Mühldorf am Inn

Krise ist in der Region angekommen

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Die heimischen Abgeordneten waren bei der Agentur für Arbeit zu Gast.

Die Wirtschaftskrise ist in der Arbeitswelt angekommen, war das traurige Resüme von Jutta Müller, als sie die aktuellen Zahlen vom Arbeitsmarkt vorstellte.

Aktuelle Arbeitsmarkt- und Strukturdaten der Region sowie geeignete Instrumente, um der Wirtschaftskrise zu begegnen waren die großen Themen, die Jutta Müller, die Leiterin der Agentur für Arbeit mit Bundestagsmitglied Stephan Mayer, Staatssekretär Dr. Marcel Huber und der Landtagsabgeordneten Ingrid Heckner besprach.

Es habe zwar einen 8,5-prozentigen Rückgang auf 8585 Arbeitslose im Vergleich zum Vormonat gegeben. Allerdings ist diese Zahl um 16 Prozent höher als im Mai des vergangenen Jahres.

Dabei zeigte die Vorsitzende der Geschäftsführung, dass sich der positive Trend des Jahres 2007, in den Betrieben wieder vermehrt auf Ältere, Langzeitarbeitslose oder Behinderte zu setzen, nicht fortgesetzt hat. Mit großer Sorge beobachteten die drei Politiker, dass gerade die Jugendarbeitslosigkeit wieder deutlich angestiegen ist. 1174 waren im Monat April bei der Agentur für Arbeit gemeldet; das sind 31 Prozent mehr als im Mai des vergangenen Jahres. Als Gründe nannte Jutta Müller, dass zum einen junge Mitarbeiter bei Betrieben, die Mitarbeiter entlassen müssen, im Rahmen der Sozialauswahl "am wenigsten schützenswert sind".

Zum anderen seien viele befristete Arbeitsverhältnisse nicht in dauerhafte umgewandelt worden Hier stellte Stephan Mayer die Frage, ob die Dauer der Betriebszugehörigkeit immer ein sinnvolles Auswahlkriterium sei. Für Staatssekretär Huber waren die Auszubildenden ein wichtiger Punkt. So sei ihre Zahl zwar zurückgegangen, was aber im Bereich des Arbeitsamtes Pfarrkirchen (die Landkreise Mühldorf, Altötting und Rottal-Inn) noch wenig mit der Demographie zu tun habe. "Das trifft uns erst in zwei bis drei Jahren", so Jutta Müller. Es sei aber auch festzustellen, dass Jugendliche vermehrt selbst bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle aktiv werden.

Allerdings machte sie keinen Hehl daraus, dass es auch Jugendliche gebe, die den Anforderungen von "Fördern und fordern" nicht gewachsen sind. Staatssekretär Huber formulierte es drastischer, dass es mittlerweile Jugendliche gebe, die nicht nach einer Ausbildungsstelle suchen, sondern am liebsten gleich nach der Schulausbildung in Hartz IV wechseln wollen. Er plädierte dafür, ein enges Netz zu knüpfen, damit Jugendliche zwischen Schule und Ausbildungsplatz nicht in ein Loch fallen. "Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz für September hat, muss wissen, dass es sakrisch pressiert", so Huber.

Jutta Müller sprach hier eine enge Verzahnung mit den Hauptschulen an, die geschaffen worden sei, damit sich Jugendliche früher mit der Berufswahl auseinandersetzen. Eine geeignete Berufswahl ist für die drei Abgeordneten der Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Hier sollen Projekte wie die vertiefte Berufsorientierung, der Girls- Day oder das Durchbrechen von klassischen Rollenbildern helfen. Frauen sollen sich beispielsweise auch in Themenbereichen wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - kurz MINT - beruflich tummeln.

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für die jungen Arbeitskräfte, die gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben, noch kein probates Mittel, antwortet Jutta Müller auf die Frage von Stephan Mayer. Dies sei eher ein Mittel für Ältere und Erfahrenere, um ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt wieder zu ermöglichen. Allerdings sagte sie auch ganz klar, dass der derzeitige Gründungszuschuss kein geeigneter finanzieller Anreiz sei. Da habe sie mit der IchAG deutlich bessere Erfahrungen gemacht.

Großes Thema des Gedankenaustausches war auch die Kurzarbeit. Im Januar waren 1000 Mitarbeiter davon betroffen, im Mai ist die Zahl bereits auf 12700 angestiegen. Dazu kommen rund 2500, wo die Kurzarbeit in Aussicht gestellt werde, so Müller. Allerdings ist die Kurzarbeit ein Rettungsanker für viele Arbeitgeber, die sich damit praktisch Zeit kaufen und so Beschäftigung sichern. Müller lobte auch die derzeitige Regelung bei der Kurzarbeit, die den Firmen sehr entgegen komme. In diesem Zusammenhang forderte sie die Arbeitgeber auf, ihre Mitarbeiter in dieser Zeit durch Zusatzqualifizierung fit für die Zukunft zu machen.

Aus ihrer Sicht ist Kurzarbeit nur dann erfolgsversprechend, wenn die Arbeitgeber in den ersten sechs Monaten von der Zahlung der Sozialleistungen befreit werden, wenn sie ihre Mitarbeiter auf Qualifizierungsmaßnahmen schicken. Ab dem siebten Monat sind sie dann sowieso befreit. Auch die Ausdehnung auf 24 Monate befürwortete sie. Ingrid Heckner erinnerte in diesem Zusammenhang, dass es wichtig sei, geeignete Qualifizierungsbausteine für den Mittelstand zu entwickeln. Einig waren sich die drei CSU-Politiker in der Einschätzung, dass sich die Agentur für Arbeit zu einem modernen, professionellen und zukunftsgerichteten Dienstleister entwickelt habe. hsc

Quelle: rosenheim24.de

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