Sechs Jahre Haft für Missbrauch in 46 Fällen

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Nico H. wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt

Kulmbach - Ein 25-Jähriger hat neun Jungen im Alter zwischen 5 und 13 Jahren über Jahre hinweg missbraucht. Jetzt ist er zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die Betroffenen leiden vermutlich ihr Leben lang.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 43 Fällen ist ein Jugendwart aus Kulmbach am Donnerstag vom Landgericht Bayreuth zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der 25-Jährige, der als Traktorfahrer arbeitete, hat nach Überzeugung der Jugendkammer seinen Beruf und sein Hobby dazu genutzt, sich über mehrere Jahre hinweg an zwei Nachbarsbuben und sieben jungen Mitgliedern einer Modellflugvereinigung zu vergehen. Das Gericht behielt sich die Anordnung der anschließenden Unterbringung des Angeklagten in der Sicherungsverwahrung vor.

Der Staatsanwalt hatte für den an einer Chromosomen-Anomalie leidenden Angeklagten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten gefordert. Die Verteidiger plädierten angesichts der Reifestörungen des Angeklagten auf eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren, die eine Sicherungsverwahrung ausgeschlossen hätte. Sie verwiesen darauf, dass der Angeklagte zu Prozessbeginn am Mittwoch ein Geständnis abgelegt und seine schwierige persönliche Lebenssituation geschildert habe.

45 Fälle nur "Tropen auf den heißen Stein"

Der Angeklagte, der an dem sogenannten Klinefelter-Syndrom leidet, musste sich deshalb im Alter von 14 Jahren einer Hodenoperation unterziehen und wurde mit dem Hormon Testosteron behandelt.

Die Anwälte der Opfer gehen davon aus, dass die ursprünglich 45 Fälle, die der Anklage zugrunde lagen, nur “den berühmten Tropfen auf den heißen Stein darstellen“. Die meisten Kinder sind nach Darstellung des Gerichts noch immer völlig verstört. Unter teilweise massiven posttraumatischen Belastungssyndromen litten auch ihre kompletten Familien.

Der Angeklagte habe ihnen einen Teil ihrer Kindheit geraubt und bei ihnen eine Störung der gesunden sexuellen Entwicklung verursacht, sagte eine der Nebenklägerinnen. “Der Angeklagte muss vor sich selbst geschützt werden und wir müssen unsere Kinder vor ihm schützen.“

Die Jahre langen Übergriffe waren erst im Juli des vergangenen Jahres bekanntgeworden. Ein Nachbarsjunge, der als Gegenleistung für die Duldung sexueller Handlungen den Traktor des Angeklagten steuern durfte, hatte sich seinen Eltern offenbart. Die Übergriffe an den Mitgliedern der Modellfliegervereinigung kamen erst danach im Rahmen der Ermittlungen zutage.

dpa

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