Terrorschutz zur Wiesn: Jetzt werden 180 Poller eingepflanzt

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Am Montag legten Bagger los, um die Theresienwiese zu rüsten. Für die 180 Poller braucht es drei Kilometer Stromleitungen.

München - Für die Wiesn gibt es auch dieses Jahr einen massiven Antiterrorschutz. Für 3,3 Millionen Euro werden rings um die Theresienwiese 180 Poller installiert. Die Kosten bekommen am Ende wohl die Gäste zu spüren.

Top-Terrorist Osama bin Laden ist tot, die US-Geheimdienste jubeln. Trotzdem ist die Gefahr für den Terror damit nicht gebannt, sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Für die Wiesn jedenfalls gibt es künftig massiven Antiterrorschutz. Für 3,3 Millionen Euro werden jetzt rings um die Theresienwiese 180 Poller aus Stahl installiert. Sie sollen das größte Volksfest der Welt künftig gegen Terrorangriffe mit Kraftfahrzeugen abschirmen. Die Kosten werden in den kommenden drei Jahren auf Wirte, Schausteller und Budenbetreiber umgelegt — und die werden sich das Geld von den Besuchern holen.

An allen 16 Eingängen — auch an denen für Fußgänger — kommen die Poller hin, 80 von ihnen sind im Boden versenkbar. Vor dem „Einpflanzen“ allerdings muss das städtische Bauamt drei Kilometer Stromleitungen rings um die Festwiese verlegen und für jeden Poller ein Betonfundament gießen. Die Baumaßnahme ist aufwändig, und inzwischen drängt die Zeit. Rechtzeitig zum Wiesn-Aufbau im Spätsommer soll die stahlharte Gefahrenabwehr stehen.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

Litfass-Säulen aus Beton schirmten 2010 die Jubiläumswiesn ab. Jetzt werden sie durch Poller ersetzt.

Zum ersten Mal zum Hochsicherheitstrakt wurde die Wiesn 2009, nachdem damals vor der Bundestagswahl Drohvideos mit Bildern von der Wiesn im Internet auftauchten. Die Polizei zog einen Sperrgürtel um die Wiesn und stellte Fahrzeuge als Barrieren auf. Im Winter danach begann die Stadt mit der Planung versenkbarer Poller. Da sich diese jedoch nicht zur Jubiläumswiesn 2010 realisieren lassen konnten, stellte man zunächst die Betonsäulen und die Blumenkübel auf, für 180 000 Euro. Die Poller sollen nun die Betonsäulen ersetzen. Die Blumenkübel dagegen will das Kreisverwaltungsreferat (KVR) heuer wieder aufstellen, auch der Bavariaring und die Theresienhöhe werden wieder Sperrzone.

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Die Besucherzahlen der Wiesn seit 1980

Die Poller werden derzeit in Salzgitter aus 100 Tonnen Stahl gefertigt. Weltweit schützen solche Poller terrorgefährdete Gebäude, etwa die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt, den Flughafen in Bombay, die JVA in Essen, Botschaften, Atomkraftwerke und nukleare Endlager. In Tests rammte ein 7,5-Tonnen-Lastwagen mit einer Geschwindigkeit 80 Stundenkilometern einen solchen 80 Zentimeter hohen Poller. Der hatte danach ein paar Kratzer und brauchte neue Farbe, funktionierte aber noch einwandfrei und ließ sich im Boden versenken. „Der LKW dagegen war nur noch Schrott“, erzählt Dr. Peter Reimers, Geschäftsführer der Herstellerfirma Tescon Security.

Er verkauft seine Poller immer besser, inzwischen 500 pro Jahr. Zudem Sicherheitssysteme wie Schranken, Tore, gepanzerte Fahrzeuge, Scanner, Detektoren, Sicherheitstüren und Videoüberwachungssysteme. Daran wird auch Osama bin Ladens Tod nichts ändern, prophezeit Geschäftsführer Reimers. Pro Jahr setze seine Firma zwischen fünf und sieben Millionen Euro um. Tendenz steigend, sagt Reimers: „Unser Unternehmen wächst, und daran wird auch die Erschießung bin Ladens nichts ändern.“

Susanne Sasse

Quelle: Oktoberfest live

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