Krankenschwester mit Pistole bedroht

Prozess: Liebespaar trotz Körperverletzung 

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Wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beleidigung wurde am Amtsgericht in Altötting verhandelt.
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Altötting - Im Prozess gegen einen Burgkirchner, der Anfang 2014 seine Freundin geschlagen haben soll, erging am Donnerstag das Urteil. Trotz der Tat hält die Geschädigte weiter zu ihm.

Am Donnerstag wurde der Prozess gegen einen 22-jährigen Burgkirchner vor dem Amtsgericht in Altötting verhandelt. Der in Kasachstan geborene Chemie-Helfer mit deutschem Pass soll im Januar 2014 seine Freundin mehrfach geschlagen, mit einer Pistole bedroht und bei seiner Festnahme die Polizeibeamten massiv beleidigt haben.

Gleich zu Anfang der Verhandlung, nach der Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwalt Robert Schnabl, befragte der vorsitzende Richter Hammerdinger den Angeklagten zu den Vorgängen am Tatabend. Der Angeklagte gab dabei an, sich nicht an alles, was an dem Abend im Schwesternwohnheim des Klinikums in Altötting passiert ist,  zu erinnern. Für sein lückenhaftes Erinnerungsvermögen führte er den Grund an, dass er sich zuvor mit einem Bekannten aus Frust über das Verhalten seiner Freundin so stark betrunken hätte, dass es im weiteren Verlauf der Nacht zu sogenannten "Blackouts" gekommen sei. Nach der Festnahme durch Beamte der PI Altötting und Burghausen ergab eine durchgeführte Blutalkoholprobe einen Wert von 1,5 Promille. Dies lasse auf einen Wert von knapp 2 Promille zum Tatzeitpunkt schließen, so Richter Hammerdinger.

Einen Großteil der ihm vorgeworfenen Handlungen gab der junge Burgkirchner dann doch mit den Worten "das wird wohl so gewesen sein" zu, ein den Einsatz einer Pistole konnte er sich jedoch auf mehrmalige Nachfrage nicht erinnern. Als Grund für seinen Frust am Tatabend gab der Angeklagte an, nicht mit dem Verhalten seiner Freundin einverstanden gewesen zu sein. Obwohl die 22-jährige Krankenschwester zum Tatzeitpunkt bereits schwanger gewesen war, habe sie weiter Diskotheken besucht und dort Alkohol getrunken, so der Angeklagte. Zudem spielte bei ihrer Abwesenheit auch Eifersucht eine große Rolle, so der Beschuldigte. An seine Festnahme konnte sich der Angeklagte nur noch bruchstückhaft erinnern, die getätigten Beleidigungen räumte er jedoch ein.

Zur Beziehung zu seiner damaligen Freundin gab der Mann an, dass man sich bereits vor der Tat gelegentlich geschlagen hatte. Nach einer kurzen Beziehungspause sei man mittlerweile wieder ein Paar.

Aussage der Freundin und Geschädigten

Nach dem Angeklagten berichtete die Geschädigte und Freundin des Burgkirchners von den Ereignissen des Abends. Vor der Tat habe sie sich mit einer Freundin in einer Diskothek in Burghausen aufgehalten als sie telefonisch von ihrem Freund die Anweisung erhielt, sofort ins Wohnheim zu kommen. Dort angekommen, habe sie ihn zusammen mit einem Kumpel in sehr betrunkenem Zustand in ihrem Zimmer vorgefunden. Er habe sie aufgefordert, sich hinzusetzen. Als sie dem nicht nachkam, habe er "mit einer Waffe herumgefuchtelt" und sie damit auf den Hinterkopf geschlagen. Dabei habe sie Todesangst gehabt, sie habe ihren "Freund noch nie so aggressiv erlebt." Als sie danach den Raum verlassen wollte, sei er "vollkommen ausgeflippt". Sie soll weiter mit der flachen Hand und der Faust geschlagen worden sein. Als ihr kurze Zeit später die Flucht aus der Wohnung gelang, habe er sie verfolgt und im Gang zu Boden geworfen. Erst als ein unbeteiligter Arzt auf das Geschehen aufmerksam wurde, habe er von ihr abgelassen und sie konnte die Polizei verständigen.

Bei der Auseinandersetzung zog sich die 22-jährige Krankenschwester eine Schädelkontusion und einen Nasenbeinbruch zu. Zudem wurde ihr bei der Rangelei ein Eckzahn ausgeschlagen. Des weiteren gab die Zeugin an, dass ihr Freund bereits früher im nüchternen aber auch alkoholisierten Zustand handgreiflich geworden war. Ein paar Tage nach der Tat habe sie wieder Kontakt zum Angeklagten gesucht und sich mit ihm ausgesprochen. Mittlerweile seien sie wieder ein Paar und hätten sich darauf verständigt, dass er die Kosten in Höhe von 2.000 Euro für die Zahnbehandlung übernehme. Er soll ihr auch versprochen haben, die Finger vom Alkohol zu lassen, so die Krankenschwester. Seit der Tat im Januar halte er sich auch an seine Versprechungen.

Beamte äußern sich zu den Beleidigungen

Im Folgenden berichteten zwei Polizeibeamte von der Festnahme des Angeklagten. Sie schilderten das Verhalten des 22-jährigen Angeklagten am Tatabend als "sehr aggressiv", beleidigend aber trotzdem klar und sortiert. Insgesamt sechs Beamte der Polizeiinspektionen Altötting und Burghausen waren an der Festnahme beteiligt, vier von ihnen stellten schließlich Strafantrag wegen Beleidigung. Neben den Bezeichnungen "Bastarde" und "korrupte Bullenschweine" soll der Angeklagte die Polizisten auch zum Oralverkehr aufgefordert haben. Nach den Aussagen der Polizisten, hatte sich der Angeklagte bei den Beamten persönlich entschuldigt.

Die Plädoyers der Verfahrensbeteiligten

Die Staatsanwaltschaft sah die gegen den Angeklagten erhobenen Vorwürfe als bestätigt an, habe der Angeklagte selbst doch die Anklagesatz weitgehend eingeräumt. Die zum Tatzeitpunkt bestandene Alkoholisierung reiche aber aus Sicht der Anklage jedoch nicht aus, um eine verminderte Schuldfähigkeit geltend zu machen, zumal eine gewisse Gewöhnung ebenfalls bereits vorlag, so Robert Schnabl. Aufgrund einer einschlägigen Vorstrafe wegen Körperverletzung forderte der Staatsanwalt für die beiden Tatkomplexe der Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Beleidigung eine Gesamtfreiheitsstrafe von 12 Monaten. Aufgrund des verbesserten Betragens, das von der Geschädigten bestätigt wurde, könne die Strafe jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden.

Der Verteidiger des Angeklagten schloss sich weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Er wies jedoch noch einmal ausdrücklich auf den nicht unerheblichen Blutalkoholwert zum Tatzeitpunkt hin. Zudem "könne eine günstige Sozialprognose deutlicher nicht sein", so der Anwalt, das Einhalten der Versprechungen gegenüber der Geschädigten und die Tatsache, dass die Krankenschwester ihrem Freund vergeben hatte, sprächen für sich. Mit einem kurzen "es tut mir leid" seitens des Angeklagten wurde die Hauptverhandlung kurz unterbrochen.

Das Urteil

Richter Hammerdinger verurteilte den angeklagten Burgkirchner am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten zur Bewährung. Zusätzlich wurde dem Helfer in der Chemie-Industrie zur Auflage gemacht, 1.200 Euro an eine gemeinnützige Vereinigung zu zahlen. Als Begründung für seine Entscheidung führte Richter Hammerdinger hauptsächlich den Einsatz der Waffe als negativen Punkt an. Zudem war dem Angeklagten zum Tatzeitpunkt durchaus bewusst, dass seine schwanger gewesen ist. Die Verletzungsmuster ließen zudem auf weit mehr als leichte Gewaltanwendung schließen. Nur die wohlwollenden Aussagen der Freundin und die Tatsache, dass es sich in diesem Fall um die erste Freiheitsstrafe des Verurteilten handelte, ließen den Richter von einer Strafe ohne Bewährung absehen.

Quelle: innsalzach24.de

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