Vor dem Landgericht Traunstein

"Das wirst du morgen in der Zeitung lesen"

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Ein Bild vom Tatort
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Traunstein/Prien - Am zweiten Prozesstag gegen den mutmaßlichen Pistolenschützen wegen zweifachen Mordversuchs haben wichtige Zeugen ausgesagt. Schon Montag könnte das Urteil fallen:

UPDATE 16.50 Uhr

Anstatt des psychologischen Gutachters wurden in der Fortsetzung der Hauptverhandlung am Donnerstagnachmittag sieben weitere Zeugen angehört. Eine frühere Ex-­Freundin des Beschuldigten, die mit ihm zusammen ein gemeinsames Kind hat, machte als erstes Angaben vor Gericht. Sie beschrieb ihr Zusammenleben mit dem Beschuldigten und berichtete über seinen Alkohol­ und Cannabis-Kosum. Besonders in betrunkenem Zustand sei er dabei manchmal sehr ausfällig und aggressiv gewesen, erklärte die Zeugin. Sie gab weiter an, niemals mit ihrer Tochter die zweite Ex-­Freundin und Geschädigte des 39­-Jährigen in Prien besucht zu haben.

Auffälligkeiten oder Anzeichen in Bezug auf psychische Erkrankungen sollen der Zeugin während der Zeit ihrer Beziehung zum Beschuldigten nicht aufgefallen sein.

Ein Facharzt für Psychiatrie, der den Beschuldigten seit seiner Einlieferung ins Inn­Salzach- Klinikum betreut, gab in seiner Zeugenvernehmung einen Überblick über den bisherigen Aufenthalt auf der geschlossenen Abteilung. Sei der Beschuldigte bei dessen Aufnahme im Klinikum noch sehr introvertiert und depressiv gewesen, zeigten sich im späteren Verlauf neben dauerhaftem Misstrauen gegen das Pflegepersonal einzelne wahnhafte Gedanken, die paranoiden Tendenzen gleichzusetzen seien, so der Zeuge.

Ein weiterer Zeuge, der den Beschuldigten bereits seit knapp 20 Jahren kennt, gab an, den 39­-Jährigen am Tattag vor der Schießerei noch gesehen zu haben. Dem langjährigen Bekannten gegenüber habe der Beschuldigte verlauten lassen, gerade keine Zeit zu haben. Auf die Frage, was er vorhabe, soll der 39­-Jährige nur wenige Stunden vor der Tat gesagt haben: "Das wirst Du morgen dann schon in der Zeitung lesen".

Nach den Zeugen unterbrach der vorsitzende Richter Erich Fuchs die Verhandlung. Am Montag soll dann abschließend der psychologische Gutachter zu Wort kommen. Weitere Zeugenladungen sind nicht geplant, weshalb davon auszugehen ist, dass am dritten Verhandlungstag bereits die Plädoyers der Prozessbeteiligten folgen könnten. Ob es dann bereits zu einem Urteilsspruch kommen wird, bleibt unklar.

Die Verhandlung wird am 22. Dezember ab 9 Uhr fortgesetzt, sollte ein weiterer Prozesstag nötig werden, ist der 8. Januar 2015 bereits festgesetzt.

chiemgau24.de berichtet auch dann wieder aktuell aus dem Gerichtssaal in Traunstein.

UPDATE: 12.45 Uhr

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde die polizeiliche Aussage einer weiteren Zeugin im Fall des Priener Schützen verlesen. Sie selbst sei vom Beschuldigten mit der Waffe direkt bedroht worden, als sie sich in den Streit einmischen wollte. Aus Angst sei sie dann zurückgewichen und in das naheliegende Café gegangen, um Hilfe zu rufen. Die Schüsse habe die Zeugin lediglich gehört. Als sie sich dem Tatort wieder näherte, habe sie schon das männliche Opfer auf dem Boden liegen sehen. Nachdem die Zeugin dessen Kleidung nach oben gezogen hatte, habe sie die Schusswunde in der Brust entdeckt.

Im Folgenden berichtete der Physiker Dr. Simon Eichner vom Landeskriminalamt in München über sein Gutachten zur Tatwaffe und konnte so Angaben zum Tatgeschehen machen. Insgesamt vier Patronenhülsen, zwei Kugeln und mehrere Schmauchspuren wurden dazu ausgewertet. Der Gutachter konnte bestätigen, dass es beim weiblichen Opfer zu einem Streifschuss und beim männlichen Geschädigten zu einem Durchschuss der Kleidung gekommen ist. Die Schussentfernung beim männlichen Geschädigten gab der Gutachter mit 15 bis 25 Zentimetern an, beim weiblichen Opfer konnte Dr. Eichner keine Aussage treffen. Bei der verwendeten Munition könnten maximal bis zu einer Entfernung von 50 cm Angaben zur Entfernung über die auftretenden Schmauchspuren gemacht werden.

UPDATE: 11.20 Uhr

Vor den Aussagen weiterer Zeugen wurde eine SMS­ und WhatsApp-­Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer mit derben Beschuldigungen und Beleidigungen verlesen, die weit im Vorfeld der Tat stattgefunden hatten. Eine Zeugin bestätigte den derben Umgangston des Beschuldigten, sie selbst sei kurz vor den Vorgängen im Februar von dem Mann angesprochen und beleidigt worden. Bei der Streitigkeit selbst versuchte die Zeugin noch zu schlichten, bevor sie aus Angst um ihr eigenes Wohlergehen vom Beschuldigten abgelassen habe.

