"Leere Stühle"-Aktion soll auf Not der Gastrobranche in der Coronakrise aufmerksam machen

"Es hätten sich noch viel, viel mehr beteiligt ..."

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Es hätten sich noch weit mehr Gastronomen beteiligt, allerdings hätte dies das Ausmaß des Erlaubten für die Protestaktion gesprengt, berichtet Theresa Albrecht, Vorsitzende des Kreis-Hotel- und Gaststättenverbands.

Rosenheim - Der Leaders Club appelliert an alle deutschen Gastronomen und Hoteliers, sich der Protestaktion „Leere Stühle“ ihrer Dresdner Kollegen anzuschließen. Bundesweit haben Gastwirte am Freitag, 24. April, mit Demonstrationen darauf aufmerksam, dass die Zukunft ihrer Betriebe durch die andauernde Schließung während der Corona-Krise massiv bedroht ist. Auch in Rosenheim beteiligten sich viele Gastronomen an der Aktion. 

Update, 14 Uhr: So war die "Leere Stühle"-Aktion in Rosenheim

"Was soll das denn werden, wenn’s fertig ist? Soll man sich da dann hinhocken oder was wird das?", fragt eine junge Frau, sichtlich ein wenig amüsiert."Die leeren Stühle sollen zeigen wie viele Wirtshäuser, Bars und so weiter derzeit leerstehen müssen", erklärt ihr einer der Helfer der Aktion. Das macht sichtlich Eindruck. "Coole Aktion. Aber echt krass!" 100 leere Stühle stehen auf dem Ludwigsplatz. Darauf die Logos von 15 Restaurants und anderer Gastrobetriebe aus der Umgebung. 


"Wissen Sie, es hätten sich noch viel, viel mehr beteiligt", erklärt Theresa Albrecht, Vorsitzende des Kreis-Hotel- und Gaststättenverbands gegenüber rosenheim24.de. "Wir hätten den ganzen Platz mit Stühlen und Logos vollpacken können. Aber das wäre nicht mit den Auflagen für die Aktion vereinbar gewesen, da wollen wir uns natürlich daran halten." Statt einer Menschenmenge aus Demonstranten sollen die leeren Sitzmöbel illustrieren, wie es um die örtliche Gastwirtschaft bestellt ist. Nur ein paar Helfer stehen dabei und beantworten Fragen, natürlich mit dem gebührenden Sicherheitsabstand. 

Bilder von der "Leere Stühle"-Aktion am Ludwigsplatz

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Immer wieder bleiben Passanten stehen. Es werden Fotos von den Stühlen gemacht. Manch einer vermutet erst einmal eine Kunstaktion oder irgendeine Art von Streich. Wenn sie dann allerdings die Hintergründe geschildert bekommen, werden die Gesichter ernst. "Das ist schon heftig, da denkt man bei all den anderen schlimmen Meldungen derzeit nicht mehr unbedingt daran", bemerkt eine Frau.

Update, 12.30 Uhr: Knapp 100 Stühle in Rosenheim aufgestellt

Seit 10 Uhr stellen auch hier in Rosenheim immer mehr Gastronomiebetriebe "leere Stühle" im Bereich des Ludwigsplatzes auf. 

Knapp 100 Stühle, Sessel oder Barhocken wurden bereits auf den Pflastersteinen platziert. Sogar ein Tisch wurde liebevoll dekoriert und mit aufgestellt. 

Unter anderem haben sich das "Faerber", "Bergmeister", "Flower Power", "Nerds", "Fleurop", Hotel zur Post" und "Johann Auer" an dem stillen Protest beteiligt. 

Leere Stühle stehen in Rosenheim im Zuge einer Aktion einer Aktion mit der die Gastronomie, Hotel- und Eventbranche auf ihre Probleme mit den Auswirkungen der Coronavisus-Pandemie aufmerksam macht. 

Erstmeldung:

Mit der Aktion #LeereStühle, bei der leere Restaurantstühle auf öffentlichen Plätzen platziert werden, will die Gastronomen ein Zeichen setzen und auf die Not der Branche hinweisen. 

