Großes ehrenamtliches Engagement

So werden die Asylbewerber versorgt

+
Seit über einer Woche sind im Kingdom Parc in Mühldorf Flüchtlinge untergebracht. Behörden und Ehrenamtliche, darunter andere Asylbewerber, arbeiten Hand in Hand um die Versorgung zu koordinieren.
  • schließen

Mühldorf - 160 Menschen leben seit über einer Woche in der Notunterkunft im Kingdom Parc. Wie die Versorgung der Menschen abläuft und was aktuell benötigt wird:

Am vorletzten Wochenende musste alles ganz schnell gehen: Weil die Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne überfüllt war, mussten Flüchtlinge kurzfristig im Mühldorfer Kingdom Parc untergebracht werden. Rasch wurde das Gebäude zu einer Notunterkunft umfunktioniert, am Freitagabend, 17. Oktober, traf dann ein Bus mit rund einem Dutzend Flüchtlingen ein. Mittlerweile sind 160 Menschen im Kingdom Parc untergebracht, an ihrer Versorgung sind Behörden und Ehrenamtliche gleichermaßen beteiligt - auch andere Asylbewerber packen mit an.

Noch immer werden Winterschuhe benötigt

Wie das Landratsamt Mühldorf auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, wird für die Flüchtlinge im Kingdom Parc durch die Kreiskliniken Mühldorf am Inn gekocht. "Die Organisation und Verteilung des Essens erfolgt drei Mal am Tag durch das Bayerische Rote Kreuz unter Einbindung von freiwilligen Helferinnen und Helfern sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerbern aus anderen Unterkünften im Landkreis Mühldorf am Inn", so die Auskunft des Landratsamts.

Die Annahme und Sortierung der Kleiderspenden übernimmt federführend - mit Hilfe von Ehrenamtlichen - die Stadt Mühldorf. "Es werden weiterhin Herren-Winterschuhe in den Größen 41 bis 43, Herrenhosen in den Größen 46-48, Handtücher sowie Decken benötigt", erklärt das Landratsamt. Insgesamt ist die Kleiderkammer aber so gut gefüllt, dass die Helfer dem Landratsamt zufolge kaum mit dem sortieren nachkämen. In der kommenden Woche wird die Kleiderkammer deshalb nur zwischen 10 und 12 Uhr geöffnet sein.

Geldleistungen ersetzen Essenspakete

Die Versorgung der Asylbewerber außerhalb der Erstaufnahmeeinrichtungen stellt sich dagegen etwas anders dar. Nach und nach werden in den Gemeinschaftsunterkünften in Bayern die Essenpakete durch Geldleistung ersetzt. So können sich die Asylbewerber selbstständig versorgen. "Inzwischen haben sechs von sieben Regierungsbezirken von Sachleistungen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln auf Geldleistungen umgestellt", erläutert ein Sprecher des Bayerischen Sozialministeriums gegenüber unserer Redaktion. Lediglich in Mittelfranken steht die Umstellung noch aus. Dort wartet man, bis der Vertrag mit dem Lieferanten der Essenspakete ausgelaufen ist. Unabhängig von der Unterbringungsform erhalten Asylbewerber zusätzlich ein sogenanntes Taschengeld in Höhe von 140 Euro. Dies soll die "soziokulturelle Teilhabe" ermöglichen.

Im Falle dezentraler Unterkünfte entscheidet der Landkreis beziehungsweise die kreisfreie Stadt, ob die Asylbewerber Essenspakete oder Geld für die Ernährung erhalten. In Mühldorf bekommen die Asylbewerber Geld. "Alleinstehende, erwachsene Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die dezentral und in den beiden Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis Mühldorf am Inn untergebracht sind, erhalten pro Monat eine Geldleistung in Höhe von 329 Euro für Essen, Hygieneartikel und Bekleidung", so das Landratsamt.

Taschengeld und Geld für Lebensmittel

Wie viel Geld ein Asylbewerber insgesamt erhält, hängt von der sogenannten Regelbedarfsstufe ab. "Beispielsweise erhält ein alleinstehender erwachsener Asylbewerber, der einen eigenen Haushalt führt (Regelbedarfsstufe 1) für Lebensmittel mittlerweile monatlich 139,35 Euro, zuzüglich 140 Euro sogenanntes Taschengeld sowie Unterkunft samt Nebenkosten, Bekleidung, Hausrat, Gesundheitspflege und Leistungen bei Krankheit als Sachleistung", so die Auskunft eines Sprechers des Sozialministeriums.

Eine vierköpfige Familie mit einem ein- und einem vierzehnjährigen Kind kommt auf eine Geldleistung von insgesamt 886,57 Euro (469,57 Euro für die Ernährung und 417 Euro Taschengeld). Hinzu kommen auch in diesem Fall Unterkunft samt Nebenkosten, Bekleidung, Hausrat, Gesundheitspflege und Leistungen bei Krankheit als Sachleistung.

Frühere Leistungen deutlich niedriger

Noch vor wenigen Jahren haben Asylbewerber deutlich weniger Geld erhalten. Die gesetzlich festgelegten Sozialleistungen für Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge waren seit 1993 nicht mehr erhöht worden. Das monatliche Taschengeld etwa lag bei lediglich 40 Euro. 2012 hat das Bundesverfassungsgericht schließlich geurteilt, die Leistungen für Asylbewerber lägen unterhalb des Existenzminimums. Die Richter forderten, die Leistungen "erheblich" anzuheben. Das Bundesverfassungsgericht nahm damals zum einen die Regelsätze von Hartz-IV als Orientierungsgröße und verwies zum anderen darauf, dass es seit 1993 eine Preissteigerung gegeben habe.

Seit dem Urteil bekamen Asylbewerber bereits durch eine Übergangslösung mehr Geld, für 2014 wurden die Leistungssätze schließlich analog zum Satz für Hartz-IV-Empfänger angepasst. Die genaue Summe, die ein Asylbewerber erhält, hängt von der Regelbedarfsstufe ab.

Aus unserem Archiv:

Bilder aus dem "Kingdom Parc"

Mühldorf bereitet sich auf Flüchtlinge vor

Kingdom Parc als Notunterkunft

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser