De Maizière: Keine Bundesmittel für 2018-Bewerbung

Innenminister Thomas de Maizière

Garmisch-Partenkirchen - Reinhold Messner sieht bei der Münchner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 Versäumnisse. Unterdessen kündigte Innenminister Thomas de Maizière an, dass es für die Bewerbung keine Mittel vom Bund geben werde.

“Die Bauern sind nicht richtig eingebunden worden“, sagte Messner der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf die Weigerung zahlreicher Grundbesitzer in Garmisch- Partenkirchen, ihre Flächen für die Spiele bereitzustellen. Er selbst würde als betroffener Bauer “keinen Quadratmeter“ für die Spiele hergeben, sagte der 65-Jährige, der selbst drei Bergbauernhöfe besitzt.

Messner setzte sich erneut dafür ein, die Zahl der Olympia- Gastgeber für Winterspiele zu begrenzen. “Ich würde mir wünschen, dass man früher oder später einsieht, dass man fünf oder sechs Standorte braucht, die sich abwechseln.“

Es habe nichts gegen Olympia in München und Garmisch- Partenkirchen, sagte Messner. Dennoch böte Innsbruck sehr gute Voraussetzungen - eine sinnvolle Lösung könne es deshalb sein, die Spiele länderübergreifend auszutragen. Messner warnte vor Bespielen anderer Olympia-Austragungsorte wie das italienische Turin, wo heute “die gesamte Infrastuktur nutzlos herumsteht“. Im russischen Sotschi sei für die Spiele 2014 schon jetzt eine große Naturzerstörung absehbar.

Nur wo wenig Infrastrukturen neu gebaut werden müssten, könne den Bauern und anderen Grundstückseigentümern eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands garantiert werden, sagte Messner. Die Landwirte dürften nicht das Gefühl haben, enteignet zu werden. “Die Bauern müssen freiwillig bereit sein, ihren Grund und Boden herzugeben.“ Die Garmischer Landwirte fürchten, dass ihr Grund durch den Bau unter anderem von Loipen und Parkplätzen Schaden nimmt. Wegen massiver Proteste der Grundstücksbesitzer war das nahegelegene Oberammergau als Austragungsort bereits gestrichen worden.

Es gehe bei der Bewerbung stark darum, Garmisch-Partenkirchen für den Tourismus wieder ganz nach vorne zu bringen, sagte Messner. Doch dabei müssten nachhaltige Konzepte umgesetzt werden. Etwa müssten lokale Produkte am Ort veredelt und vermarktet werden. “Wenn Garmisch dieses Modell machen würde, hätte es eine gute Chance“, sagte Messner. “Ich bin Landwirt. Und ich möchte zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, mit Landwirtschaft und Tourismus zu überleben.“

Der von manchen Naturschützern in seiner Südtiroler Heimat propagierte Weg, die Natur in den Alpen sich selbst zu überlassen, sei nicht richtig, sagte Messner. “Das Wichtigste ist, dass wir die Kulturlandschaft weiter bearbeiten - sie wird in den Dolomiten seit 5000 Jahren bewirtschaftet.“ Nur weil die Wiesen gemäht und als Weide genutzt worden seien, habe sich eine wertvolle Flora und Fauna entwickeln können.

Sie zu schützen habe höheren Wert, als sie in Wildnis zurückfallen zu lassen. In höheren Regionen oberhalb einer “Kulturgrenze“ von 2200 Metern hingegen sollten keine neuen Infrastrukturen gebaut werden. “Hoch oben sollten wir die Wildnis wild lassen“, sagte Messner. “Es ist eine sehr komplexe und feinfühlige Auseinandersetzung mit Kultur und Natur.“

De Maizière: Keine Bundesmittel für 2018-Bewerbung

Unterdessen kann die Münchner Olympia-Kandidatur bei der Deckung der Bewerbungskosten nicht auf Mittel vom Bund setzen. Der für den Sport zuständige Innenminister Thomas de Maizière erteilte der klammen Bewerbungsgesellschaft, deren Chef Willy Bogner öffentliche Gelder für seinen Etat gefordert hatte, eine deutliche Absage: “Nach der letzten Sitzung gibt es Klarheit über die Bewerbungskosten. Es gibt einen Rahmen, der für die Bewerbungskosten zur Verfügung stehen soll. Klar ist, dass der Bund sich daran nicht beteiligt, aber das war nie angeboten und das war auch nicht gefordert von Herrn Bogner“, erklärte de Maizière am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Bogner hatte in einem Brandbrief an die Gesellschafter öffentliche Unterstützung angemahnt. Bei der folgenden Gesellschafterversammlung wurde der Etat von 30 auf 33 Millionen Euro erhöht. Bisher haben die Münchner 22 Millionen Euro zusammen.

dpa

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