"Die Reise war mir ein Bedürfnis"

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Unterwegs nach Rom: "In Italien liegt viel Abfall entlang der Straßen."

Riedering - Mit rund 17 Kilo Gepäck am Buckel, täglich einer Fußmassage mit Spezialcreme und viel Durchhaltewillen marschierte Sigurd Stockklausner im Sommer von Riedering nach Rom.

"Es war eine Pilgerreise und ich bin froh, dass ich es gemacht habe", sagt der 74-Jährige. In 35 Etappen hatte er sein Ziel, die heilige Stadt Rom, gesund erreicht.

Ganz unerfahren im Pilgern ist der sportliche Mittsiebziger nicht, der sich im Sommer mit Bergwandern und im Winter mit Skifahren fit hält. Außerdem gehe er dreimal pro Woche ins Fitnessstudio, "für die Muskeln und weil man wetterunabhängig ist", wie er sagt. So hat er mit seiner Frau viele Touren gemacht: Mit dem Radl nach Santiago de Compostela, zu Fuß durch und auf die Berge, besonders die die Dolomiten. "Seit ich in Rente bin, waren meine Frau und ich viel in der Natur unterwegs."

Stockklausner in Rom.

Doch dann starb seine Frau im September 2011. "Noch im August haben wir eine Tour zum Wildkofel in den Dolomiten gemacht. Doch sie tat sich sehr schwer, was für sie ungewöhnlich war. Sportliche Bewegung hat ihr immer viel Spaß gemacht", erzählt Stockklausner. Nach ihrem Tod fiel er in ein tiefes Loch. Vieles, was vorher Spaß gemacht hat, hatte keinen Reiz mehr. Doch plötzlich hatte er eine Idee, die er unbedingt umsetzen wollte, und die ihm wieder Elan verlieh: Er wollte eine Pilgerreise nach Rom machen und zum ersten Todestag seiner Frau Elsbeth an der deutschen Messe und der Generalaudienz am Petersplatz in Rom teilnehmen.

Das Merkwürdige war, dass er das Gefühl hatte: "Wir machen die Tour gemeinsam, als ob wir wieder gemeinsam auf Tour gehen."

Recht schnell hatte er alles organisiert, die Marschroute festgelegt und sich auch in Rom für die Audienz angemeldet.

Als Vorbereitung sei er einmal am Wochenende 20 Kilometer am Stück gelaufen. "Ich wollte eigentlich nur meine neuen Wanderschuhe ausprobieren, denn ich habe ein künstliches Kniegelenk und muss Einlagen tragen. Da wollte ich die Stiefel vorher testen", sagt der Riederinger. Viel Ermunterung und Unterstützung habe er in dieser Vorbereitungsphase von seinen drei Töchten erhalten. Zwei haben ihn sogar einmal unangekündigt Mitten in Italien besucht. "Das war völlig überraschend und toll", erinnert er sich. Ansonsten standen sie im täglichen SMS-Kontakt.

Am 15. August morgens um vier Uhr früh ging er dann los. "Ich bin meistens den Flüssen entlang gewandert, große Straßen habe ich versucht, zu vermeiden." Unbedingt beruhigend sei auch das einkalkulierte Zeitpolster gewesen, denn "man weiß ja nie, was da so alles kommt".

Und gekommen ist dann so Etliches: Strömender Regen, der die guten Vorsätze fast zu Nichte gemacht hätte, kalte Winde, heiße Tage, wenn der Weg vor einem in der Glut zu flirren anfängt. "Wer zu Fuß geht, nimmt alles um sich herum viel intensiver und langsamer wahr, fast wie im Zeitlupentempo. Ich bekam ganz andere Eindrücke als beim Radeln oder Auto Fahren."

Vor dem Abmarsch.

Überall entlang der Strecke über die Alpen durch Österreich und Italien, über Verona, Florenz, Peruga, Assisi nach Rom seien die Menschen sehr herzlich gewesen. Manchmal kam wie durch ein Wunder unerwartet Hilfe, oder ein kleines Albergo stand um die Ecke und öffnete nur für ihn. Doch seinen Vorlieben, was das Frühstück betrifft, sei er auch in Italien trotz Cappuccino und Latte macchiato treu geblieben: "Am besten schmeckt doch normaler Kaffee und Marmeladensemmel."

In 35 Tagesetappen zwischen 33 und 53 Kilometern hat Stockklausner die insgesamt 1162 Kilometer lange Strecke ohne große Blessuren gemeistert: "Es war eine grandiose Pilgerreise, doch das schönste war, dass meine Frau Elsbeth, mit der ich 50 Jahre verheiratet war, irgendwie auch dabei war."

Sigrid Knothe/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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