Seit vier Jahrzehnten kämpfen Funktionäre und Politiker auf österreichischer Seite für Zusammenschluss

Wieder Schublade oder doch Realität?

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Das vom Skizirkus noch unberührte Dürrnbachhorn. Nach Befürchtungen von Umweltschützern könnte sich dies deutlich verändern. Foto

Reit im Winkl - Viel ist investiert worden in das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte - und das Wintersportgebiet soll auch in den künftigen Jahren an Attraktivität gewinnen:

So ist am Fuße des Scheibelbergs eine Versorgungsstation geplant, die insbesondere für Skikurse und Familien eine deutliche Verbesserung bei der Verpflegung schaffen soll.

Doch kann das Skigebiet an sich noch vergrößert werden, möglicherweise eine Ausdehnung ins Heutal, in Richtung Unken also (Salzburger Land)? Seit vier Jahrzehnten kämpfen immer wieder Funktionäre und Politiker auf österreichischer Seite für diesen Zusammenschluss, immer wieder werden Planungen vorgelegt und hitzig diskutiert, regelmäßig aber verschwinden sie schließlich wieder in der Schublade.

Neuerlich sind konkrete Pläne aufgetaucht. Darüber hinaus hat sich der Unkener Unternehmer Matthäus Unseld im vergangenen Jahr die Mehrheitsrechte an der alten Dürrnbachhorn-Sesselbahn gesichert, einem Bindeglied zwischen Winklmoos und dem Heutal. Des Weiteren hat die Gemeinde Unken eine Studie über die touristische Nutzung des betreffenden Gebietes in Auftrag gegeben.

Um die Anbindung vom kleinen Heutal-Skigebiet in die große Arena Winklmoos-Steinplatte zu realisieren, müssten auf der Strecke über die Finsterbachalm ein Lift neu gebaut werden; so würde man zum Dürrnbachhorn gelangen. Von der Winklmoosalm aus besteht eine Ein-Mann-Sesselbahn zum Dürrnbachhorn, dessen Hänge sich bei Skitourengehern größter Beliebtheit erfreuen. Ein weiterer Lift wäre notwendig, um die Verbindung vom Dürrnbachhornlift zur Talsstation des Rossalmlifts herzustellen.

Mit diesen insgesamt drei Bahnen wäre der Zusammenschluss also perfekt, was für die 2000-Seelen-Gemeinde Unken gleich zwei Vorteile brächte: Einerseits wäre für Wintersportler vom Heutal aus das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte per Ski erreichbar, zum anderen könnte das kleine Skigebiet auf österreichischer Seite auch von Seegatterl aus angesteuert werden.

"Es ist kein Geheimnis, dass wir diesen Schulterschluss seit vier Jahrzehnten haben wollen", erklärt Hubert Lohfeyer (ÖVP), Bürgermeister in Unken. "Ansonsten ist unser kleines Gebiet kaum zukunftsfähig." Es gelte jetzt, die Genehmigungsbehörden auf Salzburger und bayerischer Seite schrittweise vom Sinn und den Vorzügen dieses ehrgeizigen Projektes zu überzeugen. Dazu ist ein beauftragtes Planungsbüro seit einem halben Jahr daran, den topographischen Raum zwischen dem Heutal und der Landesgrenze auf einer Distanz von etwa vier Kilometern genau aufzuarbeiten: "Im Frühjahr wird diese ganzheitliche Studie voraussichtlich fertig sein", so Bürgermeister Lohfeyer.

Mit großem Interesse erwartet auch Unseld deren Ergebnis. Im abgelaufenen Jahr hat er zusammen mit einem Salzburger Geschäftspartner 51 Prozent an der Dürrnbachhorn Sesselbahn übernommen, "den Betrieb führen wir jetzt schon zu 100 Prozent" sagt er. "Wir wollen diesen Sessellift als Nostalgiebahn im Sommer zunächst unbedingt erhalten", ergänzt der Hotelier. Rund 4000 Euro hat er im vergangenen Jahr bereits in diese Bahn investiert, um die Brandschutzbestimmungen zu erfüllen, sonst hätte die veraltete Bahn ihren Betrieb gar nicht erst aufnehmen dürfen.

"Wir müssen das aber insgesamt wirtschaftlich sehen", sagt Unseld und spielt damit auch auf einen Betrieb der Dürrnbachhornbahn im Winter an, der derzeit nicht möglich ist. Dies mache aber nur Sinn mit der Schaffung einer Skischaukel Heutal/Winklmoos. Um dies zu erreichen, müssten er und die Gemeinde Unken intensive Überzeugungsarbeit leisten, bei einer ganzen Reihe von Behörden und Interessensgruppen.

Beispielsweise bei den Winklmooser Almbauern. Anlässlich ihrer Jahresversammlung im vergangenen Mai hatte Unseld den Almbauern konkrete Planskizzen vorgelegt. Die anwesenden rund 40 von insgesamt 46 Mitgliedern dieser Genossenschaft zeigten sich zurückhaltend, wie dies deren Vorsitzender Josef Speicher beschrieb. "Uns liegt zunächst sehr viel am Erhalt der Dürrnbachhorn-Bahn, sie hat eine hohe Bedeutung für Winklmoos." Wie die Almbauern zum gesamten Projekt stehen, vermochte Speicher nicht zu bewerten, dazu bräuchte man genauere Informationen und Daten.

Josef Höflinger, einem der Betreiber der Winklmooslifte reichen diese Informationen allerdings aus, er spricht sich klar gegen das Projekt aus. "Einen Skilift, dessen Sessel über die Dächer der Winklmoos-Almgebäude schweben sollen, lehnen wir ab." Außerdem würde sich eine solche Erweiterung weder aufgrund begrenzter Parkflächen in Seegatterl, noch wirtschaftlich für die Gebrüder Höflinger rechnen.

Der Reit im Winkler Berg- und Skiführer Walter Kellermann, einer der Mitbegründer und Sprecher der "Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns e.V." nimmt diese Aussagen aufmerksam zur Kenntnis - mit wachsender Sorge. Er befürchtet massive Eingriffe in die betroffene Bergregion, umfangreiche Waldrodungen, Pistenneubau, Lawinenschutz.

Was nun aus diesen neuerlichen Plänen rund um die Anbindung des Heutals an das Skigebiet Winklmoos/Steinplatte wird - wieder Schublade oder doch Realität - wird offenbar in nicht zu ferner Zukunft beantwortet. Hotelier Matthäus Unseld gibt sich energisch: "Wir müssen hier absolut professionell vorangehen", in spätestens eineinhalb Jahren würde mit "konkreten Ergebnissen" zu rechnen sein.

Um sich vor Ort einen Eindruck von den räumlichen Gegebenheiten machen zu können, lädt die "Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns e.V." zu einer "Informations-Skitour" ein. Diese findet statt am Samstag, 26. Januar. Treffpunkt ist dabei um 8.30 Uhr der Parkplatz in Seegatterl, die Tour führt zum Dürrnbachhorn.

ost/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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