Neumarkter zahlen Zwangskredit zurück

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Die Neumarkt-St. Veiter Ludwig Zaccaro und Nina Lange wollten Griechenland ihren Anteil am NS-Zwangskredit zurückzahlen
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Neumarkt-St. Veit/Nafplio - Ein Neumarkt-St. Veiter und seine Frau haben Griechenland 875 Euro überwiesen. Das soll ihr Beitrag zur Tilgung des NS-Zwangskredits sein.

Mit ihrer Aktion wollen sie in Deutschland ein Umdenken bewirken: Ludwig Zaccaro und seine Ehefrau Nina Lange aus Neumarkt-St. Veit sind in die griechische Stadt Nafplio gereist, um einen Beitrag zur Tilgung des umstrittenen Zwangskredits von 1942 zu leisten.

Zuletzt waren aus Griechenland immer wieder Forderungen laut geworden, Deutschland solle Reparationen für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg leisten und eine NS-Zwangsanleihe zurückzahlen. Nach Ansicht der Bundesregierung hat Griechenland jedoch keinen Anspruch auf Reparationszahlungen und auch der Forderung nach Rückzahlung des Zwangskredits steht Berlin ablehnend gegenüber.

Die Deutschen zum Umdenken bewegen

Zaccaro und Lange sehen das ganz anders. "Unsere Medien tun so: Nur Griechenland ist Europa und Deutschland etwas schuldig", sagte Lange auf einer Pressekonferenz in Griechenland. "Es ist umgekehrt: Deutschland schuldet Griechenland Reparationszahlungen vom Weltkrieg und die Rückzahlung des Zwangskredits von 1942." Die 875 Euro, die Lange und Zaccaro zahlten, sehen die beiden als "symbolischen Akt, um ein Umdenken zu initiieren", wie Lange erklärte.

Mit den 875 Euro, die die Neumarkt-St. Veiter auf Wunsch des Bürgermeisters von Nafplio einer gemeinnützigen Organisation spendeten, möchten Lange und Zaccaro den Anteil eines einzelnen Deutschen am Zwangskredit zurückzahlen. Mehr Geld hatten die beiden nicht zur Verfügung. "Wir gehören nicht zur reichen Schicht in Deutschland. Ich bin Rentner und meine Frau arbeitet 30 Stunden in der Woche. Und von dem Geld leben wir", erklärte Zaccaro auf der Pressekonferenz. Der 67-jährige Deutsch-Italiener, der sich als Weltenbummler, Autor und Coach einen Namen machte, hat schon sich schon einmal als Visionär bewiesen: 2010 sorgte er in Neumarkt-St. Veit mit einem Carsharing-Projekt für Aufsehen.

Doppelter Rechenfehler

Bei der Berechnung des Pro-Kopf-Anteils am Zwangskredit ist Lange und Zaccaro allerdings ein doppelter Fehler unterlaufen. Auf der Pressekonferenz beziffert Lange die Höhe des Zwangskredits mit Zinsen auf 70.000 Euro. Geteilt durch die Anzahl der Deutschen (gut 80 Millionen Menschen) ergebe dies 875 Euro pro Person, so Lange. Abgesehen davon, dass die Division nicht stimmt, ist auch die Höhe des Kredits nicht korrekt. Die Anleihe war ursprünglich 476 Millionen Reichsmark wert. 2012 hat der wissenschaftliche Dienst des Bundestags den aktuellen Wert der Anleihe auf 8,25 Milliarden Dollar beziffert, in einem griechischen Regierungsgutachten ist von elf Milliarden Euro die Rede.

Bei einem Wert von zehn Milliarden Euro und einer Einwohnerzahl von rund 80 Millionen Menschen läge der Anteil am Zwangskredit pro Person bei 125 anstatt bei 875 Euro - ein verzeihlicher Rechenfehler, immerhin kommen die 875 Euro einer gemeinnützigen Organisation zugute.

Die Pressekonferenz mit Lange und Zaccaro im Video:

Quelle: innsalzach24.de

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