Deutschlandweit wollen sich Gastronomen an dem stillen Protest, welcher am Freitag, 24. April, zwischen 10 und 13 Uhr stattfinden soll, beteiligen. In Rosenheim haben sich laut Angaben des Leaders Club ebenfalls Gastronomen für die Aktion angemeldet. 

"Die "leeren Stühle" sollen im Bereich des Ludwigsplatzes aufgestellt werden", erklärte Christian Schwalm auf Anfrage von rosenheim24.de.

Der stille Protest wurde mit dem Ordnungsamt Rosenheim abgestimmt und somit auch genehmigt. "Die Aktion wird unter der Maßgabe geduldet, dass sich keine Personengruppen treffen", so Schwalm.

„Es sollen möglichst viele Stühle, aber möglichst wenige Menschen auf den Plätzen sein. Alle Teilnehmer werden dazu aufgerufen, dafür Sorge zu tragen, dass keine Kollegen, Mitarbeiter oder Gäste zu den Aktionsorten kommen. Stattdessen bitten wir darum, Beiträge zu der Aktion in den sozialen Medien zu teilen.", heißt es in der Pressemitteilung des Leaders Club

In diesen Städten ist bisher eine Veranstaltung für den 24. April von 10 – 13 Uhr angemeldet.

Was wollen Gastronomen damit bewirken?

Der Leaders Club und die Gastronomen wollen mit dieser Aktion folgenden Forderungen Nachdruck verleihen: 

  1. Ein klarer Fahrplan für die Wiedereröffnung unserer Betriebe. 
  2. Einführung von 7 Prozent Mehrwertsteuer für das Gastgewerbe.  
  3. Aufstockung von Zuschüssen für alle Unternehmensgrößen (bemessen an Steuererklärungen, um ehrlich wirtschaftenden Gastronomen gerecht zu werden).  
  4. Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent und Einführung für die Azubis.

Hintergrund:

Die jüngsten Beschlüsse der Regierung zur temporären Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Gastronomie und die Erhöhung des Kurzarbeitergelds sind nach Ansicht des Gastronomie-Netzwerks Leaders Club ein Lichtblick für das deutsche Gastgewerbe.

„Wir sind sehr froh und dankbar, dass unsere Anliegen von der Politik endlich gehört werden“, betont Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Club Deutschland. 

Leider seien die angekündigten Maßnahmen für die Gastro-Branche aber nur eingeschränkt hilfreich. „Die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes ab Oktober auf 50-Prozent-Basis geht an den Bedürfnissen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbei, da wir ja hoffen, dass wir sie bis dahin längst wieder zu mindestens 50 Prozent beschäftigen werden“, erläutert Leaders Club Vorstand Kerstin Rapp- Schwan. „Sie brauchen sofort mehr Unterstützung!“

Keine belastbare Perspektive

Auch die vorübergehende Reduzierung der Mehrwertsteuer für Speisen auf 7 Prozent von Juli an hält der Leaders Club für gut und richtig. Allerdings: „Die 7 % werden für deutlich reduzierte Einnahmen gelten: Aufgrund der dringend benötigten Abstands- und Hygieneregelungen und des zu erwartenden veränderten Gastverhaltens rechnen wir mit 50 % weniger Umsatz. Die Befristung bietet außerdem keine belastbare Perspektive für die Rückzahlung der von uns in der Krise aufgenommenen Kredite.“ Ohne sofortige Zuschüsse könnten viele gastronomische Betriebe den 1. Juli gar nicht mehr erleben, befürchtet Rüther. „Außerdem sollten die 7 Prozent auch auf Getränke angewendet werden, da Bars und getränkelastige Gastronomie sonst auf der Strecke bleiben.“

Gastronomie brauche Sicherheit

Weiterhin entscheidend sei für die Branche ein Fahrplan, wann und unter welchen Bedingungen die Gastronomie in Deutschland wieder öffnen darf. „Wir freuen uns, dass es vorwärts geht. Aber wir brauchen mehr Sicherheit, um für den Sommer und darüber hinaus planen zu können“, sagt Kerstin Rapp-Schwan. „Wir erwarten endlich verbindliche Richtlinien für unsere Branche, um eine Ausbreitung des Virus in unseren Betrieben zu verhindern, und bringen uns hierzu gerne ein.“

mz/Pressemeldung Leaders Club

Quelle: rosenheim24.de

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