Abofallen und falsche E-Mails

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"Jetzt kostenpflichtig bestellen": Für Verkäufe im Internet müssen Anbieter seit 1. August eine spezielle Schaltfläche mit klarer Beschriftung einrichten. Damit sagt man den versteckten Kostenfallen im Internet den Kampf an.

Rosenheim - Die Abzocke im Internet mit gefälschten E-Mails und Abofallen geht munter weiter. Immer wieder melden sich Betroffene und berichten über Drohbrief-Angriffe und Inkasso-Unternehmen.

Immer wieder melden sich aufgebrachte Leser in der Redaktion der OVB-Heimatzeitungen und berichten über Drohbrief-Angriffe von dubiosen Firmen und Inkasso-Unternehmen.

Die Internet-Banditen haben nur eines im Sinn: die Opfer so lange mit Mahnungen und Drohungen einschüchtern, bis sie zahlen. Wachsam sollte man auch bei E-Mails sein, die zur Übermittlung von Kontodaten auffordern. In der Regel werden sie von Kriminellen mit falschem Absender verschickt.

"Sehr geehrter Herr Günther B., aufgrund eines automatisierten Abgleiches Ihrer Kundendaten mit Vergleichsstatistiken wurde das Risiko eines Zahlungsausfalls für Ihr Konto als überdurchschnittlich hoch eingestuft" - so beginnt eine E-Mail, die vor kurzem im elektronischen Briefkasten eines OVB-Lesers aus Schwabering landete. Angeblicher Absender: der PayPal-Kundenservice, der Günther B. in der Folge aufforderte, seine Kreditkartendaten zu übermitteln - sonst werde sein Konto deaktiviert.

Natürlich kam die Nachricht nicht von PayPal, sondern von Betrügern. Gelangen sie an Daten, stehen die Accounts und Konten der Opfer unter akuter Hacker-Gefahr. Obwohl kein seriöses Geldinstitut auf die Idee kommen würde, Kontodaten per E-Mail abzufragen, fallen immer wieder Menschen auf die Masche hinein.

Weil auch der Schwaberinger das weltweite Internet-Bezahlsystem PayPal (englisch wörtlich Bezahlfreund, angelehnt an pen pal, Brieffreund) benutzt, wenn er im Netz einkauft, hätte auch er dem Schwindel zum Opfer fallen können. Zumal ihn die Abzocker mit Vor- und Nachname anschrieben, was bei plumperen Fälschungen nicht der Fall ist. Aber Günther B., skeptisch, fand per rechtem Mausklick schnell heraus, dass es sich um eine Phishing-Mail handelt (phishing ist ein Kunstwort, das für password fishing steht, also Passwort-Angeln). "Man muss die Leute warnen, denn es gibt sicher Anwender, die nicht so aufmerksam prüfen", so der Schwaberinger.

Abgesehen davon lernen die Betrüger dazu. Wirkten die ersten Phishing-Mails wegen der fehlender Anrede sowie Grammatik- und Orthografiefehlern noch unseriös, wirkt die aktuelle Version glaubhafter und authentischer. Die "echte" Firma PayPal fordert nun ihre Kunden auf, mutmaßliche Phishing-Mails an die Adresse taeuschung@paypal.de zu schicken. Faustregel: Ob es sich um einen virtuellen Internet-Account oder das Girokonto bei der Bank handelt - man sollte E-Mail-Aufforderungen zur Offenlegung sensibler Daten nie nachkommen.

Nicht per E-Mail, sondern per Post zugestellt werden die gesalzenen Rechnungen, die im Raum Rosenheim weiterhin vielen Internet-Nutzern ins Haus flattern. Dabei verlangen unseriöse Firmen Geld für nicht erbrachte oder wertlose Dienstleistungen, verweisen auf Verträge, die in der Regel aber nie zu Stande gekommen sind. Die Masche der Abzocker: die Opfer so lange mit Rechnungen, Mahnungen und Drohungen terrorisieren, bis sie zahlen.

Manche OVB-Leser haben solche Drohbrief-Angriffe in den vergangenen Jahren einfach "ausgesessen". Monatelang hatten sie Briefe und E-Mails erhalten - erst vom dubiosen Internet-Anbieter, dann vom Inkasso-Büro. Zunächst waren 96 Euro fällig für die Mitgliedschaft auf einer Online-Seite, dann 150 Euro. Ein Stephanskirchener hatte am Ende einen ganzen Leitz-Ordner voll mit unverschämter und erpresserischer Post, blieb aber standhaft, ließ sich nicht zermürben - und plötzlich war der Spuk vorbei.

So weit sind weitere Opfer, die derzeit von dubiosen Abzockern mit Schreiben bombardiert werden, noch nicht. Unter anderem wendete sich jetzt eine Familie aus Kolbermoor - der ältere Sohn soll per Mausklick einen Zweijahresvertrag mit einem Online-Service abgeschlossen haben - an unsere Zeitung. Auch auf sie wird seit Monaten Druck ausgeübt.

Das Muster kennt man. Erst sollte sie 96 Euro, nun 157,77 Euro zahlen - für die "Hauptforderung" (96 Euro), Zinsen (2,27 Euro), Auslagen des Gläubigers (fünf Euro), Kontoführungskosten (9,50 Euro) und vorgerichtliches Inkasso (45 Euro). Die Absender: die gleichen Firmen und Inkasso-Eintreiber, die schon den Stephanskirchener zu zermürben versuchten und vor denen Verbraucherschützer warnen.

"Wer unwissentlich in eine Abofalle tappt, braucht nicht zu zahlen", stellt die Stiftung Warentest klar. Laut Preisangabenverordnung müsse es einen klaren, unübersehbaren Hinweis auf die Kosten geben. Wer sichergehen wolle, könne der Rechnung per Einschreiben widersprechen. Es reiche, dies einmal zu tun.

Seit 1. August ist das Abzocken mit Abofallen schwerer geworden. Nur wenn es eine spezielle Schaltfläche mit eindeutiger Beschriftung gibt (etwa "Jetzt kostenpflichtig bestellen") und der Kunde diese anklickt, kommt ein Vertrag zustande.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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