"Ich habe auch erkannt, dass ich körperlich keine Chance gegen ihn habe," erklärte die Zeugin weiter. Andere Zeugen beschreiben den Gesichtsausdruck des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt. Er wird durchgängig als sehr aggressiv und "voller Wut" beschrieben. Eine Zeugin schildert ihre Wahrnehmung seiner Mimik sehr emotional: "Er wollte sie am Boden sehen, einfach vernichten!"

Die beste Freundin der Geschädigten berichtete über den momentanen Zustand des Opfers. "Seitdem ist ihr Leben stehengeblieben", erklärte die Frau. Sie habe seit der Tat das Geschehen noch nicht verarbeiten können, isoliere sich stark von der Außenwelt. In Gesprächen versuche die Freundin immer wieder mit der Geschädigten das Trauma zu bewältigen, bisher ohne Erfolg.

Nach einer kurzen Pause sollen dann weitere Aussagen verlesen und weitere Zeugen vernommen werden. Bisher konnten bereits 13 Zeugen angehört werden.

UPDATE: Freitag, 10.10 Uhr

Zu Beginn der Hauptverhandlung gegen den 39-­jährigen Beschuldigten, der im Februar eine 31-­jährige Frau und einen 49­-jährigen Mann mit einer Waffen bedroht und auch angeschossen haben soll, machten zahlreiche Augenzeugen des Geschehens Angaben zum Tathergang und ihren Beobachtungen.

Ein Arzt, der das Geschehen aus einiger Entfernung beobachten konnte gab beispielsweise an, gesehen zu haben, dass der Beschuldigte die Geschädigte mit Gewalt an den Haaren gezogen und auch mit der Pistole in der Hand auf den Kopf geschlagen habe. Nach dem Tatgeschehen hat sich der Arzt dann zusammen mit einem weiteren Mediziner um den angeschossenen 49-­Jährigen gekümmert und die Erstversorgung übernommen.

Eine weitere Zeugin will im Laufe der Auseinandersetzung deutlich Morddrohungen des Beschuldigten gegen die geschädigte Frau gehört haben. Bevor sich die Zeugin im Zuge der ersten Schüsse selbst in Sicherheit gebracht habe, soll der Satz "Ich bring Dich um!" gefallen sein. Die Beweisaufnahme wird mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.

Der Vorbericht:

Bereits am ersten Prozesstag machten der Beschuldigte selbst, der ermittelnde Polizeibeamte, die Geschädigte, der angeschossene Zeuge und der Mann Aussagen vor Gericht, der den Angeklagten am Tattag entwaffnen konnte. Die Verhandlung unter dem Vorsitz von Erich Fuchs geht heute in die Fortsetzung.

Der erste Verhandlungstag in der Zusammenfassung

Der 39-jährige Beschuldigte machte am ersten Verhandlungstag jedoch nur Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen. Er gab weiter an, am Abend des Vorfalls im Zentrum von Prien insgesamt sechs Bier und zwei Wodka-Bull, zusammen mit einer geringen Menge Cannabis konsumiert zu haben. In der anschließenden Beweisaufnahme sagte zuerst der ermittelnde Beamte von der Polizei Angaben und bestätigte die Formulierungen der Anklageschrift. Demnach habe der Beschuldigte zuerst seine Ex-Freundin geschlagen und bedroht, bevor er dann auf sie und danach auf einen Zeugen geschossen habe.

Der 31-jährige Geschädigte und Ex-Freundin des Angeklagten fiel es deutlich schwerer, Aussagen vor Gericht zu treffen. Auf Nachfragen des vorsitzenden Richters Erich Fuchs brach die Frau in Tränen aus: "Ich denke jeden Tag daran, spiele es im Kopf durch. Jede freie Sekunde denke ich dran." Der 49-jährige Zeuge, der am Tatabend von zwei Kugeln an der Oberlippe und im Bereich des Oberkörpers verletzt worden war, gab ebenfalls an, seit den Vorfällen am 3. Februar mit psychischen Problemen zu kämpfen. Seinen Beruf als LKW-Fahrer habe er darüber hinaus als Folge der Tat verloren.

Zuletzt berichtet noch der Notarzt, der den 39-Jährigen entwaffnen konnte von den Vorgängen am Abend. Gleich nachdem er dem Angeklagten die Waffe entreißen, entladen und an einen Zeugen weitergeben konnte, hatte der Mann den angeschossenen 49-Jährigen versorgt. "Es ging mir nur um die Eigensicherung und darum, dass keiner zu schaden kommt."

Das wird dem Angeklagten zur Last gelegt

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Der psychisch kranke Mann soll im Februar diesen Jahres seiner Ex-Freundin mit einer Pistole aufgelauert haben, um sie zu bedrohen und ein Geständnis von ihr zu erzwingen. Der 39-Jährige, der laut Gutachten unter einer paranoiden Psychose leidet, habe eine Verschwörung zwischen seiner Ex-Freundin und der Mutter seiner Tochter vermutet. Um seine ehemalige Lebensgefährtin zur Rede zu stellen, habe er sich am Abend des 3. Februar eine geladene halbautomatische Pistole eingepackt, um sie vor ihrer Haustür abzufangen. Zudem soll er noch 38 weitere Patronen dabeigehabt haben.

Der Beschuldigte soll im späteren Tatverlauf zwei Schüsse auf seine Ex-Freundin abgefeuert haben, die sie beide verfehlten. Anschließend habe er sich umgedreht, um auf einen der Zeugen zu schießen. Der Geschädigte wurde von einem Streifschuss an der Oberlippe getroffen. Eine zweite Kugel durchschlug seinen Brustkorb. Er überlebte schwer verletzt. Einem Arzt, der gerade am Tatort vorbeifuhr, gelang es danach, den Schützen zu entwaffnen und festzuhalten.

Aus dem Archiv:

Schüsse auf Mann in Prien

Quelle: rosenheim24.de

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