Wir haben die Bundespolizei bei ihrer Arbeit begleitet

Endstation Rosenheim: Gefährliche Flucht auf dem Güterzug

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Sie zitterten vor Kälte: Am Diensagvormittag griffen Beamte der Bundespolizei elf Migranten auf einem Güterzug in Rosenheim auf
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Rosenheim - Am Dienstagvormittag führte die Bundespolizei Rosenheim am Rosenheimer Bahnhof wieder Güterzugkontrollen durch. Wir waren diesmal dabei und durften den Beamten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

Dienstag 9.45 Uhr, es hat unter Null Grad. Ein Güterzug aus Verona rollt in den Bahnhof Rosenheim ein. Er wurde von der Bundespolizei außerplanmäßig gestoppt. Der Grund: Die Beamten vermuten illegal eingereiste Personen auf diesem Zug. Und sie sollten recht behalten. Schon bevor der Zug in den Bahnhof fährt, bekamen die Beamten am Boden von ihren Kollegen im Polizeihubschrauber den Hinweis, dass bei einem Wagon die Plane aufgeschnitten sei. Mit der Wärmebildkamera wurden dort zudem Wärmequellen festgestellt

Hubschrauber begleitet Zug ab der Grenze

Da es keine Fahrpläne für Güterzüge gibt, meldet ein Verbindungsbeamte der Bundespolizei in München den Rosenheimer Kollegen relevante Züge, die aus Italien kommen. Die Rosenheimer schicken dann einen Hubschrauber der Polizeifliegerstaffel Oberschleißheim los, der den Zug dann von der Grenze bis Rosenheim begleitet und aus der Luft kontrolliert. Wird etwas auffälliges entdeckt, melden sie das den Beamten am Boden, so dass diese gezielter kontrollieren können, wie auch am Dienstagvormittag.

Güterzugkontrolle am Rosenheimer Bahnhof

Elf durchgefrorene Migranten steigen aus dem Container

Nachdem ein Bahnmitarbeiter die Strecke geerdet hatte, öffnen einige der rund 30 beteiligten Beamten um etwa 10 Uhr die Plane des Containers, in dem sich elf vor Kälte zitternde dunkelhäutige Männer befinden. Einer von ihnen hebt sofort die Hände, um zu signalisieren, dass er unbewaffnet ist. Alles läuft ganz ruhig ab. Die Beamten der Bundespolizei fordern die Migranten auf auszusteigen, was diese auch anstandslos tun. Man bekommt den Eindruck, sie seien fast froh darüber, nun nicht mehr in der Kälte sein müssen. Die Männer werden nun in das Wärmezelt am Bahnhofsvorplatz gebracht, wo sie erst einmal einen Tee bekommen, bevor sie von den Bundespolizisten in kleinen Kabinen durchsucht werden. Anschließend bringen die Beamten die aufgegriffenen Migranten in die Dienststelle der Bundespolizei in der Burgfriedstraße in Rosenheim, wo die Männer dann mit Hilfe von Dolmetschern befragt werden. 

Etwa 40 bis 50 Prozent werden zurück nach Österreich geschickt

"So in etwa 40 bis 50 Prozent der Migranten die wir hier aufgreifen geben Gründe an, die mit Schutz und Asyl nichts zu tun haben", erklärt Pressesprecher und Hauptkommissar Rainer Scharf. "Die werden dann sehr schnell, entweder am selben oder am nächsten Tag nach Österreich zurückgeführt und dort den Behörden übergeben." Es gebe auch Kontrollen in Österreich und Italien. Die Behörden aus allen drei Ländern stimmen sich bei den Kontrollen ab. "Keiner kann 24 Stunden am Tag Züge kontrollieren da würden wir den gesamten Güterverkehr lahm legen", sagt Scharf.

"I want a better life"

Auch für einen der am Dienstag aufgegriffenen Migranten wird es wahrscheinlich zurück nach Österreich gehen. "Mir ist sehr kalt", sagt er auf englisch zu unserer Reporterin. "Ich bin hier hergekommen, um ein besseres Leben zu haben." Ihm sei von Italienern gesagt worden, auf welchen Güterzug er in Italien springen soll. Seine Route führte ihn über Lybien nach Italien und schließlich nach Rosenheim.

Nächster Zug kommt eine Stunde später an

Während die Männer noch im Wärmezelt kontrolliert werden, bekommen die Beamten die Info, dass der nächste Zug bereits um 10.55 in Rosenheim eintreffen wird. Der Hubschrauber meldet für diesen Zug keine Auffälligkeiten. Die Beamten am Boden gehen daher den Zug von vorne bis hinten ab, leuchten unter die LKW-Auflieger, öffnen nicht verplombte Wagons. Diesmal: Fehlanzeige. Auf dem Güterzug wurden keine illegalen Reisenden gefunden.

Quelle: rosenheim24.de

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