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So viele Austritte wie noch nie

Regelrechter „Austritts-Tsunami“: Katholische Kirche meldet desaströse Zahlen

Leere Kirchenbänke
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Die Kirchenbänke werden immer leerer.

Dass dieses Zahlenwerk keine Schönwetterbilanz werden würde, war den katholischen Bischöfen längst klar. Schon im Laufe des vergangenen Jahres hatte sich abgezeichnet, dass die Austrittszahlen noch einmal deutlich ansteigen werden. Doch was die Deutsche Bischofskonferenz am Montag (27. Juni) veröffentlichte, kam einem regelrechten Tsunami gleich.

München – Die Kirchenaustrittszahlen sind sprunghaft angestiegen – nach 272 771 im Jahr 2019 und 221 390 im Jahr 2020 haben im vergangenen Jahr 359 338 Frauen und Männer die katholische Kirche verlassen. Georg Bätzing, der Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ist „zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten“. Die Zahlen zeigten die tiefgreifende Krise, in der sich die katholische Kirche in Deutschland befinde: „Es ist nichts schönzureden.“

Viele besonders aktive Kirchenmitglieder gehen

Bätzing spricht auch aus, was sich seit Längerem abzeichnet: Es treten nicht mehr nur die Menschen aus, die sich längst entfremdet hatten und nur noch auf dem Papier Kirchenmitglied waren. Es gehen immer mehr von denen, die in den Pfarreien besonders aktiv waren.

Anteil der Katholiken zur Bevölkerung im (Erz-)Bistum.

Reaktionen deutscher Bischöfe zeigen, dass sie allmählich auch den Ernst der Lage erfassen. So sagte der Augsburger Bischof Bertram Meier: „Der Verbleib in der Kirche hängt für viele an einem seidenen Faden.“ Jeder Mensch, der gehe, sei ein Verlust für die Gemeinschaft. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wollte sich nicht äußern. Sein Generalvikar Christoph Klingan nannte allerdings die hohe Zahl der Kirchenaustritte „sehr schmerzhaft“. Mit einem Gesamtstrategie-Prozess, der Ende 2021 abgeschlossen wurde, soll im Erzbistum München und Freising sichergestellt werden, wie die Kirche der Zukunft mit weniger Ressourcen funktionieren könne. In Pilotprojekten will man sich mit der Frage befassen, wie die Kirche neue Bedeutung gewinnen kann.

Auch in Bayern stark rückläufige Zahlen

Für die Kirche der Zukunft wird aber auch dringend Personal benötigt. Doch in der der Erzdiözese München und Freising gibt es in diesem Jahr keine Priesterweihe. Obwohl in Bayern noch über 62 Prozent der 13,18 Millionen Menschen katholisch (6,02 Millionen) oder evangelisch (2,2 Millionen) sind, gehen die Zahlen deutlich zurück. „Es gibt viele gute Gründe, in der Kirche zu bleiben und sie mitzugestalten“, betonte Bischof Bätzing. „Kirche vermittelt Hoffnung, besonders in bedrängenden Krisenzeiten.“ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wies ausdrücklich darauf hin, was in Pfarrgemeinden, Verbänden, der Caritas, in Schulen und Kindergärten geleistet werde, „Ich möchte dafür werben, das Mehr, den Gewinn, das Plus von Kirche zu sehen.“ Derzeit aber liefert sie vor allem ein problembeladenes Bild ab, wie der Würzburger Bischof Franz Jung selber beklagte. „Es darf niemanden verwundern, dass derzeit viele Menschen der Kirche das Vertrauen entziehen und auch unserem guten Tun die Zustimmung versagen“, sagte er.

„Wir sind Kirche“ sieht mangelnde Aufarbeitung von Missbrauchs-Skandalen als Grund

Die Kirchenaustritte sind nach Überzeugung der Vereinigung „Wir sind Kirche“ ein immer dramatischer werdender Beweis dafür, wie schlecht es um das Vertrauen in die Kirchenleitung stehe. Grund dafür seien etwa die mangelnde Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen und die anhaltende Krise im Erzbistum Köln. Die „ergebnislose“ Auszeit des Kölner Erzbischofs, Kardinal Rainer Maria Woelki, habe sich auf ganz Deutschland ausgewirkt.

Die evangelische Kirche hatte ihre Statistik bereits Anfang März vorgelegt – 2021 waren 280 000 Gläubige in Deutschland ausgetreten. Zum ersten Mal seit Langem wurde das Zahlenwerk nicht gemeinsam vorgestellt. Angesichts der noch schlechteren Daten, die bei der katholischen Schwesterkirche erwartet wurden, wohl eine verständliche Entscheidung. 

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