Nach Schlägerei ertrunken: Verfahren eingestellt

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Der Angeklagte wird am 21.11.2011 in den Gerichtssaal des Landgerichts in Regensburg geführt.

Regensburg - Eine Schlägerei, ein Toter im Kanal und ein schweigender Angeklagter. Die Beweislage reichte nicht aus, um die ursprüngliche Anklage aufrechtzuerhalten. Dem Angeklagten droht dennoch eine lange Haftstrafe.

Überraschung im Strafprozess um einen im Main-Donau-Kanal ertrunkenen jungen Mann: In dem Prozess vor dem Regensburger Landgericht hat die Kammer am Dienstag das Verfahren gegen den 21 Jahre alten Angeklagten eingestellt. In der Anklage hatte die Staatsanwaltschaft dem Mann noch vorsätzliche Körperverletzung und Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen. Dies sei aber aus Mangel an Beweisen nicht haltbar, sagte Staatsanwältin Manuela Kopernik. “Für mich stellt sich das so dar, dass es ein Unglücksfall war im weitesten Sinne.“ Der Angeklagte hatte in dem Verfahren zu den Vorwürfen geschwiegen.

Nach einer Beratung legte das Gericht dann diesen Fall zu den Akten - gleichwohl droht dem 21-Jährigen eine mehrjährige Haftstrafe. Denn er soll mit zwei Komplizen auch für einen Brandanschlag auf einen Dönerladen in Kelheim im April 2010 verantwortlich sein. Vier schlafende Menschen sollen dadurch gefährdet worden sein.

Sieben Jahre wegen Brandstiftung gefordert

Die Staatsanwältin wertete dies als vierfachen versuchten Mord und schwere Brandstiftung und verlangte eine siebenjährige Gefängnisstrafe für den 21-Jährigen. Ein ein Jahr älterer Mann soll fünf Jahre in Haft. Ein ebenfalls 22-Jähriger soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft eine eineinhalbjährige Bewährungsstrafe erhalten. Er sei wegen Beihilfe zu verurteilen, weil er geholfen habe, die Molotowcocktails zu basteln. Die Verteidiger der Angeklagten sprachen sich hingegen für maximal dreijährige Haftstrafen aus. Das Gericht will das Urteil am Mittwoch verkünden.

Im Fall des Ertrunkenen war die Staatsanwaltschaft in der Anklage davon ausgegangen, der 21-Jährige habe das Opfer in Kelheim zusammengeschlagen und anschließend allein am Ufer zurückgelassen. Wegen seines benommenen Zustands sei der 22-Jährige dann in den Main-Donau-Kanal gefallen. Die Leiche wurde sechs Wochen später im Kanal gefunden. Das Gericht begründete die Einstellung des Verfahrens in diesem Fall auch damit, dass selbst bei einer Verurteilung die zu erwartende Strafe im Vergleich zu dem Brandanschlag nicht wesentlich ins Gewicht fallen würde.

dpa

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