Kirche distanziert sich klar von "Seher" Caputa

Weiter Streit um Marienerscheinung in Unterflossing

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Die Erzdiözese München und Freising hat sich nun klar von Salvatore Caputa (Mitte) distanziert.
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Polling/Unterflossing - Am 17. März soll die Gottesmutter Maria laut dem "Seher" Salvatore Caputa wieder in Unterflossing erscheinen. Doch die katholische Kirche hat sich im Vorfeld nun klar von ihm distanziert.

Das Erzbistum München und Freising distanziert sich in einer Pressemitteilung von angeblichen Marienerscheinungen in Walpertskirchen im Landkreis Erding und Unterflossing. Salvatore Caputa, der behauptet, ein Seher zu sein, gibt vor, dass ihm dort die Gottesmutter erschienen sei beziehungsweise zu ihm vorab bekannten Terminen erscheine. "Um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, dass es sich bei den angeblichen Erscheinungen um kirchlich anerkannte Vorgänge handele, verbietet das Erzbistum allen Klerikern, auf dem Gebiet der Erzdiözese in zeitlichem oder örtlichem Zusammenhang mit den Auftritten Caputas Gottesdienste zu leiten sowie als Kleriker erkennbar an Gottesdiensten oder Versammlungen teilzunehmen.", stellt das Bistum klar. Caputa dürfen keine kirchlichen Räume, Liegenschaften oder Infrastruktur zur Verfügung gestellt oder sonstige Arten der Unterstützung gewährt werden. 

Seit 2015 tritt Salvatore Caputa als sogenannter Seher mit angeblichen Marienerscheinungen in der Erzdiözese München und Freising auf, zunächst in Walpertskirchen, seit Frühjahr 2017 in Unterflossing. Diese Vorgänge wurden seitens des Erzbistums geprüft unter Zuhilfenahme eines eigens angefertigten Gutachtens des Lehrstuhls für Dogmatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein Vertreter der Kirche war am 9. September des vergangenen Jahres im Ortsteil Unterflossing der Gemeinde Polling dabei gewesen, als die heilige Maria herbeigerufen wurde. Hunderte Interessierte waren erschienen, um dabei zu sein. "Es tat sich so an sich nichts, was man auf Foto oder Video hätte bannen können", so das Fazit unseres Reporters vor Ort damals. Der Seher Salvatore Caputa war der einzige, der behauptete, sie gesehen zu haben

Bistümer distanzieren sich immer wieder von Caputa

Das Gutachten beurteilt die sogenannten Erscheinungen "angesichts der Ungereimtheiten, die im Zuge der Ereignisse um Herrn Salvatore Caputa auftauchen" als "äußerst fragwürdig". Es hält es angesichts der "Theatralik" der Inszenierungen, der Selbstdarstellung des vorgeblichen Sehers und des Inhalts der angeblichen Botschaften für naheliegend, dass der Beweggrund für die Auftritte lediglich darin liege, dass Caputa "die öffentliche Anerkennung sucht", nicht aber in tatsächlicher Offenbarung. Damit kommt das Gutachten zum gleichen Schluss wie auch die italienischen Diözesen Mantova und Bozen-Brixen, in denen Caputa zuvor aktiv gewesen war.

Aus dem Archiv:

Eindrücke von der Marienerscheinung

Der Italiener behauptet seit 1986, dass ihm regelmäßig die Gottesmutter Maria erscheine. Sie kündige dies vorher mit Ort und Zeit an und übermittle Botschaften dabei. Seine Offenbarungen sind allerdings höchst umstritten und keine seiner angeblichen Visionen kirchlich anerkannt. 2009 und 2010 gingen die jeweiligen Bistümer gegen Auftritte von Caputa in Völser Aicha und Gurk-Klagenfurt vor. Zuvor lagen zu seinen Auftritten in Südtirol und Kärnten in den vergangenen Jahren jeweils ablehnende Stellungnahmen der zuständigen Bistümer vor. Sie bezogen sich ebenso wie nun das Münchner Bistum auf ein früheres Gutachten der norditalienischen Heimatdiözese von Caputa, Mantua. Diese bescheinigte, nach sorgfältiger Prüfung der angeblichen Visionen und Privatoffenbarungen gebe es nichts, das erlaube, "objektiv an Erscheinungen zu denken".

hs/Pressemitteilung Erzdiözese München und Freising

Quelle: innsalzach24.de

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