys. Bis zur Siegerehrung und dem anschließenden Heimflug verbrachten sie drei ruhige Tage im Touristenort Akaba. Rückblickend würde zumindest Kojer jederzeit wieder an der Allgäu-Orient-Rallye teilnehmen. Sollte er noch einmal ein solches Abenteuer wagen, möchte er aber einen anderen Fleck der Erde erkunden, vielleicht Afrika.

Was die Wild Boys im Orient vermisst haben

Kuriose Begegnungen, die Zweite: Audi trifft Rinder.

Daniel Kojer mag sich gar nicht festlegen, was ihm an der Rallye quer durch Osteuropa und den Nahen Osten am besten gefallen hat. "Die komplette Reise war der Hammer", schwärmt der 27-Jährige. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm eine uralte Grenzbefestigung und der über 5000 Meter hohe Berg Ararat in der Türkei sowie die verlassene Felsenstadt Petra in Jordanien. Was er abgesehen von seinen Angehörigen vermisst hat, weiß Kojer hingegen ganz genau: "Das gute bayerische Bier!"

Video: Die Desert Wild Boys auf dem Weg zur Rallye

Quelle: rosenheim24.de

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