MdB Ludwig fordert Augenmaß bei Termin in Rosenheim

Digitalisierung bringt Belastungen für den Mittelstand

+
Foto: An der neuen digitalen Kasse in der Metzgerei Lohberger. Von links: Metzgermeister Hubert Lohberger, MdB Daniela Ludwig, der Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Fleischerhandwerks Lars Bubnick.

Rosenheim – Neue Gesetzesvorschriften zur Digitalisierung bei der Kassenführung und zur Kassennachschau belasten kleine und mittlere Unternehmen.

Hubert Lohberger, Obermeister der Metzger-Innung Rosenheim, und Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern, erörterten das Thema mit der Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig bei einem Termin in Lohbergers Metzgerei. 

Der Hintergrund: Seit dem 1. Januar 2017 müssen bundesweit alle Unternehmen mit Registrierkassen sämtliche Kassendaten elektronisch aufzeichnen und digital lesbar archivieren. Ab Januar 2020 müssen Kassen zudem über eine technische Sicherheitseinrichtung verfügen, die der Gesetzgeber noch gar nicht definiert hat.Für kleine und mittlere Unternehmen bringe das große Probleme mit sich, so Lohberger und Bubnick. 

„Ein Großteil der Betriebe wird von Generationen geführt, die mit digitaler Speicherung und Archivierung ihrer Belege kaum Erfahrung haben“, so der Metzgermeister. „Für sie ist es besonders schwer. Es fehlt an Härtefallregelungen, und die neuen Vorschriften erfordern hohe Investitionen. Bei einem Metzger mit zwei bis drei Registrierkassen reden wir hier vonInvestitionen in fünfstelliger Höhe.

Finanzielle Belastungen drohen

“Wenn der Gesetzgeber im Jahr 2020  zusätzlich Sicherheitseinrichtungen für alle Kassen in den Unternehmen fordert, drohen neue finanzielle Belastungen, befürchtet Lars Bubnick. „Was passiert, wenn die heute neu angeschafften Kassen nicht mit den künftigen Sicherheitseinrichtungen kompatibel sind? Möglicherweise müssen die Unternehmen dann wieder in neue Kassen investieren. Das wäre unzumutbar und muss unbedingt verhindert werden.“ 

Daniela Ludwig hat Verständnis für die Sorgen der Metzger. „ Das Thema betrifft alle Unternehmen in Deutschland, und gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind diese Herausforderungen nicht einfach zu stemmen. Die Digitalisierung können und wollen wir nicht aufhalten, sie ist auch in anderen Ländern technischer Standard. Der Gesetzgeber muss aber gerade bei der erneuten Verschärfung der Vorschriften Augenmaß beweisen. Es muss eine einfache, zumutbare technische Lösung geben. Immerhin gibt es bei den erforderlichen Sicherheitseinrichtungen ab dem Jahr 2020 eine zweijährige Übergangsfrist. Das war ein erster, richtiger Schritt.“ 

Kräftig in Metzgerei investiert

Hubert Lohberger hat in seiner Metzgerei am Rosenheimer Salzstadel kräftig investiert. Die Kassen sind digital auf dem neuesten Stand. „Wir müssen alles digital zehn Jahre lang speichern. Jeden Bon – vom verkauften Senf bis hin zu den Fleisch- und Wurstwaren.“ Das betrifft bei Lohberger nicht nur den Verkaufsraum seiner Metzgerei. Er hat außerdem seinen 24- Stunden-Automat, an dem die Kunden an der Straße rund um die Uhr einkaufen können, dazu seinen Würstlstand und mit dem „Schnitt-Reich“ auch einen Veranstaltungsraum, in dem bewirtet wird. „Vorschriften zur Digitalisierung und zur Dokumentation bringen Arbeitszeiten mit sich, die ein Metzger kaum mehr leisten kann“, meint Lohberger. „Da fragt man sich, ob der Gesetzgeber auch in Zukunft noch kleinere, regionale Metzgereien haben will.“ 

Völlig ungeklärt ist nach Angaben der Metzger,wie die Kassennachschau ablaufen soll. „Ab Januar 2018 darf das Finanzamt jederzeit eine Kassennachschau durchführen“, so Lars Bubnick vom Fleischerverband Bayern. „Kommen die Finanzbeamten am Freitagnachmittag, wenn die Metzgerei voller Kunden ist, und legen den Betrieb lahm? Die Antworten auf diese Fragen durch das Bundesfinanzministerium stehen noch aus.“ Der Fleischerverband Bayern arbeitet hier auch mit dem Deutschen Fleischer-Verband und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks zusammen. 

Daniela Ludwig hält das für ein berechtigtes Anliegen. „Beim Thema Kassennachschau erwarte ich von den Finanzämtern Fingerspitzengefühl. Der laufende Geschäftsbetrieb sollte hier nicht gestört werden, schon gar nicht vor den Kunden.“

Pressemitteilung Büro Daniela Ludwig, Mitglied des Deutschen Bundestages

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser