Mit Schraubenzieher blutig geschlagen

Neuöttinger Pfarrer vergibt Täter vor Gericht

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Neuötting - Nach der Attacke auf Pfarrer Wöss drohte dem vorbestraften Täter eine Haftstrafe. Dank der Aussage des Pfarrers blieb dem Angreifer das Gefängnis erspart.

Am Amtsgericht Altötting musste sich ein 21-jähriger Neuöttinger wegen einer Schraubenzieher-Attacke verantworten. Sein Opfer: der Neuöttinger Stadtpfarrer Florian Wöss. Ende Juli waren Wöss und der junge Mann in Streit geraten, als der Pfarrer gerade dabei war, eine Wohnung auszuräumen. Wöss verteilte Müll auf die halbvollen Mülltonnen in der Nachbarschaft, am kommenden Morgen sollten sie geleert werden. Rückblickend war dies nicht die beste Idee des Pfarrer, denn der 21-Jährige störte sich an Wöss' Müllentsorgung. Die Auseinandersetzung schaukelte sich auf, und als Wöss gehen wollte, schlug der 21-Jährige dem Pfarrer einen Schraubenzieher auf den Kopf. Wöss zog sich dabei eine blutende Wunde zu.

Vor Gericht drohte dem jungen Mann nun das Gefängnis. Immerhin hat der 21-Jährige schon vier Jugendvorstrafen, eine Haftstrafe wird unter diesen Umständen nicht immer zur Bewährung ausgesetzt. Letztendlich beließ es das Gericht aber bei einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung - auch aufgrund der Aussage von Florian Wöss.

Strafverfolgung ja - Gefängnis nein

Vor Gericht hatte sich Wöss gegen eine allzu harte Strafe für den jungen Mann ausgesprochen. "Hauptgrund war, dass ich um die Schwierigkeiten weiß, die der junge Mann hat", sagt Wöss nun gegenüber unserer Redaktion. Der Pfarrer wünscht sich, dass der 21-Jährige "die Kurve kriegt". Ein Gefängnisaufenthalt hätte dem jungen Mann dies nach Einschätzung des Pfarrers noch schwerer gemacht.

Eine Strafverfolgung war für Wöss dennoch unverzichtbar. Der Pfarrer selbst hatte zwar keine Anzeige erstattet. Wöss ist aber froh, dass die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit aus öffentlichem Interesse vor Gericht brachte: "Es kann nicht sein, dass jemand einen Scheiß macht und nichts passiert." An den 21-Jährigen richtet Wöss einen deutlichen Appell: "Er wird sich nicht immer darauf hinausretten können, dass es ihm das Leben nicht immer leicht gemacht hat."

Wöss sieht "keine Alternative" zur Vergebung

Wöss hat sich auch deshalb für eine milde Strafe stark gemacht, weil er dem 21-Jährigen vergeben hatte. Keine Heldentat - wie Wöss findet. Verlieren Menschen einen Angehörigen und vergeben dem Schuldigen, sei dies "weitaus heldenhafter". Grundsätzlich sei er aber der Meinung, dass es nicht anders gehe, so der Pfarrer. "Es hat für mich keine Alternative gegeben."

Auf Initiative des Richters reichte der 21-Jährige dem Pfarrer noch in der Sitzung die Hand und entschuldigte sich. "Wir waren beide ein bisschen überrumpelt", erinnert sich Wöss. Nach der Verhandlung trat der junge Mann aber erneut an Wöss heran, bekräftigte seine Entschuldigung. "Das hat er von sich aus getan. Er hat gesagt: Es tut mir wirklich leid." Für Wöss ist die Angelegenheit damit aus der Welt, eine Bitte an der 21-Jährigen hat er aber: "Er muss lernen, Konflikte anders zu lösen."

Das Konzept der Vergebung ist ein wichtiges Element des christlichen Glaubens. So heißt es etwa im Evangelium nach Matthäus (Kapitel 18, Vers 21): "Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal."

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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