FC-Iliria-Prozess:

Schiedsrichter-Prozess: Fällt morgen das Urteil?

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Beim ersten Prozesstag am Dienstag wurden insgesamt 25 Zeugen und ein Sachverständiger gehört.
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Rosenheim - Heute hat am Amtsgericht der Prozess über den Angriff auf einen Schiedsrichter bei einem Spiel des FC Iliria begonnen. Nach der interessanten Aussage eines Sachverständigen wurde die Verhandlung unterbrochen.

UPDATE 18.10 Uhr

Drei weitere Zeugenaussagen

Nach der Aussage des Sachverständigen Prof. Dr. Michael Ulbig aus München, der dem Opfer eine seltene, psychogene Blindheit attestierte, wurden noch drei weitere Zeugenaussagen gehört. Diese Zeugen konnten zu dem Tathergang keine Aussagen machen.

Sie waren sich jedoch einig, dass sie zum Tatzeitpunkt den Angeklagten K. nicht auf dem Spielfeld gesehen haben. Somit kann K. nach ihren Aussagen auch keinen Angriff vollzogen haben.

Auszug aus dem Bundeszentralregister

Nach insgesamt 25 Zeugenaussagen und der Aussage des Sachverständigen, verlas der Richter zum Ende des heutigen Prozesstages noch die Bundeszentralregister-Auszüge der Angeklagten K. und M.

Für M. liegen dabei keine Einträge vor. Ganz im Gegensatz dazu der Auszug des Angeklagten K.: Dieser hat insgesamt sechs Einträge im Zentralregister unter anderem wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Körperverletzung.

Danach hat der Richter die Hauptverhandlung für heute unterbrochen. Der Prozess wird morgen ab 14 Uhr im Großen Sitzungssaal fortgesetzt, dann werden die Plädoyers gehalten. Nach diesen sollte es zügig zu einem Urteil kommen.

Ein Reporter von rosenheim24 ist auch morgen ab 14 Uhr vor Ort und wird über den weiteren Verlauf des Prozesses berichten.

UPDATE 16.55 Uhr

Die Aussage des Augenspezialisten

Nach 17 Zeugen kam der Sachverständige Prof. Dr. Michael Ulbig aus München zu Wort - und der Augenspezialist hatte höchst Interessantes zu berichten: "Hier liegt eine sehr seltene, psychogene Blindheit vor!"

Aufgrund seiner Untersuchungen konnte Prof. Ulbig feststellen, dass es im Augenbereich des Opfers zwar Prellungen gegeben hatte, diese hätten aber keine bleibenden Schäden zur Folge gehabt. Der Sachverständige geht von einer psychischen Seestörung aufgrund eines seelischen Traumas  aus.

Bei zahlreichen Untersuchungen sei zwar eine leichte Linsentrübung festgestellt worden, diese würde für die vom Patienten beschriebene Seestörung aber nicht ausreichen. Weiter hätten die Tests ergeben, dass am Auge des Opfers keine physiologischen Einschränkungen vorliegen würden.

"Der Patient hat aber selbst den Eindruck, dass er nichts sieht", so Prof. Ulbig, der Patient sei auch kein Simulant. Die Seestärke könne man laut Ulbig wieder herstellen, dies aber nur mit Hilfe von Psychotherapie.

Weitere Zeugenaussagen

Im Anschluss an die Ausführungen des Augenexperten kamen nochmals fünf weitere Zeugen zu Wort: Während vier Iliria-Spieler keine Angaben zu den Schlägen machen konnten, will ein ESV-Spieler den Schlag des Angeklagten M. gesehen haben.

Urteil am Mittwoch

Im Laufe des Dienstagnachmittags sollen noch vier weitere Zeugen gehört werden. Der Prozess wird dann am Mittwochnachmittag um 14 Uhr fortgesetzt. Demnach sollen dann die Plädoyers gehalten und die Urteile gefällt werden.

rosenheim24.de ist weiter vor Ort!

UPDATE 14.40 Uhr

Das Gericht hat bereits 17 Zeugen gehört und wird nach einer kurzen Pause noch weitere Aussagen aufnehmen. Unter den Zeugen, die bisher ihre Aussage gemacht haben, waren Spieler beider Mannschaften und auch ein Zuschauer. Keiner der Zeugen hat tatsächlich gesehen, wie der Angeklagte M. den Schiedsrichter geschlagen hat, was ihm vorgeworfen wird. Sie alle bestätigen aber, dass er auf den Unparteiischen zugestürmt ist.

In einem wichtigen Punkt herrschte bei den Aussagen Uneinigkeit: Den Angeklagten K. hat keiner der Spieler auf dem Platz gesehen. Er sei bereits in der Kabine gewesen, als es zu dem Handgemenge kam. Der Zuschauer, der als Zuge geladen war, erinnert sich jedoch, dass er den Angeklagten K. zum fraglichen Zeitpunkt anhand seiner Rückennummer auf dem Platz erkannt hat.

