Prügelvorwurf bei Polizei: So geht es dem Opfer

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So kam der 15-Jährige aus der Wiesn-Wache.

Rosenheim - Viel ist in den letzten Monaten berichtet worden über das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Polizeidirektor wegen Körperverletzung. Aber wie geht es dem Opfer?

Viel ist in den letzten Monaten berichtet worden über den suspendierten Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim und das laufende Ermittlungsverfahren gegen den Polizeidirektor wegen Körperverletzung im Amt. Aber wie geht es dem Opfer? Das Oberbayerische Volksblatt hat nachgefragt. Ihr Sohn habe die brutalen Angriffe in der Wiesn-Wache relativ gut weggesteckt, sagte die Mutter des 15-jährigen Schülers im Gespräch mit der Redaktion.

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Acht Wochen lang musste der Bub, der im Januar seinen 16. Geburtstag feiert, eine Schiene tragen, weil nach dem "Verhör" im Glückshafen mehrere Zähne locker saßen. Die Maßnahme war erfolgreich: Die Zahnreihen sind nach Angaben der Mutter wieder fest. Ob der teilweise abgeschlagene obere Schneidezahn allerdings auf Dauer gerettet werden kann, ist noch offen. Die Lücke wurde mit einem Zahnaufsatz geschlossen.

Und wie sieht es mit der Psyche aus? Ihr Sohn mache einen stabilen Eindruck, habe sich durch das schreckliche Erlebnis nicht aus der Bahn werfen lassen - "auch wenn er seither kein einziges Mal abends mit Freunden unterwegs gewesen ist".

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Wie berichtet, hatte sich der Chef der Polizeiinspektion und Herbstfest-Einsatzleiter den Buben persönlich "vorgeknöpft", als es am zweiten Wiesn-Samstag gegen 22 Uhr auf dem Freigelände zu einer Rangelei kam. Obwohl der 49-jährige Polizeidirektor offenbar den Falschen erwischt hatte, verpasste er dem 15-Jährigen Handschellen und führte ihn ab. Schon auf dem Weg zur Wiesnwache soll der Mann in Uniform den Schüler geschlagen und getreten haben - doch erst im Gebäude wurde der bis dahin unverletzte Schüler übel zugerichtet und krankenhausreif geschlagen. Die Mutter, die mit weiteren Zeugen hinzukam, weil sie sich mit ihrem Sohn um 22 Uhr am Glückshafen verabredet hatte, erhob schwerste Vorwürfe. Der Dienststellenleiter habe den Buben, der nach wie vor Handschellen trug, im Nacken gepackt und den Kopf des 15-Jährigen dann mehrmals gegen die Wand geschlagen.

Was genau am 3. September in der Wiesn-Wache passiert ist - auf diese Frage gibt es Mitte Januar erste offizielle Antworten. Dann wird die Staatsanwaltschaft Traunstein vermutlich Anklage gegen den ehemaligen Chef der Rosenheimer Polizeiinspektion erheben.

Seit Freitag hat der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer nun sämtliche Ermittlungsunterlagen vorliegen. Die zahnmedizinischen und gerichtsmedizinischen Gutachten aus München seien jetzt eingetroffen, erklärte Vordermayer gestern auf Anfrage unserer Zeitung. "Nun erhält der Verteidiger Akteneinsicht, ihm und dem Beschuldigten wird rechtliches Gehör gewährt", erklärte der Chef der Staatsanwaltschaft Traunstein weiter.

Der Bericht unserer Zeitung hatte vor zweieinhalb Monaten deutschlandweit für Aufregung gesorgt. Im Bayerischen Landtag entfachte sich eine hitzige Debatte, Innenminister Joachim Herrmann sicherte "lückenlose Aufklärung" zu und suspendierte den Inspektionsleiter.

Johannes B. Kerner wollte Mutter und Sohn sogar in seine Talkshow holen. Doch die Rosenheimerin hatte von Anfang an betont, dass sie das Unglück ihres Sohnes nicht zum Medien-Spektakel machen wollte, und das OVB vertrauensvoll darum gebeten, den 15-Jährigen herauszuhalten, den Namen nicht preiszugeben. So blockte unsere Zeitung gemeinsam mit ihrem Rechtsanwalt, Werner Tröger aus Rosenheim, auf ihren Wunsch hin alle Anfragen ab.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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