"Technologiesprung von nationaler Bedeutung"

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Mit einem Knopfdruck starteten Landrat Georg Grabner, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, GATE-Geschäftsführer Günter Heinrichs und Johann-Dietrich Wörner von der DLR die Galileo Test- und Entwicklungsumgebung GATE in Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Ein "Meilenstein", ein "Technologiesprung-Tag", "weltweit einzigartig" - die Lobeshymnen wollten am Freitagmittag in Berchtesgaden überhaupt nicht mehr verklingen.

Nach einer einjährigen Testphase ist Deutschlands erste Test- und Entwicklungsumgebung des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo in Berchtesgaden eröffnet worden. Landrat Georg Grabner, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, GATE-Geschäftsführer Günter Heinrichs und Johann-Dietrich Wörner von der Deutschen Luft- und Raumfahrtgesellschaft (DLR) drückten symbolisch einen roten Knopf, der einen Werbefilm über GATE startete. Und schon war die lange Verzögerung des Projektstartes vergessen. Immerhin wurde bereits Anfang des Jahres 2005 die Testregion das erste Mal in Berchtesgaden vorgestellt. Mittlerweile stehen acht Antennen auf den Bergen rund um Berchtesgaden - bereit zu senden.

"Die Signale kommen hier von oben", erklärte Wörner. "So können acht Satelliten originalgetreu simuliert werden." Aus acht simulierten Satelliten sollen bis 2014 18 richtige Satelliten werden. Dann soll Galileo bereits genutzt werden können. Bis 2020 sollen dann sämtliche Anwendungen mit 30 Satelliten zur Verfügung stehen.

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Galileo ist die europäische Antwort auf das amerikanische GPS. "Besser ist es, sein eigenes Satelliten-Navigation-System zu haben und nicht auf Gedeih und Verderb GPS ausgeliefert zu sein", sagte Ramsauer in seinen Grußworten. Außerdem würden sowohl China als auch Russland an eigenen Systemen arbeiten. "Das ist ein Wettbewerb der Kontinente, der Wirtschaftsnationen."

Galileo soll sich durch besondere Präzision empfehlen: "Erinnern wir uns an die Jagd von James Bond und Goldfinger", suchte Wörner ein Beispiel. "Der Aston Martin hatte bereits ein Navigationsystem. Aber während James Bond tatsächlich auf dem Furka-Pass in den Schweizer Alpen unterwegs war, wähnte ihn das Navi noch in Genf. Deshalb gibt es Galileo." Eine Anwendung des neuen Navis soll auch Präzisionsanflüge über lärmarme Flugrouten für Flugzeuge möglich machen. "Diese Anwendung gilt es so schnell wie möglich zu nutzen", betonte Ramsauer in Hinblick auf die Fluglärmdiskussion in Freilassing.

Getestet werden die Galileo-Anwendungen nicht nur in Berchtesgaden. In Rostock befindet sich die maritime Testumgebung, in Braunschweig die Testumgebung für den Flugverkehr, in Wegberg-Wilderath die Testumgebung für den Schienenverkehr und in Aldenhoven-Siersdorf die Testumgebung für den Autoverkehr. Insgesamt werden für Galileo und die Testumgebungen 5,3 Milliarden Euro benötigt. "Ein sehr explosiver Weg der Kosten", kritisierte Ramsauer. Vor allem in Hinblick auf die jährlichen Betriebskosten des Systems von 800 Millionen Euro. "In der EU-Kommission haben wir eine genaue Aufschlüsselung der Kosten verlangt", betonte der Verkehrsminister. "Wir müssen einen Weg finden, diese Kosten einzudämmen. Das System muss sich auf Dauer wirtschaftlich tragen, es kann nicht ewig am Subventionen-Tropf hängen."

Diesen Weg müssen vor allem der Eigentümer DLR und der Betreiber, die Ifen GmbH finden.

Christine Zigon

Quelle: rosenheim24.de

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