Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 2015

Männer begehen deutlich öfter Straftaten als Frauen

Landkreis - Die Anzahl der Straftaten in Oberbayern ist nach der Kriminalstatistik im Jahr 2015 um über 50 Prozent gewachsen! Doch die Statistik hat nicht nur bei dieser Zahl so ihre Tücken:

Im Raum des Polizeipräsidiums Oberbayern wurden im Jahr 2015 insgesamt 98.346 Straftaten registriert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr, wo 63.996 Straftaten registriert wurden, ein Anstieg von 53,7 Prozent! Aber: Die Polizei weist darauf hin, das diese Entwicklung auf das hohe Flüchtlingsaufkommen zurückzuführen ist - allein 49.938 Straftaten sind auf einem Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz zuzuschreiben. Werden diese Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz nicht berücksichtigt ergibt sich ein Rückgang von etwa sechs Prozent auf 48.408 Straftaten gegenüber 51.575 im Vorjahr.

Straftaten gesamt - mit und ohne ausländerrechtliche Verstöße

Straftaten gesamt
Straftaten ohne Ausländerrecht

Straftaten nach Regionen

Diese Grafik gibt einen Überblick über die Anzahl der Straftaten, der Aufklärungsquoten und der Häufigkeitszahlen innerhalb der Kreisfreien Stadt Rosenheim und den neun Landkreisen inklusive eines Vorjahresvergleichs.

Straftaten nach Regionen

Aufklärungsquote - Bei wie vielen Straftaten wird ein Verdächtiger ermittelt?

Die Aufklärungsquote ist - bedingt durch die vielen ausländerrechtlichen Straftaten - auf insgesamt 82,3 Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über dem bayernweiten Durchschnitt von 72,5 Prozent. Allerdings liegt die Aufklärungsquote ohne die ausländerrechtlichen Strafttaten bei 64,1 Prozent unter dem bayerischen Durchschnitt. 
Auch wenn sich Polizeipräsident Robert Knopp dank solcher Zahlen mit der Aussage "Wer hier lebt, der lebt sicher!"  brüstet, so wird an keiner Stelle des Berichts erwähnt, das die Aufklärungsquote an sich relativ wenig mit der Realität zu tun hat: Eine Straftat ist für die Polizei nämlich bereits "aufgeklärt" wenn ein Verdächtiger ermittelt wurde. Über Schuld und Unschuld entscheidet allerdings die Staatsanwaltschaft und nicht die oft übereifrigen Polizeibeamten. Was wirklich am Ende bei den registrierten Straftaten herauskommt, wird leider mit keinem Wort und in keiner Statistik in dem Bericht erwähnt. Natürlich ändert dies nichts an der Tatsache das Deutschland und besonders Bayern ein vergleichsweise ziemlich sicheres (Bundes-)Land ist.

Kriminalitätsbelastung - Wie viele Straftaten werden wo verübt?

Die Häufigkeitszahl (HZ) ist ein rein rechnerischer Wert, der sich auf eine bestimmte Region bezieht. Sie setzt sich aus der Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohnern zusammen. Die HZ ist somit Messgröße für die Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung. Sie lag im Jahr 2015 für den Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd bei 7.914 Straftaten pro 100.000 Einwohner und ist im Vergleich zum Jahr 2014 mit 52,5 Prozent erheblich angestiegen.

Auch hier ist der hohe Anstieg mit den stark erhöhten Fallzahlen im Bereich des Aufenthaltsgesetzes zu erklären. Der bayerische Landesdurchschnitt liegt bei 6.350 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Ohne Berücksichtigung ausländerrechtlicher Verstöße liegt die Häufigkeitszahl mit 3.895 deutlich unter dem bereinigten bayernweiten Durchschnitt 4.787 Straftaten. 

Die nächste Grafik zeigt die Kriminalitätsbelastung in den einzelnen Regionen:

Kriminalitätsbelastung regional

Tatverdächtigenstruktur - Soziodemografische Merkmale der Täter

Im Jahr 2015 wurden 73.092 Tatverdächtige ermittelt, im Vorjahr waren es 36.581. Von allen Tatverdächtigen haben mit 16,8 Prozent (Vorjahr 34,6 %) weniger als ein Fünftel auch ihren Wohnsitz im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Unter den ermittelten Tatverdächtigen befanden sich im vergangenen Jahr 56.656 Tatverdächtige mit ausländischer Staatsbürgerschaft, was einem Anteil von 77,5 Prozent entspricht. Im Vorjahr waren es 51,6 Prozent. Diese nochmalige Steigerung ist ausschließlich auf die Aufgriffe im Zusammenhang mit illegaler Migration zurückzuführen. Ohne die Straftaten nach dem Asylverfahrensgesetz und dem Aufenthaltsgesetz, die ausschließlich von Ausländern begangen werden können, verringert sich der Anteil auf 32,0 Prozent.

Tatverdächtigenstruktur nach Alter

Dennoch sind ausländische Tatverdächtige deutlich überrepräsentiert, denn auf die Wohnbevölkerung entfällt lediglich ein Anteil von unter 10 Prozent auf ausländische Staatsbürger. Hierbei ist die Bedeutung des Zuständigkeitsbereichs des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd als Tourismus- und Transitraum sicherlich der Haupteinflussfaktor. Mehr als ein Fünftel der ausländischen Tatverdächtigen, nämlich 21,9 Prozent, haben ihren Wohnsitz im Ausland. Hierbei wurden die Flüchtlingszahlen nicht berücksichtigt. 

Straftaten weiterhin überwiegend von Männern

Tatverdächtigenstruktur nach Nationalitäten

Die weltpolitische Lage mit der Flüchtlingsproblematik zeigt sich auch deutlich in der Aufteilung auf die statistisch registrierten Nationalitäten. Fand Syrien vor einigen Jahren noch nahezu keinen Niederschlag in der Statistik, so waren deren Staatsangehörige vor vier Jahren die vierthäufigste Nationalität und im vergangenen Jahr mit 26,5 Prozent, wie im Vorjahr, mit großem Abstand an der Spitze der festgestellten Nationalitäten aller tatverdächtigen Ausländer.

Vergleicht man die Altersstruktur der Tatverdächtigen mit deren Anteil an der Wohnbevölkerung, so zeigt sich nach wie vor, dass Jugendliche und Heranwachsende deutlich überrepräsentiert sind. Sie sind überdurchschnittlich an Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Eigentumsdelikten beteiligt. Die deutliche Erhöhung bei der Anzahl im Allgemeinen und insbesondere den tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen ist gänzlich auf die Aufgriffe im Zusammenhang mit der illegalen Migrationswelle zurückzuführen.

Straftaten werden weiterhin überwiegend von Männern begangen. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen beträgt 79,9 Prozent.

Wer sind die Opfer?

Kriminalitätsopfer

Bei allen registrierten Straftaten wurden 2015 insgesamt 40.139 Personen als Geschädigte erfasst - das sind 2 Prozent weniger als 2014. Die speziellen Opferzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik müssen vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass statistische Daten hier nur bei Gewalt- und Sexualdelikten, Nötigung und Bedrohung sowie Freiheitsberaubung und Widerstandshandlungen erhoben werden.

Im Jahr 2015 wurden 10.692 Opfer registriert - das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.Mit einem Anteil von 65,3 Prozent sind die meisten Opfer von Kriminalität Männer.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

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