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Millionenprozess um den „Gral“

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Der mysteriöse Kessel aus dem Chiemsee.

Chieming/Zürich – Die Ritter der Tafelrunde hätten für den sagenumwobenen „Heiligen Gral“ ihr Leben gegeben. Ein Geschäftsmann aus der Schweiz riskiert dafür seine Freiheit.

Vier Jahre Gefängnis forderte der Staatsanwalt jetzt in einem außergewöhnlichen Prozess bei Zürich. Der 61-jährige Angeklagte bleibt aber dabei: Bei dem Goldkessel, der 2001 aus dem Chiemsee gefischt wurde, handele es sich um den Gral.

Goldkessel sind keine Umsatzbeteiligungen. Wer aber jetzt dem Geschäftsmann und „Gralsbesitzer“ vor dem Bezirksgericht Meilen zuhörte, sah sich an die Beteuerungen der ehemaligen Akzenta-Bosse erinnert. Auch sie hatten im Betrugsprozess um die Neubeurer Skandalfirma bis zuletzt erklärt, die auf ihre Renditen und Rückzahlungen wartenden Anleger kämen alle auf ihre Kosten – wenn nur die Staatsanwaltschaft nicht die Konten eingefroren und so das wundersame Geldvermehrungsmodell der Akzenta AG gestoppt hätte.

Ähnlich argumentierte der derzeit wegen Betrugs angeklagte Finanzjongleur vom Zürichsee. Er habe längst einen Käufer an der Angel, der 30 Millionen Franken für seinen „Heiligen Gral“ hinblättern wolle, ließ er über seinen Rechtsanwalt ausrichten. Der Verkauf des „bedeutendsten kunsthistorischen Fundobjekts des Abendlandes und der westlichen Hemisphäre“ – so heißt es im Werbeprospekt für den „Gral“ – würde alle Probleme lösen, die Anleger zufrieden stellen. Aber der Goldschatz wurde von der Staatsanwaltschaft weggesperrt. Er ruht jetzt im Tresor der Züricher Kantonalbank. „Seine Odyssee muss ein Ende haben“, sagt der Bezirksrichter zu dem Kessel, der die Schweizer Justiz seit 2006 beschäftigt. Damals hatte eine Anlegerin aus Kasachstan Anzeige erstattet, weil sie dem 61-Jährigen seine großen Grals-Pläne nicht mehr glaubte. Wann genau die Odyssee des elf Kilo schweren Goldkessels begann, wo er gefertigt wurde und wer ihn in den Chiemsee warf – das lässt sich nicht mehr feststellen. Aber es war im September 2001, als ein Hobbytaucher bei Arlaching (Gemeinde Chieming) eine sensationelle Entdeckung machte. In Ufernähe zogen sie einen Kessel aus purem Gold aus dem Schlamm. Danach versuchte das Bayerische Finanzministerium, mit dem sich der Finder den Besitz des Kessels teilen musste, schnell mit aufkommenden Mythenbildungen aufzuräumen. Das 30 Zentimeter hohe und 50 Zentimeter breite Goldstück, auf der Innen- und Außenseite mit Motiven keltisch-indogermanischer Mythen und Opferkulten verziert, stamme weder aus der Nazi- noch aus der Keltenzeit, betonten Wissenschaftler der Archäologischen Staatssammlung in München. Der Kessel sei Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt worden, so die Experten im Jahr 2003.

Dem Schweizer Geschäftsmann war das egal. Er witterte das Geschäft seines Lebens, kaufte den Schatz über einen Mittelsmann für 300 000 Euro und startete sein „Gralsprojekt“: Mit einer guten Werbestrategie ließe sich mit dem „eigentlich unbezahlbaren Schatz“ bis zu einer Milliarde verdienen, versprach er Anlegern aus Russland, Deutschland und Kasachstan. Sieben Millionen Euro überwiesen sie auf das Konto des Schweizers. Weil weder die Kampagne für den Gral in Gang kommen wollte noch Geld zurückfloss, ließ ein Ehepaar aus Kasachstan die Geschichte auffliegen und ging zur Polizei. Wie im Fall Akzenta führten die jahrelangen Ermittlungen zu wahren Aktenbergen. Wie die „Zürichsee-Zeitung“ berichtet, füllen die Ermitlungsergebnisse 90 Ordner, die Anklageschrift ist 80 Seiten dick und die Liste des Geschädigten umfasst 37 Personen, fast alle aus dem deutschsprachigen benachbarten Ausland und Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Mit dem Geld, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, habe der 61-Jährige aber nur die riesigen Löcher gestopft, die er mit weiteren unseriösen Geschäftsmodellen aufgerissen habe. Laut Anklage hat er damit einen Schaden von 24 Millionen Euro angerichtet – auch hierfür musste er sich verantworten. Nach zwei Verhandlungstagen plädierte der Staatsanwalt auf vier Jahre Gefängnis wegen Betrugs. Das Urteil wird vermutlich erst im Februar gefällt. Auch was aus dem Goldkessel wird, ist unklar. So hat der Angeklagte zumindest in einem Punkt recht: „Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben“, verkündete er pathetisch im Schlusswort.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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