+++ Eilmeldung +++

Polizei warnt: Münchner sollen in Häusern bleiben

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Prozess gegen Brüder: "Es tut mir leid"

Reischach/Traunstein - Jeweils 4 Jahre Haft, 10.000 Euro Täter-Opfer-Ausgleich: Im Raubüberfall-Prozess gegen zwei Brüder ist am Montag das Urteil gefallen. *Ausführlicher Bericht*

"Es tut mir leid!" Für die Prozessbeobachter völlig überraschend zeigten sich sowohl Robert H. als auch sein Bruder André H. am Montag geständig. "Ich bereue es sehr, dass es zu einer solchen Tat gekommen ist", ließ der französisch-sprechende André H. von seiner Dolmetscherin übersetzen. Das Gericht sah die Geständnisse und die Reue wohlwollend an: vier Jahre Haft für beide wegen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung. Richter Karl Niedermeier blieb somit bei der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Lesen Sie auch:

Allerdings gilt es, das Urteil zu differenzieren. Die Höhe der Haftstrafe liegt beim älteren der Brüder, Robert H., eigentlich nur bei drei Jahren. Das Gericht hielt es für erwiesen, dass er nicht aktiv am Überfall beteiligt gewesen war, jedoch aber als "Planer" und Fahrer des Fluchtfahrzeugs. Aber er ist vorbestraft. Gegen ihn liegen vom Amtsgericht Mühldorf am Inn bereits zwei Haftstrafen in Höhe von insgesamt über zwei Jahren vor. Diese sind "gesamtstrafenfähig", werden also nicht aufaddiert, sondern fließen mit dem Urteil von Montag in ein sinnvolles Gesamtstrafmaß ein - also vier statt drei Jahre Haft.

Sein aus Frankreich stammender Bruder André H. hat aktiv am schweren Raubüberfall teilgenommen. In Deutschland ist er strafrechtlich zwar noch nie aufgefallen, in Frankreich hat er sich aber bereits mehrerer Vergehen schuldig gemacht.

Neben der Haftstrafe haben beide Parteien einem Täter-Opfer-Ausgleich zugestimmt. Man hatte sich im Vorfeld des letzten Verhandlungstages auf die Schmerzensgeldsumme von 10.000 Euro geeinigt, die am Montag bar entrichtet wurde.

Das Strafmaß für versuchten schweren Raub liegt eigentlich zwischen mindestens fünf und maximal acht Jahren. Im vorliegenden Fall musste eine sogenannte doppelte Strafmaßverschiebung nach unten durchgeführt werden. Zum einen wegen des Täter-Opfer-Ausgleichs, zum anderen wegen der Geständnisse und weil, anders als in der Anklageschrift, keine Mordabsicht nachgewiesen werden konnte. "Wir suchen daher jetzt eine angemessene Haftstrafe zwischen sechs Monaten und acht Jahren," so der Staatsanwalt. Dass es dann doch zu drei beziehungsweise vier Jahren gekommen ist, lag für das Gericht an der schwere der Verletzungen des Opfers. Auch die Tatsache, dass der Überfall im Beisein von dessen Kindern geschehen war, sprach gegen die Brüder. Die Geständnisse seien zwar löblich, im Falle von André H. aber zu spät gekommen, weil man ihm seine Anwesenheit bei der Tat anhand von DNA-Spuren nachweisen konnte. Bei dessen Bruder, der den Tatort ausgekundschaftet und das Fluchtfahrzeug gefahren hatte, sei die Sachlage anders, so Richter Niedermeier. Gegen ihn hatten lediglich starke Indizien und keine eindeutigen Beweise vorgelegen. Robert H. habe dem Gericht durch sein Geständnis "eine Gewissensentscheidung erspart", so Verteidiger Barbarino.

André H. war mit seinem Bruder Robert am 15.12.2009 zum Anwesen des Reischacher Kaufmanns Lars M. gefahren. Dort hatte André H. ihm mit zwei weiteren, bis dato unbekannten Tätern aufgelauert und mit einer Skistange und bloßen Fäusten - in Anwesenheit seiner beiden Töchter - auf ihn eingeschlagen. Als das Opfer zeitweise zu Boden gegangen war, hatten die Männer versucht, Lars M. zu Fesseln, was aber misslang. Der große und kräftige Geschädigte konnte sich aufrappeln und mit seinen Kindern aus dem Haus zum Nachbaranwesen fliehen. Zum Raub kam es daher nicht. Lars M. erlitt schwere Kopfwunden, sowie erhebliche Prellungen. Außerdem m musste er nach dem Vorfall mit dem Rettungshubschrauber in eine Münchner Klinik gebracht werden, weil er immer wieder das Bewusstsein verlor. Seine Kinder haben von dem Überfall seelische Schäden davongetragen, vor allem die ältere Tochter lebt in Angst. Beide waren in Therapie.

ds

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa Symbolbild

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser