Vier ehemalige Mitarbeiter angeklagt

90 Zeugen: Prozessauftakt im Fall TechnoSan

  • schließen

München/Neuötting - 90 Zeugen, 26 Verhandlungstage, vier Angeklagte: Ab Mittwoch beschäftigt sich das Landgericht München II mit dem Fall TechnoSan.

Vor rund eineinhalb Jahren erschütterte ein Umweltskandal die Region, der im wahrsten Sinne ein gigantisches Ausmaß annahm: Mehr als 400.000 Tonnen kontaminiertes Material soll die Firma TechnoSan an mehreren Standorten in Bayern eingelagert haben, ohne es vorher ordnungsgemäß aufzubereiten.

Laboranalysen manipuliert, Kunden getäuscht

Dossier zum Fall TechnoSan

Dem Umweltskandal folgt nun ein gigantischer Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II. Angeklagt sind der ehemalige Geschäftsführer sowie drei Mitarbeiter der Firma. Das Gericht hat 26 Verhandlungstage angesetzt, läuft alles planmäßig, dauert der Prozess bis Anfang August. 90 Zeugen sollen bis dahin gehört werden. Prozessauftakt ist am Mittwoch, 30. April.

Die Angeklagten sollen ungeachtet einer mangelhaft funktionsfähigen Aufbereitungsanlage belastetes Material von Kunden angenommen und gelagert haben. Mit manipulierten Laboranalysen soll vorgetäuscht worden sein, dass die Aufbereitungsanlage ordnungsgemäß funktioniert. Damit konnte das noch immer belastete Material in großen Mengen in dafür nicht vorgesehenen Deponien und Gruben gelagert werden. Damit wäre nicht nur das Material unsachgemäß entsorgt worden. Auch den Auftraggebern von TechnoSan wären damit fälschlicherweise eine ordnungsgemäße Bearbeitung des Materials in Rechnung gestellt worden.

Keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt?

Die Staatsanwaltschaft wirft daher dem ehemaligen Geschäftsführer von TechnoSan illegale Müllentsorgung und gemeinschaftlicher gewerbs- und bandenmäßiger Betrug in insgesamt 628 Fällen vor. Zwei seiner Mitangeklagten wird illegale Müllentsorgung und gemeinschaftlicher Betrug in 628 Fällen zur Last gelegt, bei dem vierten Angeklagten summieren sich die Fälle illegaler Müllentsorgung und gemeinschaftlichen Betrugs noch auf 499.

Darüber hinaus wird dem früheren Geschäftsführer Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 96 Fällen zur Last gelegt. Der Angeklagte soll es versäumt haben, für einen seiner mitangeklagten Angestellten Beiträge zur Rentenversicherung abzuführen. Überdies muss sich der Mann für den mutmaßlichen Besitz einer halbautomatischen Pistole verantworten. Wie bereits berichtet, nimmt alleine das Material zur Anklage ein gigantisches Ausmaß an: Es füllt nach Angaben der Staatsanwaltschaft 231 Leitz-Ordner.

Hoeneß-Richter hat den Vorsitz

Wie der Alt-Neuöttinger Anzeiger berichtet, hat bei dem Prozess Richter Rupert Heindl den Vorsitz inne. Heindl hatte jüngst nicht nur den ehemaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, sondern auch einen Unternehmer aus Neuötting zu Haftstrafen verurteilt.

Die juristische Aufarbeitung des Falles TechnoSan ist auch nach diesem Mammutprozess voraussichtlich noch nicht abgeschlossen. Wie bereits berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen weitere Mitarbeiter der Firma.

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © re/dpa (Symbolbild)

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser