Was steckt hinter den verschiedenen Angaben der Behörden?

Verwirrung um 7-Tage-Inzidenz in Rosenheim: "Das ist reine Kaffeesatzleserei"

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Start der Studie "Corona-Monitoring lokal"

Rosenheim - Das Coronavirus sorgt weiterhin für viele Einschränkungen. Bei möglichen Lockerungen spielen die Fallzahlen und die Entwicklung der Pandemie ein übergeordnete Rolle. Die veröffentlichten Zahlen werfen allerdings immer öfter Fragen auf.  

Vor allem der 7-Tage-Inzidenz-Wert für die Stadt und den Landkreis Rosenheim sorgt für Verwirrung bei den Menschen. 


Diese Zahl ist nach den Worten von Bayerns Ministerpräsident Söder die „Notbremse“ bei den Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen. Bei einer Überschreitung von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen sollen in dem betroffenen Landkreis oder in der Kreisfreien Stadt die Maßnahmen wieder verschärft werden. Der Freistaat Bayern verschärfte seinenGrenzwert im Frühwarnsystem am 19. Mai sogar noch einmal auf 35 Neuinfektionen

Unterschiedlicher Umgang mit Reihentestungen

Dabei spielen laut Gesundheitsämtern und Behörden aber auch Reihentestungen in Asylbewerberunterkünften und Pflegeheimen eine übergeordnete Rolle. Diese Fallzahlen dürften herausgerechnet werden, weil diese Menschen bereits von anderen Personengruppen durch eine angeordnete Quarantäne isoliert worden sind. 


Im Fall von Rosenheim gibt es jedoch zwei unterschiedliche Zahlenangaben. Während das Landratsamt Rosenheim den von dem Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) herausgegebenen 7-Tage-Inzidenz-Wert veröffentlicht, meldet die Stadt Rosenheim die vom RKI errechnete 7-Tage-Inzidenz, bestätigten Thomas Bugl, Pressesprecher der Stadt Rosenheim, und Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, auf Anfrage von rosenheim24.de.

Nachdem vor allem zur Einführung des neuen Indikators Mitte April die Werte weit auseinander klafften, hat sich mittlerweile die Diskrepanz deutlich verringert. Das lag auch an der Überlastung der Gesundheitsämter, welche Probleme hatten, die hohe Anzahl an Infektionsfällen zu bewältigen und zu übermitteln. 

Wie kommen diese Abweichungen zustande? 

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erhält die Daten direkt von den Gesundheitsämtern. Das RKI hingegen erhält die gesammelten Daten vom LGL. 

Auf der Homepage des LGL heißt es: "Die Meldepflicht richtet sich in erster Linie an den behandelnden Arzt beziehungsweise das befunderhebende Labor, die auftretende Fälle an das örtliche Gesundheitsamt melden. Die Gesundheitsämter übermitteln alle Fälle an das LGL, das die Daten für Bayern auswertet. Das LGL übermittelt die Daten weiter an das Robert Koch Institut (RKI), das die Meldezahlen für das Bundesgebiet zusammenstellt."

RKI erhält Daten erst deutlich verzögert

Aufgrund dieser Tatsache dauert es deutlich länger, bis die vermeintlich aktuellen Infektionszahlen aus einzelnen Städten und Landkreisen beim RKI ankommen. Daher hinkt das RKI wohl auch in ihrer Berechnung des 7-Tage-Inzidenz-Wertes hinterher. Während beim 7-Tage-Inzidenz des LGL zum Beispiel die zwei neuesten Tage bereits mit eingerechnet wurden, fehlen diese bei der aktuellsten Berechnung des RKI. 

Außerdem besteht die Möglichkeit, dass das RKI nochmals andere Parameter zur Errechnung der 7-Tage-Inzidenz berücksichtigt, da das RKI für ganz Deutschland vergleichbare Werte mit denselben Richtlinien ermitteln muss und nicht nur für Bayern.

Deshalb können selbst bei der Berechnung der selben Tage leichte Differenzen auftauchen, wobei am 19. Mai die Werte des LGL und des RKI das erste Mal seit Beginn der Datenerfassung identisch waren. 

Spekulationen und Vermutungen

Dies seien alles vernünftige Herangehensweisen, welche die unterschiedlichen Daten erklären würden, allerdings möchte sich Thomas Bugl von der Stadt Rosenheim an weiteren Spekulationen nicht beteiligen. "Das ist reine Kaffeesatzleserei". 

"Bei unseren Lageberichten nehmen wir immer die vom RKI vermittelten Werte, um diese dann mit nationalen Werten aus ganz Deutschland oder auch internationalen Werten aus Italien und Österreich besser vergleichen zu können", so Bugl weiter. Für den nationelen und internationalen Vergleich seien die Berechnungen des RKI repräsentativer. 

Werte des RKI im nationalen und internationalen besser vergleichbar

Würde die Stadt sowohl die Zahlen des LGL als auch des RKI betrachten, könnte die Bevölkerung der Stadt vorwerfen, "wir nehmen immer nur die Zahlen, die uns besser gefallen."

Gemäß des Infektionsschutzgesetzes hat das Robert Koch-Institut (RKI) die Aufgabe, Falldefinitionen zu erstellen, die die Kriterien für die Übermittlung von Meldedaten vom Gesundheitsamt an die zuständige Landesbehörde und von dort an das RKI festlegen. 

Die Falldefinitionen haben zum Ziel, bundesweit einheitliche Kriterien im Rahmen der epidemiologischen Überwachung von Infektionskrankheiten sicherzustellen. Damit sollen sie zu standardisierten Bewertungen, aussagekräftigeren Statistiken und letztlich objektiveren Entscheidungen beitragen.

Das Landratsamt Rosenheim hingegen veröffentlicht immer die Fallzahlen des LGL. Fischer: "Tag für Tag können wir so den aktuellsten Entwicklungsstand der Epidemie widerspiegeln."

mz

Quelle: rosenheim24.de

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