Spektakuläre Aktion auf Helgoland

Rosenheimer Slackliner wagt Weltrekordversuch

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Alex Schulz bei seinem Training auf dem Happinger See. Nur wenige Menschen auf der Welt können auf einer so langen Slackline das Gleichgewicht halten.
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Rosenheim - Alex Schulz wagt einen spektakulären Weltrekordversuch. Der Rosenheimer möchte bei Helgoland von einem Schiff aus auf die Insel spazieren - auf der Slackline.

Mit seinen spektakulären Aktionen hat sich Alex Schulz längst über die Grenzen der Slackline-Community hinaus einen Namen gemacht. Alex war schon einmal nackert auf einer 302 Meter langen Slackline in den Ammergauer Alpen unterwegs - im Winter, versteht sich - und balancierte auf der Zugspitze in 150 Metern Höhe zwischen zwei Gondeln. Am 14. August wagt der gebürtige Rosenheimer das nächste Abenteuer: Auf einer 300 Meter langen Slackline möchte er vom einem Schiff aus nach Helgoland gehen. Über Wasser war noch nie jemand erfolgreich auf einer längeren Line unterwegs.

Die Trendsportart Slacklinen, die sehr an Seiltanzen erinnert, gehört auch Deutschland seit ein paar Jahren fest zum Stadtbild dazu. In den Parks der Republik versuchen Slackliner auf ihren zwischen zwei Bäumen gespannten wenige Zentimeter breiten Bändern das Gleichgewicht zu halten und kleine Tricks einzuüben. Was Alex Schulz macht, hat mit dem Freizeit-Slacklinen aber letztlich nicht mehr viel zu tun. Klar, im Grunde sei auch er immer noch auf einer Line unterwegs, sagt Alex. "Aber ab 30, 40 Metern verändert sich das Schwungverhalten. Bis dahin bewegt sich die Slackline mit dir", erklärt der 23-Jährige. Bei größeren Distanzen kommt das Seil dagegen dem Slackliner entgegen, stellt also ganz neue Anforderungen an die Koordination.

235 Meter-Slackline über dem Happinger See

Stunden verbrachte Alex Schulz mit Aufbauarbeiten.

Slacklinen als reine Trendsportart abzutun, greift deshalb zu kurz. Wer Alex beim Training beobachtet, merkt schnell, dass der Rosenheimer ein Leistungssportler ist, der seine Passion mit wissenschaftlicher Akribie verfolgt. Für sein Training am Happinger See etwa werkelte Alex gemeinsam mit Freunden viele Stunden an der Line. Sie vermaßen die Distanz von Ufer zu Ufer und befestigten das Seil in etwa fünf Metern Höhe an zwei Bäumen. Einfach festbinden kann man die Line freilich nicht, sowohl aus Sicherheitsgründen als auch für ein optimales Trainingsresultat muss alles auf den Zentimeter genau passen. Am Ende wartete eine 235 Meter lange und auf 1100 Kilogramm Spannung festgezogene Line quer über dem Happinger See auf Alex Schulz.

Dieses Mal schaffte es der 23-Jährige zwar nicht fehlerfrei über die Line. Immer wieder verlor er das Gleichgewicht und muss sich abfangen. Doch alleine wie er das machte, wie er zwischen den Stürzen auf der Line balancierte und wie er an der Line hängend wieder aufstand, ist für die Breite Masse der Slackliner unmöglich.

Mit vier im Kajak, mit zwölf beim Bergsteigen

Alex, der letzten Herbst an der Uni Innsbruck ein Studium in Wirtschaftsrecht begonnen hat und mit Freunden die Slacklinefirma One Inch Dreams betreibt, kommt aus einer sportlichen Familie. "Als Kind habe ich verschiedene Sachen ausprobiert und meine Eltern haben mir früh die Outdoorsportarten näher gebracht. Mit vier Jahren saß ich schon im Kanadier und im Kajak." Als Alex zwölf Jahre alt war, ging es in die Berge. Noch heute klettert der Rosenheimer gerne zum Spaß. Mit 16 entdeckte der Rosenheimer dann das Slacklinen. Angefangen hat aber freilich auch ein heutiger Weltklasse-Slackliner wie Alex zwischen zwei Bäumen im Park. "Ich bin die ersten zwei Jahre auf einer 20 Meter-Line rumgegurkt", erzählt der Rosenheimer. Mit 18 Jahren hat sich Alex dann ein 100 Meter-Set gekauft und gleich 80 Meter aufgespannt. Schon beim zweiten Versuch hat er es über die Line geschafft. "Das hat mich selber erstaunt, aber auch brutal motiviert."

Die Vorbereitungen für das Training am See:

Alex Schulz vor Slackline-Training

Jeder Meter ist eine neue Herausforderung

Der 23-Jährige ist ein Spezialist für verschiedene Extreme, egal, ob die Line besonders hoch aufgehängt, besonders lang oder über Wasser gespannt ist. Manchmal konfrontiert sich der Rosenheimer aber auch mit mehreren Extremen auf einmal. Am Happinger See etwa musste er mit dem Wasser, der Höhe und der Länge der Line zugleich kämpfen. Jeder Meter Länge mehr ist eine neue Herausforderung. "Es gibt mehr Unruhe, die Slackline ist sozusagen bockiger", erklärt Alex. In der Höhe und über Wasser müssen Slackliner vor allem ihre Psyche im Griff haben. Starker Wellengang beispielsweise irritiert die Sportler.

Auf der Nordseeinsel Helgoland muss Alex zudem mit vergleichsweise viel Wind rechnen. Außerdem ist die Line an einem Ende an einem Schiff befestigt. Dieses hängt zwar an dem einen Ende an der Line und ist an dem anderen Ende festgeankert, "das Heck kann sich aber trotzdem bewegen", sagt Alex.

Alex' Training am Happinger See:

Auf der Slackline über den Happinger See

"Man setzt sich mit seinen Ängsten auseinander"

Am Slacklinen fasziniert den Rosenheimer die Vielseitigkeit der Sportart, aber auch die mentale Komponente. "Das ist vor allem beim Highlinen (auf besonders hohen Lines, d. Red.) der wichtigste Faktor", erklärt der 23-Jährige. Man lerne sich auch selber besser kennen, gerade beim Highlinen. "Da muss man sich mit Ängsten auseinandersetzen und sich aufs Wesentliche konzentrieren." Als Ergänzung zum Training auf der Slackline macht Alex deshalb Yoga. Auf der Slackline selbst verbringe er gar nicht so viel Trainingszeit, wie man meinen könnte, erklärt der Rosenheimer. "Manchmal komme ich jeden Tag zum Slacklinen. Dann gibt es Phasen, wo ich eine Woche lang nicht slackline." Ab und zu gehe er auch nur so zum Spaß auf die Line, "auf eine schöne Highline zum genießen".

Alex ist eben doch ein Stück Spaß-Slackliner geblieben. Seinen Rat an alle, die ihm nacheifern wollen oder einfach so auf eine Slackline steigen möchte, beherzigt er selbst immer wieder - egal ob zwischen zwei Bäumen im Park oder über dem Happinger See: "Einfach immer wieder versuchen."

Quelle: rosenheim24.de

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