Prozess um tödlichen Unfall auf Miesbacher Straße in Rosenheim

Polizist: "BMW-Insassen standen gemeinsam abseits vom Unfallort"

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Die beiden Angeklagten, links: Rechtsanwalt Baron von Koskull, rechts: Rechtsanwalt Stephan Rochlitz
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Rosenheim - Am Donnerstag wurde der Prozess wegen des tödlichen Unfalls auf der Miesbacher Straße fortgesetzt. Weitere Zeugen, darunter auch Polizeibeamte, sind dabei zu Wort gekommen.

UPDATE, 15.40 Uhr - Polizisten sagen als Zeugen aus

Am Nachmittag hat ein Polizist ausgesagt. Die Situation am Unfallort beschreibt der Beamte vor Gericht als sehr unangenehm. "Ein metallischer Geruch lag in der Luft. Die Ersthelfer waren schon vor Ort." Ein Kollege sagt aus, dass zu Beginn alles sehr unübersichtlich an der Unfallstelle gewesen sei. "Klar war, dass es einen Frontalzusammenstoß zwischen einem Nissan Micra und einem Golf GTI gegeben hat." Die Insassen der BMW haben bei seinem Eintreffen gemeinsam abseits vom Unfallort gestanden. Er habe dann auch den Beifahrer des hinteren BMW vernommen. "Er war bei der Vernehmung im Gegensatz zu den anderen deutlich mitgenommen.

Ein weiterer Polizist, der den Golf-Fahrer auf der Intensivstation besuchte und Habseligkeiten an dessen Schwester aushändigte, äußert sich zu einem Aktenvermerk. Die Verfassung des Angeklagten sei zu diesem Zeitpunkt relativ schlecht gewesen, er habe sich aber zu dem Vorfall noch einmal äußern wollen.

Die Verhandlung wird nun unterbrochen und am 3. Mai um 9 Uhr fortgesetzt. Dann soll es auch unter anderem um die WhatsApp Nachrichten gehen.

UPDATE, 12.35 Uhr - Zeugenaussage des Beifahrers

Als nächster Zeuge wird der Beifahrer des angeklagten BMW-Fahrers vernommen. Er habe sich mit dem Angeklagten am Kolbermoorer Mc Donald's getroffen. „Wir haben uns einfach so dort getroffen, ein paar Leute haben was gegessen.“ Ob er dort mit seinem eigenen Auto gewesen sei oder abgeholt wurde, wisse er nicht mehr. 

Dann sei man herumgefahren und habe sich beim Weko mit anderen Bekannten treffen wollen. „Da waren dann die nicht da, deswegen wollten wir wieder zurück zum Mc Donald's.“ Warum sie sich gerade beim Weko treffen wollten, will der vorsitzende Richter wissen. „Weil da Parkplätze sind, die frei sind." Den roten Golf habe er an der Netto-Kreuzung das erste Mal bemerkt. An ein weiteres dunkles Fahrzeug könne er sich an dieser Ampel noch erinnern. „Ich glaube es war ein 1er BMW, kann es aber nicht hundertprozentig sagen.“ 

Doch ausreichend Platz für Überholmanöver?

Ungefähr am Ortsausgangsschild habe der Angeklagte, bei dem er im Auto saß, dann das rote Fahrzeug überholt. Er habe dann noch gesehen, dass ein weiterer Bekannter, der hinter ihnen gefahren sei, auch überholt habe. M an sei weiter gefahren und nach der Kurve in der Miesbacher Straße habe er dann bemerkt, dass ein Auto hinter ihnen überholt. Dieses sei dann an dem hinteren BMW vorbeigefahren. 

„Ich habe nur bemerkt, dass ein relativ großer Abstand zwischen den beiden Autos gewesen ist. Bestimmt mehr als zwei Autolängen.“ Als er und der Fahrer den Überholvorgang bemerkt hatten, seien sie mit gleichbleibender Geschwindigkeit weitergefahren. „Ich habe gesehen, dass das überholende Auto auf der linken Spur geblieben ist und nicht eingeschert hat, obwohl genug Platz gewesen ist. Dann habe ich das entgegenkommende Auto bemerkt.“ 

Der angeklagte Golf-Fahrer schüttelt während den Aussagen des Zeugen immer wieder verneinend den Kopf. „Diesmal haben wir wirklich kein Rennen gemacht“, mit dieser WhatsApp-Nachricht, die er nach dem Unfall schickte, konfrontiert der Richter den Zeugen. Daran könne er sich nicht mehr erinnern, er wisse nicht mehr, warum er das geschrieben habe. Es geht wieder um den Überholvorgang. Seine Aussagen darüber sind sehr widersprüchlich, viel wisse er nach eigenen Angaben auch einfach nicht mehr genau.

UPDATE, Donnerstag, 11 Uhr:

Das Interesse am Prozess ist nach wie vor ungebrochen hoch. Es mussten auch am Donnerstag einige Zuschauer abgewiesen werden. Eine für diesen Tag geladene Zeugin ist erkrankt und wird am 3. Mai gehört. Zu Beginn des Prozesstages werden dem angeklagten Golf-Fahrer Bilder von einigen Aral Tankstellen vorgelegt, anhand derer er die Tankstelle, an der er vor dem Unfall gestoppt hatte, identifizieren soll. 

Die Frage nach dem Abstand zwischen den beiden BMW während des Überholvorgans kommt noch einmal auf. Der Golf-Fahrer sagt aus, dass die Lücke zum einscheren aus seiner Sicht zu klein gewesen sei. Der Abstand habe immer mal wieder geschwankt, sei aber nie über eine Autolänge hinaus gegangen.

Nun sagt die 41-jährige Beifahrerin des angeklagten Golf-Fahrers aus. Sie habe ihn im Internet über das Hobby "Auto" kennengelernt. Am Unfalltag haben sich die beiden dann schließlich getroffen, erst ihre Autos angesehen, der Angeklagte habe dann noch an ihrem Fahrzeug das Licht repariert und dann sei man gemeinsam mit seinem Auto zum Essen gefahren. Danach habe ihr Licht wieder nicht funktioniert, weswegen sie ihr Auto umgeparkt hätten und dann gemeinsam zu einer Aral Tankstelle gefahren seien.

"Ständig am Handy hantiert"

Auch sie wisse noch, dass sie auf dem Weg zurück zu ihrem Auto von zwei BMW überholt wurden. Sie habe aber nicht das Gefühl gehabt, diese hätten sie provoziert. „Wir haben uns dann verfahren, dann hat er ständig mit dem Handy hantiert wegen dem Navi.“ Der Golf-Fahrer sei laut Zeugin die ganze Zeit über aber normal gefahren, das einzig Negative, das ihr an seinem Fahrstil aufgefallen sei, war, dass er immer mit dem Handy hantiert habe.

Die BMW seien dann irgendwann wieder vor ihnen gewesen. „Auf einmal hat er dann ausgeschert und zum Überholen angesetzt. Dann habe ich nur noch Lichter gesehen und bin dann nach dem Unfall wieder aufgewacht. Er war nicht mehr neben mir im Auto, ich dachte er wäre herausgeschleudert worden, bis ich ihn dann draußen mit einer anderen Frau gesehen habe. Zu mir ist er nicht gekommen.“ Bis heute habe sie vom Angeklagten keine Entschuldigung erhalten, nichts von ihm gehört. 

Der angeklagte 25-Jährige bricht während der Aussage der Zeugin wieder in Tränen aus, schüttelt aber bei einigen Aussagen verständnislos den Kopf. Auf welcher Höhe der beiden BMW sich der Golf beim Zusammnstoß befunden habe, könne die Beifahrerin nicht mehr genau sagen. Die Zeugin ist immer noch nicht arbeitsfähig. „Psychisch geht’s mir auch nicht gut.“ Sie habe diverse Brüche und auch innere Verletzungen von dem Unfall davon getragen. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters möchte die Zeugin, dass der Angeklagte bestraft wird und stellt damit Strafantrag.

Vorbericht:

Bei einem schweren Unfall in der Miesbacher Straße im November 2016 starben zwei junge Frauen im Alter von 21 und 15 Jahren. Das Fahrzeug, das mit drei jungen Frauen besetzt war, mit einem entgegenkommenden Pkw zusammen.Zwei Männer wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Im Oktober 2017 begann der Prozess gegen einen der beiden jungen Männer, der wegen gesundheitlichen Problemen des mutmaßlichen Unfallverursachers unterbrochen werden musste. 

Zeugen vermuten illegales Autorennen

Am Dienstag wurde die Verhandlung fortgesetzt. Im Raum stand immer noch der Vorwurf eines illegalen Autorennens, der sich durch die Aussagen einiger Zeugen erhärtete. „Es war als hätten die sich gejagt", oder „Ich habe mir gedacht, die werden da jetzt ein Rennen fahren", lauteten einige Aussagen.

Der 24-jährige BMW-Fahrer, gegen den erneut wegen eines Anfangsverdachts auf Teilnahme an einem illegalen Straßenrennen in Rosenheim in der Nacht auf 4. April ermittelt wird, schwieg wie auch schon bei den ersten Prozesstagen zu den Vorwürfen. Folgt man der Argumentation der Staatsanwaltschaft, trage er eine Mitschuld an den Vorkommnissen: Er habe die Gefahr zwar erkannt, sein Fahrzeug aber nicht abgebremst. Dadurch habe er dem Überholenden nicht die Möglichkeit geboten, sich gefahrlos auf dem rechten Streifen einzuordnen. 

Unfallfahrer: "Ich wollte nur noch bremsen"

Die Augen richteten sich am Dienstag vor allem auf den 25-Jährigen Fahrer des Wagens, der mit dem Auto der drei Mädchen zusammengestoßen war. Der Mann aus Ulm war während der ersten Prozesstage nicht verhandlungsfähig. Auch am Dienstag war er sichtlich mitgenommen und brach im Gerichtssaal immer wieder in Tränen aus

Sein Verteidiger verlas zu Beginn eine Einlassung des Angeklagten, demnach sein Mandant zur Aufklärung des Falles beitragen wolle und seine Schuld einsehe. Er bat die Angehörigen um Entschuldigung. Auf die beiden BMW sei er das erste Mal aufmerksam geworden, als er von diesen überholt wurde. Nachdem er nach einigen 100 Metern auf die beiden dunklen, getunten Fahrzeuge aufgeschlossen habe, habe er selbst zum Überholen des ersten Fahrzeugs angesetzt. „Dort war die Lücke zum Einscheren zwischen den beiden BMW aber zu klein“, so dessen Anwalt. Es kam zum Frontalzusammenstoß. "Ich wollte nur noch bremsen und versuchen auszuweichen, aber es ist mir nicht gelungen."

**Wir werden wieder von vor Ort berichten**

Weitere Prozesstage:

- Donnerstag, 03.05.2018, 9.00 Uhr 

- Dienstag, 08.05.2018, 9.00 Uhr

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Quelle: rosenheim24.de

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