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Im Gespräch mit Paartherapeutin Christina Diamantis

Ist mein Partner ein Narzisst? Toxische Beziehungen und wie man sich daraus befreit

Christina Diamantis ist ausgebildete Paartherapeutin mit tiefenpsychologischen und systemischen Ansätzen und hat sich vor allem auf narzisstische Gewalt in Beziehungen spezialisiert.
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Christina Diamantis ist ausgebildete Paartherapeutin mit tiefenpsychologischen und systemischen Ansätzen und hat sich vor allem auf narzisstische Gewalt in Beziehungen spezialisiert.

Anfangs erscheinen Narzissten meist sehr charmant und witzig, ist man erst mal länger mit einem zusammen, zeigen sie schnell ihre abschreckenden, ja bösen Seiten. Drohungen, Beleidigungen bis hin zu Handgreiflichkeiten sind dann an der Tagesordnung. Ein Teufelskreis, den man schnellstens verlassen sollte, doch leicht ist das nicht. Ein Gespräch mit der Paartherapeutin Christina Diamantis.

Frau Diamantis, Sie sind Paartherapeutin und haben sich insbesondere einem Thema verschrieben, das in der psychologischen Paartherapie kaum Beachtung findet: der narzisstischen Gewalt in Beziehungen. Wie kam es dazu? Weshalb haben Sie sich als Paartherapeutin auf dieses Thema fokussiert?

Selbsthilfegruppe

Paartherapeutin Christina Diamantis bietet in der Herzog-Otto-Straße 11a in Rosenheim jeden letzten Donnerstag im Monat eine Selbsthilfegruppe an. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist daher erforderlich - unter:

- Tel.: 01525-8785122

- Email : projekt-beziehung@web.de

Christina Diamantis: Dafür gibt es mehrere Gründe. Den ersten haben Sie bereits genannt. Nicht nur dass seelischer und emotionaler Missbrauch kaum Beachtung findet und das nicht nur im paartherapeutischen Kontext, auch die Gesellschaft ist diesbezüglich sehr wenig aufgeklärt, wie sich diese Art der Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen äußert und auch wie sie von Betroffenen erlebt wird. Da sie in den meisten Fällen hinter verschlossenen Türen und ohne Zeugen stattfindet, wird sie folglich nicht wahrgenommen und als solche von Außenstehenden auch nicht erkannt. Das Thema Narzissmus und toxische Beziehungen, deren Merkmale, Abläufe und Verhaltensmuster beschäftigen mich schon seit vielen Jahren, nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen Opfer zu unterstützen, weil ich selbst ehemalige Betroffene war und die Gedanken, Zweifel und Gefühlswelt kenne. Zudem, in meiner Arbeit als Paartherapeutin wurde im Laufe der Zeit sehr deutlich, wie viele Menschen unter den destruktiven Dynamiken der narzisstischen Gewalt leiden.

Was steckt genau hinter der narzisstischen Gewalt in Beziehungen? Und wie erkennt man einen Narzissten?

Christina Diamantis: In narzisstisch geprägten Beziehungen geht es um Macht, Kontrolle und die systematische Destabilisierung des Partners. Sie zeichnen sich grundsätzlich aus durch immer wiederkehrende Phasen und dementsprechende Verhaltensmuster.
1. Phase: Aufwertung/Idealisierung, das sogenannte „Lovebombing“
2. Phase: Abwertung in Form von Manipulation, Gaslighting, Kritik etc.
und schlussendlich die dritte und letzte Phase, die „Entsorgung“. Typisch für narzisstisch/toxische Beziehungen sind unter anderem auch ON/OFF-Phasen. In der Psychologie wird mittlerweile zwischen grandiosen und verdeckten Narzissmus unterschieden, dementsprechend werden die Merkmale auch differenziert gelebt, respektive geäußert im Verhalten.

Sind eigentlich immer nur Frauen Opfer von narzisstischer Gewalt, oder gibt es auch männliche Opfer?

Christina Diamantis: Von einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) sind zu 75% Männer betroffen, aber natürlich gibt es auch weibliche Narzissten, deren Opfer Männer sind. 

Wie kann man sich gegen narzisstische Gewalt wehren, bzw. welche Schritte sollte man einleiten?

Christina Diamantis: Um sich vor narzisstischer/psychischer Gewalt zu schützen, ist es in erster Linie wichtig, die sogenannten „Red Flags“ (dt. Warnsignale, Anm. der Redaktion) wahrzunehmen, sich zu informieren und sich in der Anfangsphase des Kennenlernens auf sein Bauchgefühl und seine Intuition zu verlassen. Die meisten Menschen übergehen die doch sehr eindeutigen Hinweise aus verschiedenen Gründen und finden sich sehr schnell in einer Situation wieder, aus der sich ein Entkommen herausfordernder gestaltet, je mehr Zeit vergeht. Psychoedukation - Aufklärung mit all ihren Aspekten, die narzisstische Strukturen betreffen - ist maßgeblich dafür, den Weg aus der Spirale der Gewalt zu finden. 

Hat sich die narzisstische Gewalt in Beziehungen eigentlich während der Corona-Pandemie verschärft? Gib es jetzt mehr Fälle?

Christina Diamantis: Nein, narzisstische/psychische Gewalt war schon immer Bestandteil unserer zwischenmenschlichen Beziehungen und unserer Gesellschaft. Es ist auch kein plötzlich auftretendes Phänomen oder Modewort. Durch die Pandemie und die damit einhergehende Situation erleben wir alle mehr oder weniger einen Wandel. Das Bewusstsein wird für bestimmte Dinge geschärft, nicht nur im Kollektiv, sondern auch in uns als Individuum. Wir fangen an, Missständen, die vorher nicht greifbar und nicht offensichtlich waren, einen Namen zu geben und darauf aufmerksam zu machen und das ist gerade im Hinblick auf psychische Gewalt ein großer Fortschritt.

Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Opfern von narzisstischer Gewalt zu helfen. Was raten und bieten Sie den Opfern?

Christina Diamantis: Opfer von seelischer Gewalt und emotionalen Missbrauch liegen mir sehr am Herzen. Ihr Leiden in der Beziehung wird von Außenstehenden oft nicht anerkannt und realisiert. Das Ausmaß der Gewalt und ihre Auswirkungen sprengen die Vorstellungskraft derer, die nicht oder noch nie davon betroffen waren.
Ich möchte mit meiner Arbeit Betroffenen Mut machen, sich - wenn sie den Verdacht haben in so einer Beziehung zu stecken - Hilfe zu holen. In meiner Therapie stärke ich unter anderem das Selbst der Opfer, bringe wieder Klarheit in die Wahrnehmung und kläre sehr viel über Ursachen und Wirkungen der Verhaltensmuster dieser Beziehungsdynamik auf. Denn entgegen der landläufigen Meinung, dass zu einer Beziehung und der Entstehung von Konflikten immer zwei gehören, ist in narzisstischer/toxischer Beziehungen zu sagen: Um eine gute Beziehung zu führen braucht es zwei, um eine zu zerstören, reicht in dem Fall einer.
Abgesehen von der Einzeltherapie biete ich seit September auch eine Art von Selbsthilfegruppe einmal im Monat in meinen Praxisräumen an. Hier können sich Betroffene, die ich betreue, in einem geschützten Raum austauschen, darüber was sie erlebt haben und ihnen widerfahren ist. Auch Workshops rund um das Thema Narzissmus (auch narzisstische Kollegen, Chefs) sind im Herbst geplant, um meinen Teil der Aufklärung beizutragen. Am Ende des Tages gilt : Gewalt ist und bleibt Gewalt, egal in welcher Form sie ausgeübt wird, das sollte uns als Gesellschaft klar werden.

Paartherapeutin Christina Diamantis

Christina Diamantis ist 46 Jahre alt und Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Sie ist ausgebildete Paartherapeutin mit tiefenpsychologischen und systemischen Ansätzen. HP i.A. und Dozentin an der VHS zum Thema psychische Gewalt/emotionaler Missbrauch.

Kontakt:

Christina Diamantis
Herzog-Otto-Str 11a in Rosenheim
Email : projekt-beziehung@web.de
Tel.: 01525-8785122
www.projekt-beziehung.de

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