Nach Hahn-Angriff: Schule meldet sich zu Wort

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Neubeuern/Rohrdorf - Die Montessori-Schule Rohrdorf, in deren Hof vor einem Jahr ein Hahn ein kleines Mädchen attackiert hat, stellt jetzt klar: Es gab einen schützenden Zaun!

Update 25. Juni, 12.30 Uhr: Stellungnahme der Schule

Laut Wolfram Inngauer, Geschäftsführer der Montessori-Schule Rohrdorf, liefen die Tiere des Bauern zu keinem Zeitpunkt frei auf dem Schulgelände herum. 

Wofram Inngauer: "Seit Beginn des Schulbetriebs in Rohrdorf im Jahr 1999 ist das Gelände des Bauern durch einen Zaun vom Schulgelände abgetrennt und zu keinem Zeitpunkt sind Tiere des Landwirts auf dem angepachteten Gelände frei herumgelaufen. Diese Zaunanlage wurde nach dem Vorfall im gegenseitigen Einvernehmen verstärkt und teilweise erhöht. Wenn der angreifende Hahn vom Grundstück des Bauern auf das Schulgelände kam, müsste er allerdings über den bestehenden Zaun geflogen sein. Dieses Risiko wäre aufgrund des ländlichen Umfelds baulich nicht abzusichern. Ferner legen wir Wert auf die Feststellung, dass wir uns in einem gutnachbarschaftlichen Verhältnis mit dem Landwirt befinden und ihn und seine Familie stets als verantwortungsbewusste Halter von zahlreichen Tieren kennengelernt haben. Weder in den 14 Jahren vorher noch nachher kam es hier zu irgendwelchen Vorfällen." 

Update 16.40 Uhr

Die Familie des Bauern widerspricht den Darstellungen von W., wollte sich aber rosenheim24.de gegenüber nicht näher dazu äußern, sondern zunächst einen Anwalt konsultieren.

Der ursprüngliche Artikel

Im April 2013 hatte ein wild gewordener Hahn im Schulhof der Rohrdorfer Montessori-Schule die 16 Monate alte Vroni S., die Tochter von Sabine W. aus Neubeuern angegriffen. Das kleine Mädchen trug schwere Verletzungen im Gesicht davon.

Jetzt, knapp ein Jahr später, folgt für die Familie die Ernüchterung. Nach dem Angriff hatte alles zunächst ganz gut ausgesehen: Im ersten Ansatz erkannte der Bayerische Versicherungsverbund den Schaden an und überwies ein Schmerzensgeld in Höhe von rund 2000 Euro. Nach Rücksprache mit einem Anwalt und einem Berater des Bayerischen Versicherungsverbunds verhandelten sie noch einmal nach - beide hatten dies den Eltern geraten, weil die Summe viel zu niedrig sei. Schließlich macht der Angriff eine kosmetische Behandlung der Narben notwendig. Als Ergebnis wurde die Schadensersatzsumme auf zirka 5000 Euro aufgestockt.

Dieses Geld legten die Eltern an, für die spätere Behandlung der Tochter. "Direkt nach dem Angriff bin ich vier Wochen mit meiner Tochter Vroni von Arzt zu Arzt gefahren, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die große Narbe auf der Wange kann erst korrigiert werden, wenn sie ausgewachsen ist. Mit der muss sie jetzt durch ihre ganze Kindheit", sagt Mutter Sabine W.

Die Narbe sei ziemlich auffällig, mitten auf der Wange und rot. "Da fragt sie jeder immer, was da passiert ist. Sie sagt dann: Das war der böse Gockel!", so W. Die Narbe müsse später definitiv entfernt werden. Dafür war das Schmerzensgeld gedacht.

Dann kam es aber ganz anders: Rund ein dreiviertel Jahr nach dem Vorfall fand die Gerichtsverhandlung gegen den Tierhalter in Rosenheim statt. Der angeklagte Bauer, der sich in unmittelbarer Nähe zur Schule befindet und dessen Tiere auf dem angrenzenden, von der Schule gepachteten Grundstück frei herumliefen, hatte sein unmittelbar nach dem Unfall abgegebenes Schuldeingeständnis zurückgezogen. Weil aber nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, dass der Hahn ihm gehört, wurde er freigesprochen. Zwar wurden viele Zeugen gehört, aber nach so langer Zeit konnte keiner den Hahn zweifelsfrei identifizieren. Das wäre nur möglich gewesen, wenn jemand den Vorfall gefilmt hätte oder man die Blutspuren an dem Hahn mit dem Blut der kleinen Vroni verglichen hätte. Aber Blutproben hat damals natürlich niemand genommen. Und weil die Schuld nicht feststeht, fordert der Bayerische Versicherungsverbund jetzt das Geld zurück.

"Jetzt müssen wir das Geld inklusive Zinsen innerhalb von drei Wochen zurückzahlen", sagt W. Sie ist überzeugt, dass der Hahn dem Bauern gehört hat. "Da waren nur seine Tiere auf dem Grundstück. Nach dem Vorfall hat er einen Zaun errichtet und die Hühner durften nicht mehr frei laufen. Es gab zuvor Gespräche zwischen der Schulleitung und dem Bauern." Zudem habe ihr der erstbehandelnde Arzt aus Rohrdorf erzählt, dass ihre Tochter Vroni bereits das zweite Kind gewesen sei, das der Hahn angegriffen habe. "Das war erst ein oder zwei Tage vorher. Aber die Eltern des Kindes haben das soweit ich weiß nicht gemeldet", so W.

"Die Kleine hat die Schmerzen und den Schaden und keinen Ausgleich - dabei kann sie gar nichts dafür. Wir sind ganz schön enttäuscht und ernüchtert." Besonders enttäuscht ist sie vom Verhalten des Bauern. Dass das Gericht nicht anders entscheiden konnte, sieht sie ja noch ein. Aber dass der Gockelhalter sich bis heute nicht bei ihnen entschuldigt hat, kann sie nicht verstehen. "Sollte jemals wieder ein Tier eines meiner Kinder angreifen, steck ich das sofort in einen Sack, damit zweifelsfrei feststeht, welches Tier das war. Das ist ja anscheinend die einzige Möglichkeit."

Kleines Mädchen wurde von Hahn angegriffen

ra

Quelle: rosenheim24.de

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