Ein Experte erklärt

Wie gefährlich sind Luftgewehre wirklich?

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Frei verkäufliche Luftgewehre können keinen Menschen töten - gefährlich sind sie aber durchaus
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Mühldorf - Negative Schlagzeilen über Luftgewehre gibt es immer wieder. Ein Experte erklärt, was man für einen sicheren Umgang mit diesen Waffen beachten sollte.

Negative Schlagzeilen über Luftgewehre waren zuletzt keine Seltenheit. In Bad Reichenhall musste eine Katze in der Tierklinik operiert werden, nachdem sie von einem Luftgewehr verletzt worden war, in Tann im Landkreis Rottal-Inn wäre Anfang Juni Kater Eddi beinahe an einer aus nächster Nähe abgefeuerten Luftgewehrkugel gestorben und letztes Jahr schossen im Landkreis Mühldorf zwei junge Männer und eine junge Frau von einem Balkon aus auf Gäste einer Party. Mehrere Partygäste erlitten dabei leichte Verletzungen.

Zwar gibt es weit stärkere Waffen - unterschätzen sollte man die Durchschlagskraft eines Luftgewehrs aber nicht. Druckluftwaffen, Federdruckwaffen und CO2-Waffen mit einer Energie von mehr als 7,5 Joule sind deshalb erlaubnispflichtig. Mit weniger als 7,5 Joule können diese Waffen zwar - ab 18 Jahren und wenn sie zusätzlich mit einem F gekennzeichnet sind - frei erworben werden, unterliegen aber gewissen Bestimmungen.

Nur transportieren, nicht mit sich führen

Luftgewehre mit weniger als 7,5 Joule dürfe man transportieren, aber nicht mit sich führen, erklärt Ludwig Hallhuber Junior, Büchsenmachermeister aus Mühldorf. Konkret bedeutet das, dass das Gewehr, wenn man es zum Beispiel zum Schießstand oder zum Büchsenmacher mitnimmt, in einer Tasche verstaut und die Munition getrennt aufbewahrt werden muss. Im eigenen Haus gelten für Luftgewehre unter 7,5 Joule nicht so strenge Vorgaben wie für andere Waffen. Verschlossen aufbewahrt werden müssen die Luftgewehre aber dennoch.

Wer sein Luftgewehr benutzen möchte, muss ebenfalls einiges beachten. Schießen darf man nur bei sich zuhause und im Garten - allerdings auch nur dann, wenn das Geschoss das Grundstück nicht verlassen kann. Hallhuber empfiehlt, dass man auf einen Schießstand geht oder bei sich zuhause im Keller schießt - allerdings dann mit nur mit Kugelfang. Zielgenau sind diese Waffen übrigens auf zehn bis 15 Meter Entfernung, danach sind die Geschosse bereits im Sinkflug. Im richtigen Winkel abgeschossen können die Kugeln Hallhuber zufolge bis zu 50 Meter weit fliegen - aber eben nicht mehr zielgenau.

Auge kann ausgeschossen werden

Dass man niemals auf Menschen schießen sollte, erklärt sich eigentlich von selbst. "Das gehört zum gesunden Menschenverstand", bringt es Hallhuber auf den Punkt. Auch für Menschen, die in ihrem Garten auf Katzen schießen, hat der Büchsenmacher kein Verständnis. "Eine Katze ist heute ja schon ein Familienmitglied."

Dass Katzen mitunter lebensgefährlich verletzt werden, wenn sie aus nächster Nähe getroffen werden, überrascht Hallhuber nicht. Bei 7,5 Joule hätten die kegelförmigen Bleigeschosse direkt nach dem Austritt aus der Mündung eine Geschwindigkeit von 175 Metern pro Sekunde. Auch für Menschen ist ein solches Geschoss deshalb nicht ungefährlich. "Bei bis zu zehn Metern Entfernung dringt es unter die Haut ein", so Hallhuber. Bei Luftgewehren unter 7,5 Joule bestünde allerdings keine Lebensgefahr für Menschen, selbst wenn die Kugel ausgerechnet die Schläfe treffen sollte. Ein Auge könne ein Luftgewehrgeschoss aber sehr wohl ausschießen.

Einfach "nachrüsten" ist nicht erlaubt

Ungleich mehr Gefahr geht freilich von stärkeren, nicht erlaubnisfreien Luftgewehren aus. Diese können Hallhuber zufolge bis zu 35 Joule Energie haben. Außerdem könne man in erlaubnisfreie Luftgewehre eine stärkere Feder einbauen. Dann gilt aber das gleiche wie bei Luftgewehren, die von Haus aus mehr als 7,5 Joule haben: Sie werden wie scharfe Waffen behandelt, weshalb der Besitzer eine Waffenbesitzkarte braucht, in die er die Waffe eintragen muss. Andernfalls macht er sich strafbar.

Quelle: innsalzach24.de

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