Prozess: Tod durch Hammer und Messer

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Würzburg - In Nacht zu Heiligabend geht ein Rentner mit Messer und Hammer auf seine im Ehebett liegende Frau los. Minutenlang sticht und schlägt er auf sie ein. Die Staatsanwaltschaft will ihn zehn Jahre hinter Gittern wissen.

Im Mordprozess gegen einen Rentner aus Unterfranken hat der Staatsanwalt am Donnerstag vor dem Landgericht Würzburg mehr als zehn Jahre Haft für den Angeklagten gefordert. Der Mann soll seine Frau in der Nacht zu Heiligabend 2010 mit mehreren Messerstichen und Hammerschlägen getötet haben. Da die Merkmale der Heimtücke und der Grausamkeit nicht eindeutig erkennbar seien, könne der 72-Jährige nur wegen Totschlags verurteilt werden, sagte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen in seinem Plädoyer. Er forderte zehn Jahre und sechs Monate Haft. Der Verteidiger Jan Paulsen hielt acht Jahre Gefängnis für angemessen. Das Urteil will der Richter an diesem Freitag verkünden.

Nach den Plädoyers hatte der Angeklagte das Wort: „Ich weiß, dass das, was ich getan habe, mit nichts zu rechtfertigen ist und es tut mir auch leid“, sagte der schwer kranke Mann aus Reichenberg (Landkreis Würzburg). Er hatte die Tat bereits am ersten Prozesstag gestanden. Zum Motiv äußerte er sich vor Gericht nicht.

Der Angeklagte soll das Opfer mitten in der Nacht mit einem Messer angegriffen haben. Anhand von Abwehrspuren an den Händen der Toten gelte als sicher, dass sich die 78-Jährige gewehrt hat, sagte ein Rechtsmediziner am Donnerstag. Seiner Überzeugung nach dauerte der blutige Angriff „mehrere Minuten“. Die Frau sei am Ende aufgrund der Schläge gestorben. Mehr als 20 Mal soll der 72-Jährige mit einem Hammer auf ihren Kopf geschlagen haben. Fast genauso oft stach er den Angaben zufolge zuvor auf Gesicht und Hals ein.

Heimkind, alkoholsüchtig, fast zwei Jahrzehnte obdachlos - der Mann hat eigenen Angaben zufolge ein hartes Leben hinter sich. Im Heim und auf der Straße sei er von verschiedenen Frauen immer wieder sexuell missbraucht worden. „Es ist extrem schwierig, die Grenze zu ziehen zwischen dem was tatsächlich und was nur in seinem Kopf passiert ist“, kommentierte der Verteidiger Paulsen diese Schilderungen in seinem Plädoyer.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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