Richter hat entschieden

Mutter ließ ihr Baby sterben - Haftstrafe 

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Vorsitzender Richter Manfred Schmidt.

Bamberg - Der Prozess gegen eine Mutter, die ihr Baby nach der Geburt sterben ließ, ist beendet. Die 29-Jährige muss für einige Jahre ins Gefängnis.

Sie hat sich vom Saal abgewandt, den Kopf auf eine Hand gestützt. In der anderen Hand hält sie einen Kugelschreiber und kritzelt damit auf ein Blatt Papier. In dieser Haltung verfolgt die 29 Jahre alte Frau mit den dunklen Haaren den Prozess vor dem Landgericht Bamberg, in dem es um ihr totes Baby geht. Dass sie den Säugling direkt nach der Geburt im Januar 2011 sterben ließ, hat sie bereits zugegeben.

Ob sie noch etwas sagen wolle, fragt der Vorsitzende Richter Manfred Schmitt sie nach den Plädoyers. Die Frau schüttelt nur mit dem Kopf. Auch bei der Urteilsverkündung - vier Jahre und neun Monate Gefängnis wegen Totschlags durch Unterlassen - wirkt sie unbeteiligt.

Oberstaatsanwalt Bernd Lieb findet deutliche Worte in seinem Plädoyer: „Was sie getan hat, ist an Emotionslosigkeit nicht zu überbieten.“ Sie habe die Babyleiche wie gewöhnlichen Hausmüll behandelt. Sie habe zu keiner Zeit um das Kind getrauert.

Die 29-Jährige kommt aus dem Raum Stuttgart und lebte vor ihrer Verhaftung in Renningen (Landkreis Böblingen). Begangen hat sie die Tat aber in der Wohnung ihres damaligen Freundes im Landkreis Bamberg. Die Babyleiche versteckte sie zunächst im Schlafzimmer, Monate später dann in einem Gebüsch nahe Walsdorf (Landkreis Bamberg). Sie räumte die Tat bereits bei ihrer Festnahme im Dezember 2011 ein. „Das Geständnis ist sehr hoch zu werten“, findet ihr Anwalt Jörg Händler.

Am zweiten Verhandlungstag sagt der Mann als Zeuge aus, den die Frau als ihren aktuellen Verlobten bezeichnet hat. Sie hat sogar ihre Heiratsabsichten neuerlich bekräftigt. In Untersuchungshaft hat sie von ihm ein Kind geboren. Es war ihre siebte Entbindung. Eine Totgeburt hatte sie 2003. Die vier älteren Kinder leben im Heim oder in Pflegefamilien.

Im Sitzungssaal beendet der junge Mann die Beziehung und sagt, er wolle sich um das alleinige Sorgerecht für das gemeinsame Baby bemühen. Die Angeklagte bleibt auch hier regungslos. Psychiater Norbert Nedopil aus München wird ihr später „emotionale Unbeteiligtheit“ attestieren.

Nach der Geburt im Badezimmer ließ sie das Baby liegen und ging ins Schlafzimmer. Das kleine Mädchen ist wohl erfroren, auch wenn Rechtsmediziner die genaue Todesursache nicht mehr klären konnten.

War die Frau damals im Trance? Nedopil sagt: Nein. „Sie hat die Geburt wahrgenommen.“ Eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung sei nicht festzustellen gewesen.

Die 29-Jährige habe er als einen Menschen erlebt, der Problemen aus dem Weg gehe. „Ihr Leben war ein Durchmogeln.“ Sie habe sich „blind gestellt“ und den Kopf in den Sand gesteckt. Allerdings sei sie nicht ernsthaft psychisch krank.

„Darüber habe ich mir keinen Kopf gemacht.“ Diesen Satz, sagt Nedopil, habe er oft von ihr gehört. So habe sie es auch verkraftet, dass die Babyleiche, eingewickelt in einem Müllsack, monatelang im Schlafzimmerschrank lag, die Frau mit ihrem damaligen Lebenspartner aber weiter in der kleinen Wohnung lebte - so, als wäre nichts geschehen.

dpa

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