Neues von den "Iglo-Fischern"

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Bei einem Bade- und Angelausflug an diesen Bach wollte Alexander D. seinem Sohn eine Freude bereiten. Als der Siebenjährige gerade nicht aufpasste, wickelte ihm der Vater einen Tiefkühlfisch an die Angel. Kurz darauf wurde er wegen Schwarzfischerei angezeigt. Streitwert: laut Alexander D. drei bis vier Euro.

Kiefersfelden - Für einen Familienvater aus Kiefersfelden war es ein turbulentes Jahr. Eine Anzeige wegen Schwarzfischerei machte deutschlandweit Schlagzeilen.

Im vergangenen Mai sorgte der Fall des in Kufstein wegen Schwarzfischerei angeklagten Kiefersfeldeners Alexander D. für Aufsehen. Der Familienvater bleibt bis heute bei seiner Darstellung, seinem Sohn doch nur einen Tiefkühlfisch an die Angel gehängt zu haben. Mittlerweile ist das Verfahren zwar eingestellt. Doch die D.'s haben ihren Ruf weg.

"Wegziehen? Wegen einer Forelle? Nein, so schlimm war es dann doch nicht!" Dennoch blickt Stefanie D. mit Grausen auf die letzten Mai- und die ersten Juni-Wochen dieses Jahres zurück. In ganz Europa machte die Geschichte ihres Mannes Schlagzeilen, der in Tirol angeklagt war, eine Forelle aus einem Bach gestohlen zu haben. Der gebürtige Österreicher Alexander D. bestritt die Vorwürfe stets, gegenüber den OVB-Heimatzeitungen betonte er damals: "Ich habe nichts getan, es war doch nur ein Scherz!" Der Sturm, der daraufhin über die D.'s hereinbrach, schien die vierköpfige Familie zeitweise aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die D.'s waren mit einem Schlag bekannt wie bunte Hunde.

Aber, sagt Stefanie D. im Rückblick, "zwischendurch mussten wir sogar schon wieder lachen." In Gesprächen mit Familie, Freunden und Bekannten hätten sie nur positives Feedback erhalten. Berufliche Nachteile, wie ihr Mann anfangs befürchtet hatte, habe es nie gegeben. Die schlimmste Konsequenz aus der Forellen-Affäre sei für die D.'s, in Kiefersfelden jetzt als die "Iglo-Fischer" bekannt zu sein.

Streckenweise beängstigender als die drohende Haft für ihren Mann und die Flut an Interviewanfragen aus aller Welt sei jedoch gewesen, dass aus der Causa ein "Grenz-Ding" wurde, wie Stefanie D. es formuliert. "Mein Mann und meine Kinder sind Österreicher. Und trotzdem hieß es plötzlich, die bösen Tiroler wollen eine deutsche Familie quälen!"

In der Tat war die Berichterstattung über den Fall diesseits und jenseits der Grenze sehr unterschiedlich. Ein österreichisches Nachrichtenportal etwa meldete: "Familienvater wollte bei Kufstein mit Angelkünsten angeben!" Ein Leser kommentierte die Geschichte dann so: "Das kommt vom Angeben-Wollen, depperter Piefke! Was hat der überhaupt in unseren Flüssen zu fischen!" In deutschen Internetforen dagegen war zu lesen, dass sich mit dem Verfahren gegen D. "ein ganzer Staat lächerlich" mache. Die "Ösis", so wurde andernorts gar verkündet, seien "so und so nicht ganz bei Verstand, was man ja bei den unmenschlich hohen Maut-Strafen sieht".

"Im Sinne der Effizienz" eingestellt

Die Familie, so berichtet es Stefanie D., war seit dem vermeintlichen Diebstahl nie wieder am "Tatort", einem idyllischen Bergbach kurz hinter der bayerisch-österreichischen Grenze. "Das wollten wir uns nicht antun." Sie und ihr Mann seien einfach nur froh, dass die Anklage vom Tisch ist.

Kurz nachdem der Fall öffentlich geworden war, stellte die Kufsteiner Staatsanwaltschaft das Verfahren nämlich ein. Zwar gebe es bei Delikten im Jagd- und Fischereirecht keine Bagatellgrenze, hieß es in der Mitteilung der Anklagebehörde. Der "Störwert" und die Folgen der Tat seien aber als gering anzusehen, so dass "im Sinne der Effizienz der Justiz" der Strafantrag wegen Geringfügigkeit zurückgezogen worden sei.

Ein Freispruch wegen erwiesener Unschuld ist dies zwar nicht, das ist den D.'s klar. "Und auch unser Anwalt wollte, dass wir das nicht auf uns sitzen lassen", erzählt Stefanie D. "Aber wir waren froh, dass es vorbei war. Auch wenn wir nun nicht als unschuldig gelten." Die vielen Merkwürdigkeiten des Verfahrens, die Thaddäus Schäfer, Rechtsbeistand der D.'s, bemängelte, sind der Familie letztlich egal. Sogar dass "man uns gar nicht Bescheid gegeben hat, dass das Verfahren eingestellt ist, das hat unser Anwalt aus dem ORF erfahren", wollen die Kiefersfeldener nicht mehr kommentieren.

"Es ist, wie's ist", fasst Stefanie D. stoisch zusammen. Wie die Sache aber ohne mediale Öffentlichkeit - zuerst durch den ORF und die OVB-Heimatzeitungen, dann durch überregionale und internationale Presse - geendet wäre, will sie sich lieber nicht ausmalen, denn: "Das hätte tatsächlich blöd für uns ausgehen können."

Stefanie Zipfer (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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