Insgesamt sollen am Dienstag über 30 Zeugen erscheinen. Der Verhandlungstag wird sich daher noch bis in die Abendstunden hinziehen. Der zweite Verhandlungstag wird am Mittwoch, 9. April, um 14 Uhr beginnen.

Ein Reporter von rosenheim24 ist weiterhin vor Ort und wird über den weiteren Verlauf des ersten Verhandlungstags berichten.

UPDATE 12.45 Uhr

Am Dienstag fand unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber der Prozessauftakt gegen drei Spieler des FC Iliria wegen gefährlicher Körperverletzung statt. Angeklagt wurden drei gebürtige Kosovaren, die beim Spiel gegen den ESV Rosenheim im Jahr 2012 den Schiedsrichter und den Trainer der gegnerischen Mannschaft angegriffen haben sollen.

Bereits zu Beginn der Verhandlung gestand einer der Angeklagten, ein 25-jähriger Maschinenführer, den Angriff auf den Trainer des ESV Rosenheim. Bei dem Tritt in dessen Bauch zog sich der Coach des ESV eine Rippenprellung und eine Leberprellung mit erheblichen Schmerzen zu. Der Angeklagte entschuldigte sich in aller Form beim geschädigten Trainer und erkannte im weiteren Verlauf der Verhandlung einen Vergleich an. Er verpflichtete sich darin, dem Geschädigten eine Summe von insgesamt 2000 Euro in monatlichen Raten als Schmerzensgeld zu zahlen. Eine persönliche Entschuldigung wurde vom Geschädigten akzeptiert. Das Verfahren gegen den 25-Jährigen wurde daraufhin vom Hauptverfahren abgetrennt und gesondert zu Ende gebracht.

Schnelles Urteil gegen ersten Angeklagten

Die Staatsanwaltschaft rechnete dem Angeklagten B. seine Reue, den geschlossenen Vergleich und dessen Geständnis positiv in der Strafzumessung an. Trotzdem forderte sie eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung aufgrund seiner einschlägiger Vorstrafen. Der Verteidiger hingegen forderte für die gefährliche Körperverletzung eine Strafe von sieben Monaten auf Bewährung für seinen Mandanten. Dieser sei bereits hart getroffen von seiner Sperrung durch den Bayerischen Fussballverband. Die Stimmung wäre zudem sehr aufgeheizt gewesen, was zu einer intensiven Gruppendynamik geführt habe.

Der Angeklagte B. wurde daraufhin zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Laut Richter Loeber spreche vor allem der geschlossene Vergleich für den 25-Jährigen, der sozial integriert eine gute Prognose aufzeige.

Weitere Angeklagte streiten Vorwürfe ab

Die beiden anderen Angeklagten, ein 37-jähriger und ein 25-jähriger Kosovare machten am Anfang des Verfahrens Angaben zur Sache. Der 37-jährige M. gab in seiner Stellungnahme an, den Schiedsrichter der Partie lediglich geschubst und nicht geschlagen zu haben. Weiter könne er keine ergänzenden Angaben zur Sache machen. Nachdem er den Schidesrichter "im Gesicht geschubst" habe, sei er vom Spielfeld gegangen, um sich um sein Kind auf der Tribüne zu kümmern.

Der zweite Angeklagte, der 25-jährige Arbeiter K., ließ eine Erklärung über seinen Anwalt verlesen. Er ließ darin verlauten, dass er bereits in der 75. Minute mit einer gelb-roten Karte vom Platz gestellt wurde. Er soll sich daraufhin in die Kabine begeben haben und bis zum Spielende dort geblieben sein. Vom Angriff auf den Schiedsrichter will er nichts mitbekommen haben.

Schiedsrichter erlitt schwere Verletzungen

Nach den Angaben der Angeklagten machte der geschädigte Schiedsrichter seine Aussage vor Gericht. Er berichtete von den Vorgängen im Spiel der beiden Mannschaften und wie es aus seiner Sicht zu den Schlägen gekommen sei. Bereits in der ersten Halbzeit, nach mehreren gelben Karten, soll das Spiel zunehmend hektischer und aggressiver geworden sein, so der Geschädigte. Aufgrund der vielen Spielverzögerungen entschied der Schiedsrichter beim Spielstand von 2:1 für den FC Iliria in der 90. Minute auf eine Nachspielzeit von vier Minuten. Kurz darauf kam es zu einem Foulspiel an der Strafraumgrenze des FC. Der daraus resultierende Freistoß führte zum Ausgleich des Spiels zum Endstand von 2:2.

