Neuer PI-Chef kommt am Mittwoch

Rosenheim - Wegen den Prügel-Vorwürfen wird der Leiter der Polizeiinspektion abgelöst. Indes ist ein weiterer Ermittlungsfall aufgetaucht, in den der Polizeidirektor verwickelt war.

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Das bayerische Innenministerium zieht Konsequenzen aus den Prügel-Vorwürfen gegen den Leiter der Rosenheimer Polizeiinspektion. Innenminister Joachim Herrmann hat am Montag angekündigt, dass der Beamte abgelöst und der Posten kommissarisch vergeben wird.

Polizeidirektor Herbert Krauß wird am Mittwoch den Posten in der Polizeiinspektion Rosenheim übernehmen. Krauß war Referent des Bayerischen Landespolizeipräsidenten Waldemar Kindler, arbeitete bei der Bereitschaftspolizei und war zuletzt im Polizeipräsidium München tätig.

Ein Ende des Verfahrens gegen den abgelösten Polizeichef ist indessen noch nicht in Sicht. "Die Ermittlungen werden einige Wochen dauern. Wir kommen sehr gut voran, müssen aber mit großer Sorgfalt vorgehen", sagte Helmut Vordermayer, Leitender Oberstaatsanwalt in Traunstein, am Montag zum Stand des Verfahrens gegen den Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim, der Anfang September einen 15-jährigen Schüler in der Wiesn-Wache auf dem Rosenheimer Herbstfest krankenhausreif geschlagen haben soll. Der Inspektionschef ist am vergangenen Donnerstag suspendiert worden - einen Tag, nachdem der OVB-Bericht "In der Wiesn-Wache floss Blut" den Fall aufdeckte.

Innenminister Herrmann.

Seit Montag ist der OVB-Redaktion ein vierter aktenkundiger Ermittlungsfall bekannt, in den der erfahrene Polizistverwickelt war. Im März 2010 soll der Beamte in Grafing einen 14-Jährigen aus dem Innenraum des Bahnhofskiosks gestoßen haben. Dabei habe sich ihr Sohn am Fuß verletzt, der in die Tür eingeklemmt worden sei, so der Vorwurf der Mutter. Sie ging nach dem Vorfall zur Polizeiinspektion in Ebersberg und zeigte den Polizisten, der bei der Kontrolle zivile Kleidung trug, wegen seines rohen Vorgehens an. Das Ermittlungsverfahren wurde drei Wochen später eingestellt. "Wir werden auch diese Akte beiziehen", so Vordermayer.

Wie berichtet, war dem Polizisten 2002 vorgeworfen worden, bei der Münchner Sicherheitskonferenz einen Demonstranten aus dem fahrenden Dienstwagen heraus mit Pfefferspray attackiert zu haben. Das Verfahren wurde eingestellt. Zu einem Handgemenge war es gekommen, als der 49-jährige Inspektionsleiter im Mai 2011 in Rosenheim einem vermeintlichen Rot-Sünder nachlief und vom Fahrrad riss. Nur der Radfahrer wurde wegen Körperverletzung angezeigt.

Auf Vorschlag der Grünen-Fraktion befasst sich heute der Landtag mit dem Thema "Übergriffe durch Polizisten in Rosenheim aufklären - polizeilichem Fehlverhalten wirksam vorbeugen". "Die Vorwürfe gegen die Beamten und insbesondere den Leiter der Inspektion sind erschreckend und müssen umgehend überprüft werden", sagt die innenpolitische Sprecherin Susanna Tausendfreund. "Diese Häufung von Gewaltvorwürfen gegenüber den Beamten einer Dienststelle muss rückhaltlos aufgeklärt werden", fordert sie auch im Hinblick auf den Fall in Pfaffenhofen, wo eine vierköpfige Familie von bis zu zehn Beamten überwältigt wurde. Möglicherweise seien die jeweiligen Opfer zu Querulanten und potenziellen Tätern abgestempelt worden, die gegen die Aussage eines Polizeibeamten offenbar nicht ankämen, kritisiert die grüne Innenpolitikerin.

Der Traunsteiner Landtagsabgeordnete Klaus Steiner hat den Grünen-Vorstoß, den Fall im Landtag zu behandeln, scharf kritisiert. Ohne eine Bewertung des tatsächlichen Hergangs vornehmen zu wollen, seien die Ermittlungen einzig und allein Aufgabe von Staatsanwaltschaft und Polizei und nicht des Landtags, so Steiner: "Hier geht es nicht um Aufklärung in der Sache, sondern um das Befeuern pauschaler Vorurteile gegenüber der bayerischen Polizei, wie sie bei den Grünen leider weit verbreitet sind." Die Grünen-Abgeordnete Claudia Stamm nennt die Empörung Steiners "unangebracht und billigste Polemik".

red/ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © cs/dpa

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