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Südost-Oberbayern stark betroffen

Radon: Krebsgefahr aus dem Boden

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Wo besonders viel Radon aus dem Boden strömt, zeigt diese Karte - wie etwa in vielen Teilen unserer Region! (KARTE IN GRÖSSERER AUFLÖSUNG)

München - Nicht nur Raucher haben ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Manchmal reicht es schon, am falschen Ort zu wohnen. Dort nämlich, wo viel Radon aus dem Boden steigt – wie in vielen Teilen unserer Region!

Dieser Radon-Fall hat nicht nur im Chiemgau für Aufsehen gesorgt: Im Herbst 2013 wurden im Pfarrkindergarten St. Maximilian in Grabenstätt die Grenzwerte für radioaktive Strahlung zum Teil deutlich überschritten. Die Strahlung tritt hier vermehrt auf, weil bei dessen Bau Schlackesteine aus dem ehemaligen Eisenverhüttungswerk „Maxhütte“ in Bergen verwendet wurden.

Der Pfarrkindergarten in Grabenstätt könnte aber nicht das einzige Gebäude sein, bei dem die Radonkonzentration zu hoch ist, denn wie Karten vom Bundesamt für Strahlenschutz zeigen, sind die Radonkonzentrationen in der Bodenluft sowie in Gebäuden insbesondere auch in unserer Region sehr hoch!

„Fünf bis zehn Prozent aller Lungenkrebsfälle auf Radon zurückzuführen“

Der Feind ist unsichtbar. Lautlos schleicht er sich von unten an, dringt durch Risse und Schächte in den Keller und dann hinauf in Wohn- und Schlafzimmer. Dort lauert das Radon, bis ihm ein offenes Fenster die Flucht erlaubt. Doch zuvor werden die Zerfallsprodukte des Gases mit jedem Atemzug tief in die Lunge der Bewohner gesaugt – und können dabei schwere Schäden anrichten.

Oliver Meisenberg ist Physiker am Institut für Strahlenschutz des Helmholtz-Zentrums München.

Denn Radon ist ein unterschätztes Problem. Das radioaktive Gas aus dem Erdreich erhöht das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. „Man geht davon aus, dass etwa fünf bis zehn Prozent aller Lungenkrebsfälle in Deutschland auf Radon zurückzuführen sind“, sagt Oliver Meisenberg, Physiker am Institut für Strahlenschutz des Helmholtz-Zentrums München. Damit gingen knapp 2000 Krebsfälle auf das Konto des Gases.

Gleich nach dem Rauchen ist Radon damit Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs. Das zumindest legen aufwendige epidemiologische Studien nahe. „Denn der Krebs sagt nicht, woher er kommt“, sagt Meisenberg.

Woher das Radon kommt, weiß man indes genau: Es entsteht beim Zerfall von Uran, das zumindest in geringer Menge überall im Boden vorkommt. Das freigesetzte Gas dringt durch Risse und Löcher und steigt so langsam nach oben. „Bis es den Boden verlässt“, sagt Meisenberg. Gelangt es an die Luft, wird es im Freien zwar schnell verdünnt – draußen besteht also keine Gefahr. Dringt es aber durch den Keller in Wohnräume, reichert es sich dort an.

Schädlich sind dabei vor allem die Stoffe, in die das Radon an der Luft zerfällt. Das Gas selbst wird nämlich schnell wieder ausgeatmet. Seine Zerfallsprodukte – darunter Blei, Bismut und Polonium – lagern sich beim Einatmen jedoch an den Innenwänden der Atemwege und in der Lunge an. Sie heften sich auch an Staubpartikel an, die mit der Luft eingeatmet werden. Zwar zerfallen die radioaktiven Teilchen – bis auf ein Blei-Isotop – schnell und werden so unschädlich. Doch so lange man sich in belasteten Räumen aufhält, wird die Lunge von innen bestrahlt.

Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Strahlung führt zu Veränderungen am Erbgut. Solche entstehen zwar auch ohne Radon. Auch geht davon nicht immer eine Gefahr aus oder sie können repariert werden. Doch führen Alpha-Strahler, zu denen die Zerfallsprodukte des Radon gehören, besonders häufig zu irreparablen Veränderungen, die deshalb besonders gefährlich sind. Das erhöht die Gefahr, dass aus einer gesunden eine Krebszelle wird.

Radonkonzentration in Gebäuden. (KARTE IN GRÖSSERER AUFLÖSUNG)

Das Risiko steigt dabei mit der Dauer, der man dem Gas ausgesetzt ist – und mit dessen Konzentration. Die hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der Menge an Radon, die aus dem Boden austritt. Die ist abhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes. Je nach Bodenart und Gestein entweicht hier mehr und andernorts weniger davon. In einigen Regionen Deutschlands steigt besonders viel Radon auf. Das gilt etwa für das Erzgebirge, die Oberpfalz und den Bayerischen Wald. Auch im Voralpenland und nördlich von München ist die Radonkonzentration in der Bodenluft mancherorts erhöht. Auffällig: In Bayern steht Lungenkrebs an erster Stelle der häufigsten Krebsarten, wie erst kürzlich das Statistische Landesamt meldete. Fast 24.000 Menschen sind hier demnach 2012 Lungen- oder Bronchialkrebs erkrankt.

Umziehen muss wegen des Radons aber niemand: Wichtig ist nicht allein, wie viel Gas aus dem Boden aufsteigt. Das ist punktuell ohnehin sehr verschieden. Entweicht an einer Stelle kaum Radon, kann es beim Nachbarn schon ganz anders sein. Entscheidend ist daher, wie viel davon es in die Wohnräume schafft. Um das zu prüfen, gibt es Messgeräte, die man im Haus aufstellt.

Zeigen sie einen zu hohen Wert, reicht manchmal schon häufiges Lüften, um eine akzeptable Konzentration zu erreichen. Eine unschädliche gibt es nämlich nicht. „Das Risiko steigt mit der Dosis“, sagt Meisenberg. Es gilt daher abzuwägen, wann aufwendigere und teurere Maßnahmen nötig sind. Keinen Handlungsbedarf sieht Meisenberg bis etwa 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft. Bei darüber liegenden Werten hält er häufiges Lüften für sinnvoll.

Oft liegt die Konzentration aber höher, nicht selten ausgerechnet nach einer energetischen Sanierung: Eine bessere Dämmung hält nicht nur die Wärme, sondern auch das Radon besser im Haus. Im Winter sind die Werte zudem generell höher. Dann wird weniger gelüftet und beim Heizen Luft wie mit einem Staubsauger von unten angesaugt – und damit auch Radon. Abhalten kann man es, indem man das Haus nach unten besser abdichtet. Oder man saugt es mit einem Radonbrunnen ab und leitet es am Haus vorbei. Hilfe bei der Entscheidung bieten Radon-Fachberater.

Zu viel Radon im Haus? Hier gibt es Hilfe

Wie hoch ist die Radon-Konzentration in meiner Wohnung? Prüfen können Sie das mit speziellen Messgeräten. Die sind in der Regel nur etwa münzgroß und werden meist für drei Monate, vorzugsweise im Winter, aufgestellt.

Messgeräte hierfür kann man gegen Gebühr zum Beispiel bei der Berliner Firma Altrac-Messtechnik ordern (Tel. 030/67989737). Eine Liste weiterer Messstellen gibt es unter www.lfu.bayern.de/radon-netzwerk. Hier findet man auch die Kontaktdaten von Radon-Fachberatern, die weiterhelfen, wenn die Messung zu hohe Werte ergeben hat. Diese verfügen über eine Zusatzausbildung des Bayerischen Radon-Netzwerks, dessen Träger das Bayerische Landesamt für Umwelt ist. Sie informieren über Schutz-Maßnahmen beim Neubau ebenso wie zur nachträglichen Sanierung.

Viel Wissenswertes zum Thema bietet auch das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/ion/radon.

Andrea Eppner (Münchner Merkur)

Quelle: rosenheim24.de

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