Kurz nach dem Abpfiff soll sich dann eine Menschentraube um den Schiri gebildet haben, der Angeklagte M. soll auf den Schiedsrichter zugestürmt sein und ihn mit zwei Faustschlägen im Gesicht verletzt haben. Der Geschädigte sei sich zu 100 Prozent sicher, dass die Schläge dabei vom Angeklagten geführt wurden. Diese Aussage wurde auch vom Trainer des ESV, der im Nachgang des Tumultes verletzt worden war, bestätigt. Ein weiterer Zeuge, ein Zuschauer und zugleich Gründungsmitglied des FC Iliria gab an, nicht mit Gewissheit sagen zu können, ob der Angeklagte M. mit der Faust oder der flachen Hand zugeschlagen habe. Dass er jedoch auf den Schiedsrichter zugestürmt sei, darüber sei er sich sicher. In Bezug auf den zweiten Angeklagten, den 25-jährigen K. und dessen Beteiligung an dem Handgemenge konnten die beiden ersten Zeugen nur vage Aussagen machen.

Der Trainer des ESV Rosenheim konnte nicht bestätigen, ob der Angeklagte K. zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Spielfeld gewesen sei. Der zweite Zeuge  hingegen sagte aus, dass ihm K. am Ende des Spiels "frisch geduscht" aus der Kabine entgegenkam.

Folgen für den Geschädigten

Die Sehfähigkeit des Geschädigten habe sich auf dem linken Auge mittlerweile so sehr verschlechtert, dass man von einer "funktionellen Einäugigkeit" ausgehen müsse, so der Vertreter der Nebenklage. Weiter zog sich der Schiedrichter einen Kieferbruch und eine Zerfetzung des Trommelfells auf der linken Seite zu. Im Nachgang des Fußballspiels sei der Schiedsrichter zudem massiv bedroht worden, teilweise sogar in schriftlicher Form. Diese Bedrohungen führten zu psychischen Beschwerden wie Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen. Der Geschädigte befinde sich seitdem in therapeutischer Behandlung.

Nach der Mittagspause werden weitere Zeugen zum Fall gehört, rosenheim24 ist weiter bei der Verhandlung vor Ort.

Vorbericht zum Prozess

Nach einer Schiedsrichter-Entscheidung griffen Spieler des FC Iliria den Unparteiischen der Begegnung im Oktober 2012 tätlich an. Der Schiri erlitt durch Schläge ins Gesicht Verletzungen an Zähnen und Augen. Eine weitere Person, die dem Kampfrichter zu Hilfe kommen wollte, wurde durch einen Tritt in den Bauch verletzt.

Am Dienstag kommt es vor dem Amtsgericht in Rosenheim zum Prozessauftakt. Drei Personen sind wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Verhandlung ist auf zwei Prozesstage angesetzt, bereits am Donnerstag könnte in diesem Fall das Urteil ergehen.

Das Spiel und dessen Folgen

Lesen Sie dazu:

Am Mittwoch, den 3. Oktober 2012, kam es in der Fußball A-Klasse zum Derby des FC Iliria gegen den ESV Rosenheim. Nach einem zunächst ruhigen Verlauf wurde die Partie zunehmend härter und aggressiver. Im Laufe der Partie wurden zwei gelb-rote Karten gegen Iliria-Spieler ausgesprochen. Kurz vor Schluss stand es im Spiel 2:1 gegen den ESV Rosenheim. Aufgrund der vielen Unterbrechungen entschied sich der Schiedsrichter für eine Nachspielzeit von vier Minuten. In der 94. Minuten entschied der Unparteiische nach einem Foul an der Strafraumgrenze auf Freistoß. Der ESV konnte diesen verwandeln und glich damit zum 2:2 Endstand aus.

Im Folgenden sollen sich die Spieler des FC Iliria um den Schiedrichter gedrängt haben. Auch von der Ersatzbank stürmten die Spieler auf das Feld und sollen den Leiter der Partie geschubst und mehrfach ins Gesicht geschlagen haben, solange bis der Unparteiische bewusstlos zusammengebrochen ist. Der Trainer des ESV Rosenheim wurde in diesem Handgemenge durch einen Tritt in den Bauch ebenfalls verletzt. In der Polizeimeldung zum Vorfall heißt es weiter: "Der Schiedsrichter erlitt im Kopfbereich schwere Verletzungen, musste in eine Münchener Augenklinik aufgenommen und operiert werden. Der Angriff war so schwer, dass mit bleibenden Schäden zu rechnen ist. Der Trainer des ESV kam mit Verletzungen im Bauchraum ebenfalls in ein Krankenhaus." Der Trainer musste noch geraume Zeit nach dem Angriff wegen Magenblutungen im Romed-Klinikum behandelt werden.

Quelle: rosenheim24.de

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